Kopenhagen recycelt 50 Millionen Windeln pro Jahr
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 11:29 Uhr | dpa, AD HOC NEWSWindelabfälle erhalten neue Verwertung
- Kopenhagen stellt eigene Tonnen für benutzte Windeln an ausgewählten Kitas und Mehrfamilienhäusern auf.
- Bis spätestens 2029 sollen dadurch 5.000 Tonnen Abfall eingespart werden.
- Die Abholung der Windeltonnen erfolgt wöchentlich; vor dem Einwerfen soll die Tüte verknotet werden.
Kopenhagen startet Recycling für gebrauchte Windeln
Kopenhagen lässt künftig benutzte Windeln getrennt sammeln und wiederverwerten. Die Stadt will damit jährlich 50 Millionen Windeln aus der Verbrennung holen und spätestens ab 2029 rund 5.000 Tonnen Abfall einsparen.
Neue Anlage soll mehrere Bestandteile nutzen
Eine Anlage zur Aufbereitung und Wiederverwertung soll bis zu 94 Prozent der Windelabfälle weiterverarbeiten können. Das recycelte Plastik ist für neue Kunststoffprodukte vorgesehen, während Zellulose und organische Bestandteile für Biogas, Strom oder Fernwärme genutzt werden können.
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Windeln liefern auch Energie und Bindemittel
Die superabsorbierenden Polymere sollen zu einem Bindemittel für die Bauindustrie verarbeitet werden. Bis zu 60 Prozent Flüssigkeit in einer gebrauchten Windel können behandelt werden; nach Angaben der Stadt soll sie unter anderem zum Waschen von Müllfahrzeugen dienen.
Start an Kitas und in Wohnhäusern
Die ersten Tonnen stehen an Kitas und in Mehrfamilienhäusern, in denen mindestens sechs Kinder zwischen null und vier Jahren leben. Die Abholung ist einmal pro Woche vorgesehen.
Ab dem kommenden Jahr sollen auch öffentliche Pflegeheime und Bewohner von Seniorenwohnungen Windelabfälle getrennt sortieren können. Vor dem Entsorgen soll die Tüte verknotet werden.
Kopenhagen greift mit dem Windel-Recycling einen Abfallstrom auf, der wegen seiner Zusammensetzung besonders schwer zu behandeln ist. Benutzte Windeln bestehen aus Kunststoff, Zellulose und superabsorbierenden Polymeren; hinzu kommen Flüssigkeit und organische Bestandteile. Eine getrennte Sammlung kann deshalb Materialien zurückgewinnen, die bei der Verbrennung verloren gehen.
Das Projekt ist zugleich ein Test für die praktische Kreislaufwirtschaft. Die Stadt setzt zunächst auf Kitas und größere Mehrfamilienhäuser mit vielen Kleinkindern. Dadurch konzentriert sie die Sammlung dort, wo regelmäßig größere Mengen anfallen und die Entsorgungswege planbarer sind. Die wöchentliche Abholung soll die hygienischen Probleme begrenzen.
Recycling braucht getrennte Stoffströme
Die angekündigte Verwertung verbindet mehrere Verfahren: Kunststoff soll in neue Produkte fließen, Zellulose und organische Bestandteile können energetisch genutzt werden, und absorbierende Polymere sollen in der Bauindustrie zum Einsatz kommen. Entscheidend wird sein, ob die einzelnen Materialströme dauerhaft sauber genug getrennt und wirtschaftlich verarbeitet werden können.
Für die Bevölkerung bedeutet der Start vor allem eine neue Sortierregel und einen zusätzlichen Behälter. Der Knoten in der Tüte soll den Umgang mit dem Inhalt erleichtern. Wenn das Verfahren funktioniert, könnte Kopenhagen nach der Pilotphase weitere Haushalte einbeziehen und einen Teil der bislang verbrannten Windeln in eine stoffliche oder energetische Nutzung überführen.
