GesĂŒnder ZĂ€hneputzen mit Tabs statt Zahnpasta?
08.10.2023 - 07:47:25Zahnpasta auf die BĂŒrste geben, Wasser drĂŒber und ab in den Mund damit. Diese Routine im Badezimmer von Millionen Menschen wird durch Alternativprodukte in Frage gestellt: sogenannte Zahnputztabs. Sie sehen aus wie Tabletten, sind aber nicht zum Schlucken gedacht, sondern mĂŒssen kurz zerkaut werden. Mit Spucke entsteht im Mund ein cremiges Gemisch, mit dem man sich dann die ZĂ€hne putzt. Solche Tabs waren zunĂ€chst oft eher in Bio- und UnverpacktlĂ€den zu finden, inzwischen aber auch in einigen Drogerien und SupermĂ€rkten. Hinzu kommen Anbieter im Internet.
Mit welchen Argumenten Zahnputztabs beworben werden
Die Tabs sind zum Beispiel in TĂŒtchen oder wiederverwendbaren BehĂ€ltern verpackt. Das können Kaufanreize sein fĂŒr Menschen, die auf Plastikverpackungen verzichten oder zumindest weniger davon verbrauchen wollen. Tabs gelten zudem als praktisch auf Reisen, weil nichts auslaufen kann und man kleinere Mengen einpacken kann.
Manche Unternehmen stellen ihre Tabs zudem als gesundheitlich vorteilhaft dar - beziehungsweise herkömmliche Zahnpasta als potenziell ungesund. Sie werben zum Beispiel damit, dass sie gewisse Substanzen weggelassen. Und kritisieren teilweise Fluorid, das ist der fĂŒr die Kariesvorsorge wichtige Stoff in vielen Zahncremes. Teils werden noch andere Inhaltsstoffe als Problem bezeichnet - etwa solche, die dafĂŒr verantwortlich sind, wie Zahnpasta schĂ€umt, aussieht, schmeckt.
Nachdem bis vor Kurzem noch möglichst viele verschiedene Zahnpasta-Wirkungen mit immer mehr Wirkstoffen gefragt gewesen seien, habe sich der Trend in der Diskussion um Nachhaltigkeit und Klimaschutz völlig gewandelt, sagt der Leiter des Departments fĂŒr Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde an der UniversitĂ€t Witten/Herdecke, Stefan Zimmer: «Die Produkte sollen nun möglichst pur sein.» Also möglichst wenig Inhaltsstoffe aufweisen.
Sind Zahnpasta-Inhaltsstoffe ungesund?
Das Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung (BfR) teilt auf Anfrage mit, dass es «keine Hinweise» darauf habe, dass Inhaltsstoffe von Zahnpasta in toxikologisch bedenklichen Mengen aufgenommen wĂŒrden. Generell mĂŒsse jeder Inhaltsstoff eines kosmetischen Mittels sowie das Fertigprodukt eine gesetzlich vorgeschrieben Sicherheitsbewertung durchlaufen, bevor sie in den Verkehr gebracht werde. «Der Hersteller/Inverkehrbringer haftet fĂŒr die gesundheitliche Unbedenklichkeit der Produkte», erklĂ€rt das BfR.
Insbesondere zu Fluorid kursieren seit langer Zeit Falschangaben und abstruse Behauptungen. «Ich bin seit 35 Jahren Zahnarzt und es hat sich in der Zeit nichts daran geÀndert, dass manche Patientengruppen Vorbehalte gegen Fluorid haben», sagt Zimmer. Nicht nur er, auch andere Fachleute betonen, dass das Spurenelement nicht schÀdlich sei - jedenfalls nicht in den niedrigen Dosierungen, die in Zahnpasta enthalten sind.
Das Magazin «Ăkotest» berichtete im Sommer, ein Erwachsener mĂŒsse fĂŒr eine akute Vergiftung mit Symptomen zwei bis drei Zahnpastatuben schlucken, sterben wĂŒrde man erst beim Verspeisen des Inhalts von 33 bis 67 Tuben. Fluorid ist auch keineswegs zu verwechseln mit dem giftigen Gas Fluor.
Die Verbreitung fluoridhaltiger Zahnpasta hat laut BundeszahnĂ€rztekammer zu einem sehr deutlichen RĂŒckgang von Karies bei Kindern und Jugendlichen gefĂŒhrt. Es trage dazu bei, die ZĂ€hne widerstandsfĂ€higer zu machen. «Die Hauptwirkung beim ZĂ€hneputzen ist die Fluoridwirkung», sagt Zimmer. Es sei ein Irrglaube, dass das BĂŒrsten allein vor Karies schĂŒtze. Die mechanische Reinigung sei trotzdem nicht ĂŒberflĂŒssig: Sie sei wichtig gegen Parodontitis, eine bakterielle EntzĂŒndung des Zahnhalteapparates, und unterstĂŒtze die Wirksamkeit des Fluorids gegen Karies.
Tabs oder Zahncreme? Eine Frage der Fluoridmenge
Ob man sich mit Zahnpasta oder Tab die ZĂ€hne putzt, ist laut BundeszahnĂ€rztekammer egal, solange genug von dieser Substanz drinsteckt: «Zahnputztabletten können eine Alternative zur klassischen Zahnpasta sein, wenn der Inhalt stimmt, d.h. sie mĂŒssen ausreichend Fluoride enthalten.» Aber wie viel ist ausreichend? Da wird es komplizierter.
Tabs und Zahnpasta können zwar laut Angabe auf der Packung die gleiche Fluorid-Konzentration enthalten, meistens 1450 ppm. Das heiĂt laut Zimmer aber nicht, dass gleich viel davon im Mund landet. Er gibt ein Rechenbeispiel: Bei einem Hersteller wiege ein Tab nur etwa 0,3 Gramm. Von Zahnpasta hingegen verwende man je nach GröĂe des BĂŒrstenkopfes 1 bis 1,5 Gramm. «Deshalb kann man nicht davon ausgehen, dass eine Zahnputztablette mit Fluorid die gleiche Wirksamkeit wie Zahnpasta entfaltet.» Die Datenlage zu Tabs bewertet er generell als schlecht.
Was stattdessen in manchen Zahncremes und Tabs steckt
Manche Hersteller von fluoridfreien Zahncremes und Tabs nutzen stattdessen Austauschstoffe wie das Mineral Hydroxylapatit (HAP). Es sei nach bisherigem Forschungsstand jedoch «keine wirksame Alternative» bei der Kariesprophylaxe, stellt die BundeszahnÀrztekammer klar.
Wenn in Tabs und Zahnpasta noch weitere Inhaltsstoffe weggelassen werden, wie etwa antibakterielles Zink, Stoffe gegen Mundgeruch, Plaque und WeiĂmacher, so mĂŒsse man natĂŒrlich auf diese Wirkungen verzichten, sagt Zimmer. Einige weitere Substanzen, die teils als problematisch dargestellt werden, hĂ€tten Zahnpasta-Hersteller selbst hĂ€ufig schon vorsorglich aus ihren Produkten entfernt - nur wegen Vermutungen oder Diskussionen darum. Kinderzahnpasta sollte laut BfR jedoch kein Zink enthalten.
Am Preis lĂ€sst sich gute Zahnpflege laut BundeszahnĂ€rztekammer nicht erkennen. Es schnitten zum Beispiel immer wieder gĂŒnstige Zahncremes in Tests gut ab. «Dass Fluorid enthalten ist, ist das A und O.»


