Kuba, Energiekrise

Kuba Stromausfall: Siebter landesweiter Blackout vertieft Energiekrise

Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 13:57 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Kuba ist zum siebten Mal seit Jahresbeginn von einem landesweiten Stromausfall betroffen, Millionen Menschen sitzen im Dunkeln. Marode Kraftwerke und ein US-Ölembargo verschärfen die Energiekrise des Inselstaats.

Die Energiekrise hat auf Kuba die bereits schwierige Wirtschaftslage weiter verschärft. (Archivbild) - Bild: Ramon Espinosa/AP/dpa
Die Energiekrise hat auf Kuba die bereits schwierige Wirtschaftslage weiter verschärft. (Archivbild) - Bild: Ramon Espinosa/AP/dpa

Auf Kuba ist zum siebten Mal seit Jahresbeginn das Stromnetz zusammengebrochen, rund 9,4 Millionen Menschen waren von einem landesweiten Blackout betroffen.

Versorger kĂĽndigt Untersuchung des Stromausfalls an

Der staatliche Energieversorger Unión Eléctrica (UNE) teilte mit, die Ursache des erneuten Ausfalls werde umgehend untersucht. Gleichzeitig seien die Protokolle zur Wiederherstellung der Versorgung aktiviert worden. Der sozialistische Inselstaat ist bei der Stromerzeugung stark von wenigen großen Kraftwerken und importiertem Treibstoff abhängig.

Marode Kraftwerke und Treibstoffmangel

Nach Angaben aus Havanna leidet das Land unter einer schwer angeschlagenen Infrastruktur. Störungen in den veralteten Wärmekraftwerken sowie ein anhaltender Mangel an Treibstoff haben die Stromversorgung in mehreren Regionen bereits in den vergangenen Tagen deutlich beeinträchtigt. Menschen mussten teilweise bis zu 30 Stunden ohne elektrische Energie auskommen, bevor Leitungen und Kraftwerke wieder ans Netz gingen.

GroĂźe LĂĽcke zwischen Bedarf und verfĂĽgbarer Leistung

Bereits vor dem landesweiten Stromausfall war UNE davon ausgegangen, dass während der Spitzenlastzeit am Freitag nur 1.110 Megawatt Leistung verfügbar sein würden. Der Bedarf wurde zugleich mit rund 3.200 Megawatt beziffert. Die erhebliche Versorgungslücke führte zu geplanten Lastabschaltungen, bevor das Netz schließlich komplett zusammenbrach.

Ă–lembargo und ausbleibende Lieferungen aus Venezuela

Die Energiekrise wird nach der dpa-Meldung auch durch ein seit Monaten von den USA verhängtes Ölembargo verschärft. Seit Dezember erhält Kuba kein Erdöl mehr aus dem einstigen Bruderstaat Venezuela. Der frühere venezolanische Präsident Nicolás Maduro wurde im Januar bei einem US-Militäreinsatz in Caracas festgenommen, seither arbeitet Washington mit der geschäftsführenden Präsidentin Delcy Rodríguez zusammen.

Druck durch US-Sanktionen auf Kubas Regierung

Zusätzlich hatte US-Präsident Donald Trump im Januar Ländern, die Öl nach Kuba exportieren, mit Strafzöllen gedroht. In der Folge kamen Treibstofflieferungen aus dem Ausland nahezu zum Erliegen. Nach derzeitigem Stand darf nur der kubanische Privatsektor Treibstoff aus den USA importieren. Mit einer ganzen Reihe von Sanktionen versucht Washington, wirtschaftliche und politische Reformen in Kuba im Sinne der eigenen Interessen durchzusetzen.

Energiekrise als Folge struktureller Schwächen und politischer Konflikte

Der erneute landesweite Stromausfall auf Kuba verdeutlicht eine Energiekrise, die sich seit Jahren aufgebaut hat. Die Versorgung hängt stark von veralteten Wärmekraftwerken und importiertem Treibstoff ab, während eigene Ressourcen begrenzt sind. Der Ausfall von Kraftwerkskapazitäten schlägt in einem zentralistisch organisierten Netz unmittelbar auf große Teile der Bevölkerung durch. Stromausfälle treffen Haushalte, öffentliche Einrichtungen und Betriebe gleichermaßen und beeinträchtigen die Versorgung mit Wasser, Lebensmitteln und medizinischen Leistungen.

Rolle von US-Sanktionen und ausbleibenden Ă–llieferungen

Die dpa-Meldung stellt den Zusammenhang zwischen der Energiekrise und dem seit Monaten verhängten US-Ölembargo in den Mittelpunkt. Die Drohung mit Strafzöllen gegenüber Ländern, die Öl nach Kuba liefern, erschwert dem Inselstaat den Zugang zu internationalen Lieferanten zusätzlich. Dass seit Dezember kein Erdöl mehr aus Venezuela kommt, nimmt Kuba eine zentrale, politisch verbündete Bezugsquelle. In der Folge muss das Land seinen Ölbedarf weitgehend aus eigener Produktion und begrenzten Importmöglichkeiten decken, was die Stromerzeugung stark einschränkt.

Konsequenzen für Bevölkerung und politische Stabilität

Für die rund 9,4 Millionen Einwohner bedeuten wiederholte Blackouts gravierende Einschnitte im Alltag: Lebensmittel verderben, digitale Kommunikation fällt aus, öffentliche Dienstleistungen werden unterbrochen. Wenn Menschen über viele Stunden, teils bis zu 30 Stunden, ohne Strom auskommen müssen, wächst der Druck auf die Regierung, kurzfristige Lösungen zu finden und zugleich die marode Infrastruktur zu modernisieren. Lang anhaltende Versorgungsengpässe können die wirtschaftliche Lage weiter verschlechtern und die gesellschaftliche Stimmung beeinflussen, während die USA ihre Sanktionen gezielt einsetzen, um politische Veränderungen in Havanna zu begünstigen.

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