Bettwanzen:Â Verband spricht nach Funden von Hysterie
05.01.2024 - 05:24:33Die Bettwanze beschĂ€ftigte im vergangenen Jahr in Frankreich höchste Kreise. Vor den Olympischen Spielen in Paris dieses Jahr machten sich selbst Minister der französischen Regierung Sorgen um die angebliche Plage nach Funden in einem Kino, der Metro und der Staatsbahn. In Deutschland bat ein Wissenschaftler eines Naturkundemuseums um tatkrĂ€ftige Mithilfe der Bevölkerung in Sachen Bettwanze. Die Menschen sollten ihm fĂŒr die Forschung Fotos schicken oder eingefrorene Exemplare in die Post packen.
Sein erstes Zwischenfazit nach rund zwei Monaten: Es gab insgesamt 38 Meldungen, 25 davon aus Nordrhein-Westfalen. Der Rest kam aus Berlin, Sachsen, Schleswig-Holstein, ThĂŒringen, Bayern und auch aus Lille in Frankreich. TatsĂ€chlich waren nur 9 der Funde auch wirklich Bettwanzen. «Bei einer Einsendung handelte es sich um die verwandte Schwalbenwanze, die normalerweise an Vögeln saugt, das aber auch an Menschen tun kann», sagte Viktor Hartung der dpa. Hartung ist am Naturkundemuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe in MĂŒnster der Experte, der um die Mithilfe der Bevölkerung warb.
Wie ticken die Blutsauger?
«Die Fachwelt weiĂ nĂ€mlich sehr wenig ĂŒber die aktuelle Verbreitung der Bettwanzen und ihre Ausbreitungswege», sagte Hartung bei dem Aufruf Ende Oktober. Das Insekt ernĂ€hrt sich von menschlichem Blut. «Zwar ĂŒbertragen sie keine Krankheiten, können einem das Leben jedoch vermiesen. Daher ist es vollkommen verstĂ€ndlich, dass sich auch viele Menschen in Deutschland vor einem Befall fĂŒrchten», sagt Hartung.
Der deutsche SchĂ€dlingsbekĂ€mpfer-Verband mit Sitz im nordrhein-westfĂ€lischen IbbenbĂŒren spricht bei der Bettwanze nach den VorfĂ€llen in Frankreich mancherorts von Hysterie. «Was sicherlich in Paris zu einem vermehrten Einsatz von SchĂ€dlingsbekĂ€mpfern gefĂŒhrt hat, hat auch in Deutschland sicherlich das Interesse der Verbraucher geweckt und den ein oder anderen aufmerksam werden lassen», teilte der Verband mit. Dadurch seien in Deutschland öfter mal SchĂ€dlingsbekĂ€mpfer gerufen worden, wo dann «glĂŒcklicherweise kein Einsatz notwendig war».
SchÀdlinge auf Social Media
FrĂŒher habe es bei Wespen, Ratten, MĂ€usen und Bettwanzen eine Saison gegeben. Heute gingen die AuftrĂ€ge in diesem Zusammenhang oftmals das ganze Jahr ein. Als Trend sehen die SchĂ€dlingsbekĂ€mpfer, dass die Verbraucher verstĂ€rkt durch die sozialen Netzwerke auf SchĂ€dlinge aufmerksam gemacht werden. Das könne ein Segen, aber auch ein Fluch sein. «Insbesondere dann, wenn Verbraucher, teils hysterisch, einen SchĂ€dlingsbefall sehen, wo dann doch keiner ist.» SchĂ€dlingsbekĂ€mpfer seien dann auch immer Seelentröster, mĂŒssten ein offenes Ohr fĂŒr die Sorgen und Nöte ihrer Kunden haben, so der Verband.
Unter den Einsendungen in MĂŒnster gab es eine ganze Reihe anderer Tiere: StaublĂ€use, Asseln, ausgewachsene SpeckkĂ€fer und Larven, Flöhe, Waldschaben und die Marmorierten Baumwanzen, die sich in der kalten Jahreszeit Winterquartiere suchen. Allein 12 der 38 Meldungen betrafen die fĂŒr den Menschen harmlose Baumwanze.
Bettwanzen verstecken sich etwa in Betten, in Möbelfugen oder Ritzen. Sie werden zum Beispiel im GepĂ€ck an andere Orte gebracht, aber auch durch getragene Kleidung. Ihr Biss kann starken Juckreiz verursachen. Experten empfehlen, in Hotelbetten vorab nach Wanzen Ausschau zu halten und GepĂ€ck und Kleidung bei der RĂŒckkehr zu Hause in der Dusche auszuschĂŒtteln.


