Tote, Verletzte

Mehr Tote und Verletzte bei VerkehrsunfÀllen

27.02.2024 - 13:47:58

Insgesamt 2830 Menschen sind nach vorlĂ€ufigen Angaben vergangenes Jahr bei UnfĂ€llen auf deutschen Straßen getötet worden, 42 mehr als 2022. Vor allem die Entwicklung bei den FußgĂ€ngern fĂ€llt auf.

Mehr UnfĂ€lle, mehr Tote, mehr Verletzte: Die Verkehrsstatistik zeigt fĂŒr das vergangene Jahr in zentralen Punkten einen negativen Trend. Insgesamt starben 2830 Menschen bei VerkehrsunfĂ€llen auf deutschen Straßen - 1,5 Prozent oder 42 Personen mehr als im Jahr davor, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden unter Berufung auf vorlĂ€ufige Ergebnisse mitteilte. Rund 364.900 Menschen wurden demnach 2023 bei VerkehrsunfĂ€llen verletzt, 1,0 Prozent mehr als 2022.

Die Zahlen liegen aber unter dem Vor-Corona-Niveau: Im Vergleich zum Jahr 2019 zogen sich 7,1 Prozent weniger Menschen tödliche Verletzungen zu, 5,0 Prozent weniger Menschen wurden verletzt. Die Gesamtzahl der UnfĂ€lle ĂŒberstieg 2023 erstmals seit 2019 wieder knapp die Grenze von 2,5 Millionen, der Zuwachs im Vorjahresvergleich betrug 4,5 Prozent, wie das Bundesamt mitteilte.

Im vergangenen Jahr wurden rund 2,2 Millionen UnfÀlle mit SachschÀden registriert, 5 Prozent mehr als im Vorjahr. Hinzu kamen knapp 290.800 UnfÀlle mit PersonenschÀden, dies bedeutet einen Zuwachs von 0,4 Prozent. Im Vor-Corona-Jahr 2019 hatte die Polizei den Angaben zufolge noch rund 2,7 Millionen UnfÀlle aufgenommen, darunter rund 300.000 mit Personenschaden.

Hoher Anstieg bei getöteten FußgĂ€ngern

Detailliertere Ergebnisse liegen dem Bundesamt fĂŒr den Zeitraum Januar bis November 2023 vor. Bei den getöteten FußgĂ€ngerinnen und FußgĂ€ngern gab es demnach einen starken Anstieg von 12,3 Prozent oder 40 Menschen. Bei den getöteten Insassen von GĂŒterkraftfahrzeugen gab es dagegen ein Minus von 13,3 Prozent oder 16 Personen. Bei den getöteten Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrern wurde ein Minus von 7,6 Prozent oder 35 Personen ermittelt.

FußgĂ€ngerinnen und FußgĂ€nger mĂŒssten besser geschĂŒtzt werden, forderte die Leiterin der Unfallforschung der Versicherer, Kirstin Zeidler, mit Blick auf die Zahlen. Dies gelte besonders fĂŒr die ohnehin wachsende Gruppe Ă€lterer Menschen. Von den getöteten FußgĂ€ngern zwischen Januar und November seien 55 Prozent mindestens 65 Jahre alt gewesen.

FußgĂ€nger verunglĂŒckten meist beim Überqueren der Straßen. Die StĂ€dte mĂŒssten hier mehr Sicherheit schaffen, durch mehr Ampeln, Überwege und Mittelinseln sowie bessere SichtverhĂ€ltnisse, forderte Zeidler. Bereiche fĂŒr den Rad- und den Fußverkehr mĂŒssten getrennt werden.

Auch Unfallforscher Siegfried Brockmann von der Björn Steiger Stiftung sagte, die StĂ€dte mĂŒssten den Fußverkehr besser messen und dementsprechend sichere Möglichkeiten zum Überqueren von Straßen einrichten. Es gebe in dem Bereich noch eine Menge zu tun. Dazu gehörten auch mehr Tempo-30-Zonen mit entsprechender Überwachung.

Verband wirft Politik Versagen vor

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) sprach von einem Versagen der Verkehrspolitik. Eigentlich habe die Ampel-Regierung das Ziel ausgegeben, dass niemand mehr im Verkehr zu Schaden komme, die «Vision Zero». WĂŒrde dies ernst genommen, mĂŒssten Tempo 120 auf Autobahnen, 80 auf Landstraßen und Tempo 30 innerorts als Regelgeschwindigkeit eingefĂŒhrt werden. Der Anstieg der Unfallzahlen sei besorgniserregend und mache deutlich, dass das Thema Verkehrssicherheit und UnfallverhĂŒtung wieder ganz oben auf die Agenda gesetzt werden mĂŒsse, forderte der TÜV-Verband.

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat sprach von einer enttĂ€uschenden Entwicklung und verwies auf die hohe Gefahr von UnfĂ€llen auf Landstraßen, denen seit Jahren etwa 60 Prozent der Getöteten zuzuordnen seien. Tempo 80 auf engen Landstraßen wĂ€re daher eine einfach umzusetzende Maßnahme, die sofort Menschenleben retten wĂŒrde. Ein großer Teil des Landstraßennetzes sei fĂŒr Tempo 100 nicht geeignet.

Die meisten Todesopfer gab es 2023 im Straßenverkehr gemessen an der Einwohnerzahl in Sachsen-Anhalt mit 59 und in Niedersachsen mit 52 je einer Million Einwohnerinnen und Einwohnern, wie das Bundesamt mitteilte. Weit unter dem Bundeswert von 34 Getöteten je einer Million Einwohnern lagen die Stadtstaaten Bremen mit 18, Hamburg mit 15 und Berlin mit 9 Menschen, die starben. Das gilt auch fĂŒr Nordrhein-Westfalen mit 24 Getöteten.

@ dpa.de