Lehrer ĂŒberschĂ€tzen Jungen in Mathe, MĂ€dchen in Sprache
06.03.2024 - 08:12:27Lehrerinnen und Lehrer beurteilen die FĂ€higkeiten von MĂ€dchen im Bereich Sprache und von Jungen in Mathematik laut einer neuen Studie tendenziell besser, als es ihre tatsĂ€chlichen Leistungen in Tests nahelegen. Verzerrungen bei den Beurteilungen von Grundschulkindern hingen systematisch mit dem Geschlecht der SchĂŒlerinnen und SchĂŒler zusammen, teilte die Martin-Luther-UniversitĂ€t Halle mit.
«Im Bereich Sprache werden die FĂ€higkeiten der MĂ€dchen eher ĂŒberschĂ€tzt und die der Jungen unterschĂ€tzt, in der Mathematik ist es genau umgekehrt», sagte Melanie Olczyk vom Institut fĂŒr Soziologie. Die verzerrten Urteile der LehrkrĂ€fte wirkten sich auch langfristig auf die Leistungsunterschiede zwischen MĂ€dchen und Jungen aus.Â
FĂŒr die im Journal «Social Science Research» veröffentlichte Studie wertete die internationale Forschungsgruppe drei LĂ€ngsschnittstudien aus Deutschland, England und den USA aus. Darin wurden insgesamt rund 17.000 SchĂŒlerinnen und SchĂŒler ĂŒber die Grundschulzeit hinweg begleitet, ihre Leistungen regelmĂ€Ăig getestet sowie Eltern und Lehrende befragt.
Auch Unterschiede zwischen untersuchten LĂ€ndern
Dabei stellte das Team fest, dass die Beurteilung der LehrkrĂ€fte nicht vollstĂ€ndig auf die gemessenen Leistungen der Kinder zurĂŒckgefĂŒhrt werden kann - teilweise seien die Urteile verzerrt. FĂŒr die Autorinnen und Autoren der Studie hĂ€ngen diese Verzerrungen mit dem Geschlecht der SchĂŒlerinnen und SchĂŒler zusammen.Â
Die Forschungsgruppe beobachtete auch Unterschiede zwischen den untersuchten LĂ€ndern. So sei die Verzerrung im Bereich Mathematik in Deutschland am gröĂten, im Bereich Sprache hingegen in England. In den USA fielen die Unterschiede jeweils wesentlich geringer aus.
Zudem habe sich gezeigt, dass sich der Vorsprung der Jungen in Mathematik und der Vorsprung der MĂ€dchen im sprachlichen Bereich ĂŒber die Grundschulzeit hinweg vergröĂerte, so die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Die beobachteten Unterschiede zwischen Jungen und MĂ€dchen können der Studie zufolge zum Teil auf die verzerrten Lehrkrafturteile zurĂŒckgefĂŒhrt werden.Â


