Australien, Koalas

Warum Australien 700 Koalas aus der Luft abgeschossen hat

30.04.2025 - 09:07:44

Koalas gehören zu den beliebtesten Tieren Australiens - und sind vielerorts bedroht. Jetzt wurden nach BuschbrÀnden Hunderte aus der Luft abgeschossen. Aber warum? Viele Tierfreunde sind entsetzt.

In Australien sind heftige Diskussionen entbrannt, nachdem die Behörden in einem Nationalpark etwa 700 Koalas aus Hubschraubern abgeschossen haben. WĂ€hrend die Regierung des Bundesstaates Victoria von einem Akt der Barmherzigkeit fĂŒr die Beuteltiere spricht, sind viele TierschĂŒtzer entsetzt. «Das ist keine FĂŒrsorge. Das ist kein Artenschutz. Das ist eine nationale Schande», wetterte die Tierschutzpartei Animal Justice Party. 

Was war passiert?

Ein verheerender Buschbrand hatte zuvor große Teile des Budj-Bim-Nationalparks etwa 270 Kilometer westlich von Melbourne zerstört. Den Flammen waren Berichten zufolge etwa 2.200 Hektar des rund 5.400 Hektar großen Gebiets zum Opfer gefallen - auch viele Manna-EukalyptusbĂ€ume, die eine wichtige Nahrungsquelle fĂŒr Koalas sind, brannten ab. Viele Tiere trugen Verbrennungen und andere schwere Verletzungen davon.

Ziel der AbschĂŒsse aus der Luft sei es gewesen, den Betroffenen weiteres Leid zu ersparen, zitierte der australische «Guardian» den BiodiversitĂ€tsbeauftragten James Todd. «Aufgrund der direkten Auswirkungen des Feuers, des schlechten Gesundheitszustands und der geringen Überlebenschancen vieler Tiere wegen der anhaltenden DĂŒrre und des Nahrungsmangels nach dem Feuer mussten viele Tiere eingeschlĂ€fert werden», betonte er.

Koalas - oder «Phascolarctos cinereus» - sind in Down Under endemisch. Sie verschlafen den Großteil des Tages in BĂ€umen sitzend und ernĂ€hren sich ausschließlich von EukalyptusblĂ€ttern. 

Abschuss aus der Luft als neue Methode

TierschĂŒtzer kritisieren nun vor allem die Art und Weise, wie die Tiere ausgewĂ€hlt und getötet wurden. Denn die Selektion der Koalas nur durch Luftaufnahmen und aus der Distanz - das ist in Australien neu und bis dato nicht erprobt. 

«Die Entscheidung fĂŒr diese Methode wurde nicht leichtfertig getroffen», sagte Todd. Die Regierung habe sich von erfahrenen TierĂ€rzten und Wildtierexperten beraten lassen. Zudem habe man sich den Tieren aus der Luft so weit wie möglich angenĂ€hert und ihren Gesundheitszustand etwa mit FernglĂ€sern beurteilt.

Andere Methoden seien schließlich angesichts des extrem schwierigen GelĂ€ndes ausgeschlossen worden. Auch hielten sich die Koalas zumeist hoch oben im GeĂ€st der vom Feuer betroffenen BĂ€ume auf, was ein Sicherheitsrisiko dargestellt hĂ€tte. Es habe nur zwei Optionen gegeben, erklĂ€rte Todd: Einfach zuzuschauen, wie sich der Gesundheitszustand der Tiere verschlechtere, oder proaktiv Maßnahmen zu ergreifen, um ihr Leid zu beenden.

«Einfach abgeschlachtet»

Viele TierschĂŒtzer sehen das anders. Nach BrĂ€nden seien schwierige Entscheidungen zum Tierschutz unvermeidlich, und die Minimierung des Tierleids stehe dabei im Vordergrund, teilte die Organisation «Humane World for Animals» mit. «Wir dĂŒrfen aber nicht zulassen, dass Luftaufnahmen zur Standardmethode werden», sagte Evan Quartermain vom australischen Zweig der NGO. 

Den Zustand eines Tieres aus der Ferne zu beurteilen, sei extrem schwierig. Auch seien jetzt vermutlich viele von ihren MĂŒttern abhĂ€ngige Junge verwaist. Es wĂ€re deutlich besser gewesen, Such- und Rettungsaktionen fĂŒr verletzte Koalas durchzufĂŒhren, um fundiertere tierĂ€rztliche Beurteilungen vorzunehmen, betonte Quartermain.

Drastischer machte die Animal Justice Party ihrem Entsetzen Luft. Die Partei erklĂ€rte, die Koalas seien einfach abgeschlachtet worden. «Die Regierung von Victoria genehmigte diese brutale Keulung», hieß es. «Verletzte und vertriebene Koalas wurden vom Himmel aus abgeschossen – ohne Transparenz, ohne Rechenschaftspflicht, ohne Gnade.»

Sind Koalas nicht bedroht?

Der Australian Koala Foundation zufolge gibt es wahrscheinlich höchstens noch 60.000 Koalas in freier Wildbahn. Ein dramatischer RĂŒckgang im Vergleich zu den Millionen Exemplaren, die Anfang des letzten Jahrhunderts noch Australien bevölkerten. Lange wurden die knuddeligen Tiere wegen ihres Fells gejagt, was mancherorts beinahe zu ihrer Ausrottung fĂŒhrte. 

WĂ€hrend es in einigen Bundesstaaten wie New South Wales und Queensland an der OstkĂŒste große Sorge um den Bestand gibt - etwa wegen Naturkatastrophen, Rodungen und VerkehrsunfĂ€llen - ist die Situation in den Regionen Victoria und South Australia anders: Hier gibt es Experten zufolge teilweise zu viele Koalas und zu wenige BĂ€ume als Lebensraum.

Schrecklicher «Schwarzer Sommer»

Bei den verheerenden Buschfeuern im «Schwarzen Sommer» vor gut fĂŒnf Jahren wurden nach SchĂ€tzungen des WWF mehr als 60.000 Koalas getötet, verletzt, vertrieben oder traumatisiert. Bilder von Tieren mit angesengtem Fell und verbrannten Pfoten gingen damals um die Welt. 2022 stuften mehrere Bundesstaaten den GefĂ€hrdungsstatus der drolligen BeutelsĂ€uger offiziell von «vulnerable» (gefĂ€hrdet) auf «endangered» (stark gefĂ€hrdet) hoch.

@ dpa.de