Darum checken junge EuropÀer so spÀt aus dem Hotel Mama aus
10.06.2025 - 13:57:15MĂ€nner lassen sich im Schnitt mehr Zeit beim Auszug. In Deutschland betrug der Unterschied im Durchschnittsalter im Jahr 2024 anderthalb Jahre: WĂ€hrend Frauen mit durchschnittlich 23,1Â Jahren auszogen, taten MĂ€nner dies mit 24,6Â Jahren. Insgesamt verlassen junge Menschen in Deutschland frĂŒher das Elternhaus (23,9 Jahre) als im EU-Durchschnitt (26,2).Â
Das teilt das Statistische Bundesamt auf Basis von Berechnungen der europÀischen Statistikbehörde Eurostat mit. In sieben EU-Staaten war 2024 das Auszugsalter im Durchschnitt niedriger als in Deutschland, darunter die skandinavischen Staaten, die Niederlande (23,2) und Frankreich (23,5).
Besonders frĂŒh zogen die Menschen in Finnland (21,4 Jahre) und in DĂ€nemark (21,7 Jahre) aus. Besonders spĂ€t verlieĂen sie das Elternhaus in Kroatien (31,3 Jahre), der Slowakei (30,9 Jahre) und Griechenland (30,7 Jahre).
Schaut man auf die Menschen, die besonders lange bei den Eltern wohnen, wird der Unterschied zwischen den Geschlechtern noch deutlicher: 2024 wohnten in Deutschland 33,8 Prozent der 25-jĂ€hrigen MĂ€nner noch im Haushalt der Eltern, aber nur 22,4 Prozent der Frauen.Â
Junge Skandinavier können es sich leisten auszuziehen
Einer der HauptgrĂŒnde fĂŒr die frĂŒhe Nestflucht der Skandinavier ist die finanzielle UnterstĂŒtzung von SchĂŒlerinnen, Studierenden und Auszubildenden durch den Staat. UnabhĂ€ngig vom Einkommen der Eltern bekommen sie einen staatlichen Zuschuss, den sie nicht zurĂŒckzahlen mĂŒssen.Â
Zudem gibt es relativ viele Studentenwohnheime und staatlich geförderte, fĂŒr junge Menschen reservierte Mietwohnungen. Zudem ist es fĂŒr viele auch notwendig. Im dĂŒnn besiedelten Norden Schwedens und Finnlands ist es oft weit bis zur nĂ€chsten weiterfĂŒhrenden Schule; aber auch im kleinen DĂ€nemark sind die gymnasiale Oberstufe, Berufsschulen und Ausbildungszentren vor allem in den wenigen GroĂstĂ€dten konzentriert.
Nicht zuletzt herrscht in Skandinavien eine Kultur, in der SelbststĂ€ndigkeit und Individualismus gefördert werden. Eltern befĂŒrworten meist Abenteuerlust und Freiheitsdrang ihrer Kinder. Familienstrukturen sind oft lockerer als in SĂŒdeuropa.
Spezielles Familienkonzept in GriechenlandÂ
In Griechenland oder Zypern gilt dagegen eine Frage wie «Wann planst du denn auszuziehen?» geradezu als Tabu. Sehr hohe Mieten und fehlende gut bezahlte Arbeitsmöglichkeiten zwingen junge Menschen in Griechenland oft dazu, im Elternhaus zu bleiben, um Geld zu sparen.Â
AuĂerdem hat die Familie eine groĂe Bedeutung, und zwar in dem Sinne, dass Eltern ihren Kindern Unterkunft und finanzielle Hilfe anbieten, wĂ€hrend die Kinder - hauptsĂ€chlich die Söhne - im Gegenzug den Eltern helfen, insbesondere in NotfĂ€llen oder im hohen Alter.Â
Italien zwischen «Bamboccioni» und «Boomerang-Generation»
In Italien ist das Klischee der sogenannten Bamboccioni (junge Erwachsene, die aus Bequemlichkeit oder UnselbststĂ€ndigkeit bei ihren Eltern wohnen bleiben) weit verbreitet.Â
Die RealitĂ€t ist jedoch hĂ€rter: Viele junge Menschen haben keine andere Wahl. Etwa jeder Siebte im Alter zwischen 15 und 29 Jahren ist weder in Ausbildung noch berufstĂ€tig. Und wer arbeitet, findet oft nur befristete oder prekĂ€re BeschĂ€ftigungsverhĂ€ltnisse.Â
Hinzu kommt, dass stagnierende Löhne den Zugang zu Hypotheken erheblich erschweren. Zwar gilt Italien mit gut 70 Prozent Eigenheimbesitz als EigentĂŒmerland, doch gerade junge Menschen bleiben vom Immobilienmarkt zunehmend ausgeschlossen.
Zudem spricht man in Italien aktuell auch von einer «Boomerang-Generation»: Gemeint sind Menschen, die nach Jahren der UnabhĂ€ngigkeit wieder zu ihren Eltern ziehen. GeldgrĂŒnde spielen eine Rolle, aber auch emotionale Faktoren wie Einsamkeit oder das BedĂŒrfnis nach familiĂ€rer UnterstĂŒtzung.
Harter Immobilienmarkt in der Slowakei
In der Slowakei sorgte der Staat in der Zeit des «Realsozialismus» fĂŒr Wohnraum. Nach der Wende wurden die Wohnungen allesamt privatisiert und kaum mehr neue gebaut. In Boom-StĂ€dten wie Bratislava ist es fĂŒr private Investoren lukrativer, in BĂŒroimmobilien als in Wohnungen zu investieren.
Dass Menschen hier vergleichsweise lange bei ihren Eltern wohnen bleiben, hat weniger mit den scheinbaren VorzĂŒgen des «Hotel Mama» zu tun als mit der HĂ€rte des Immobilienmarkts.Â
Da es kaum freie Mietwohnungen gibt, bleiben junge Leute auch als BerufstÀtige bei den Eltern, bis sie genug Geld verdient haben, um sich eine eigene Wohnung kaufen zu können. Und das kann in dem Niedriglohnland lange dauern.


