Frachtflugzeug im DHL-Auftrag stĂŒrzt in Litauen ab
25.11.2024 - 09:02:57Ein in Leipzig gestartetes Frachtflugzeug im Auftrag des Postdienstleisters DHL ist am frĂŒhen Morgen in der NĂ€he des Flughafens der litauischen Hauptstadt Vilnius abgestĂŒrzt. Dabei kam mindestens eine Person ums Leben, wie Polizei und Rettungsdienste mitteilten. Das abstĂŒrzende Flugzeug verfehlte ein WohngebĂ€ude mit schlafenden Menschen nur knapp. Zahlreiche RettungskrĂ€fte waren im Einsatz.Â
Die EinsatzkrÀfte wurden um 5.28 Uhr Ortszeit von dem Absturz informiert. Nach ersten Angaben befanden sich vier Personen in dem Flugzeug. Eine Person davon sei tot, drei weitere seien verletzt ins Krankenhaus gebracht worden.
Bei dem abgestĂŒrzten Frachtflugzeug handelte es sich um eine Maschine der spanischen Fluggesellschaft Swift Air, wie DHL mitteilte. Swift Air sei unter Vertrag fĂŒr DHL tĂ€tig. Etwa einen Kilometer vor dem Flughafen von Vilnius habe die Besatzung eine Notlandung einleiten mĂŒssen. Der «Status» der Besatzung werde noch geklĂ€rt, erklĂ€rte DHL - «aber unsere Gedanken sind bei ihnen und ihren Angehörigen».Â
Nach Angaben der Vertriebs- und Marketingleiterin von DHL Litauen handelte es bei dem Flugzeug um eine Boeing 737. Transportiert habe die Maschine Pakete fĂŒr Kunden, sagte sie der Nachrichtenagentur BNS. Auf Bildern von der Unfallstelle waren vereinzelt Pakete und kaputte Kartons zu sehen. Das Flugzeug sei völlig zerstört, sagte eine Sprecherin des litauischen Rettungsdienstes der Nachrichtenagentur Elta.
Was fĂŒhrte zu dem UnglĂŒck?
Die Suche nach der Absturzursache wird nach EinschÀtzung des litauischen Polizeichefs einige Zeit in Anspruch nehmen. Die Besichtigung des Tatorts, die Beweisaufnahme und die Sammlung von Informationen und Objekten könne eine ganze Woche dauern. «Diese Antworten werden nicht so schnell kommen», sagte Arunas Paulauskas auf einer Pressekonferenz.
Das Flugzeug habe versucht zu landen und die Landebahn nicht erreicht, schilderte Paulauskas. Der Absturz sei «höchstwahrscheinlich auf einen technischen Fehler oder ein menschliches Versagen zurĂŒckzufĂŒhren». Zugleich sagte er auf die Nachfrage, ob es sich auch um einen Terroranschlag gehandelt haben könnte, dass ein solches Szenario nicht auszuschlieĂen sei. «Dies ist eine der Versionen des Absturzes, die untersucht und ĂŒberprĂŒft werden mĂŒssen. Es liegt noch viel Arbeit vor uns.»
Der Leiter des litauischen Rettungsdienstes, Renatas Pozela, sagte, dass das Frachtflugzeug wenige Kilometer vor dem Flughafen abgestĂŒrzt sei, mehrere hundert Meter weit schlitterte und seine TrĂŒmmer ein Wohnhaus erfassten. Das Haus habe zwei Etagen und vier Wohnungen. Drei Familien hĂ€tten darin gelebt. Alle zwölf Bewohner befĂ€nden sich in Sicherheit.Â
«Alles rot und voller Funken»
Eine Frau, die in der NĂ€he des betroffenen Hauses wohnt, berichtete im litauischen Rundfunk, dass sie am frĂŒhen Morgen durch ein GerĂ€usch geweckt worden sei: «Ich habe im Schlaf ein GerĂ€usch gehört, ich schaue aus dem Fenster â alles war rot und voller Funken». Sie sei sofort losgerannt, um zu sehen, ob jemand Hilfe brauche. Sie stehe unter Schock: «Schrecklich, schrecklich» sei das Ganze.Â
Ein Nachbar erzĂ€hlte, dass er am frĂŒhen Morgen einen Lichtblitz im Hof gesehen habe: «Es gab einen Blitz. Den Aufprall selbst habe ich nicht gesehen, aber der Blitz war sehr hell, er erleuchtete den ganzen Hof, und er war etwa einen Kilometer von mir entfernt. Und dann erschien das Feuer und es gab eine Menge Rauch.»Â
Deutsche Sicherheitsbehörden warnten
Der Chef des litauischen Nachrichtendiensts, Darius Jauniskis, sagte nach Angaben litauischer Medien: «Zum jetzigen Zeitpunkt ist es nach unserem Kenntnisstand wahrscheinlich zu frĂŒh, um den Vorfall mit irgendetwas in Verbindung zu bringen oder ihm irgendwelche Zuschreibungen zu geben.» Dazu lĂ€gen keine vorlĂ€ufigen Informationen vor. Auch er sagte, die Möglichkeit von Terrorismus könne aber nicht ausgeschlossen werden. Jauniskis versicherte auĂerdem, dass man auch mit auslĂ€ndischen Partnern zusammenarbeite.
Ende August war bekannt geworden, dass deutsche Sicherheitsbehörden vor «unkonventionellen BrandsĂ€tzen» warnen, die von Unbekannten ĂŒber Frachtdienstleister verschickt werden. Das Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz (BfV) und das Bundeskriminalamt (BKA) verschickten seinerzeit einen entsprechenden Warnhinweis an Unternehmen aus der Luftfahrt- und Logistikbranche.
Die Warnmeldung wurde in Sicherheitskreisen unter anderem mit einem Vorfall im DHL-Logistikzentrum Leipzig in Verbindung gebracht, das als weltweites Drehkreuz des Unternehmens fungiert. Dort soll im Juli ein aus dem Baltikum verschicktes Paket Feuer gefangen haben, das einen Brandsatz enthielt.
In der Warnmeldung von BfV und BKA kam das Wort Russland nicht vor. Dennoch wird in Sicherheitskreisen ein Zusammenhang mit den zunehmenden FĂ€llen russischer Sabotage in Deutschland nicht ausgeschlossen.


