Wieder normalere RSV-Welle erwartet
18.09.2023 - 13:42:12Nach einer enormen RSV-Welle bei Babys und Kleinkindern im vorigen Herbst und Winter rechnen Fachleute nun eher wieder mit einer Normalisierung der Fallzahlen. Die Erkrankungszahlen dĂŒrften sich in der bevorstehenden kĂŒhlen Jahreszeit wieder «in normalen Höhen» bewegen, sagte Folke Brinkmann, Leitung der Sektion PĂ€diatrische Pneumologie an der Klinik fĂŒr Kinder- und Jugendmedizin des UniversitĂ€tsklinikums Schleswig-Holstein, in einer Videoschalte. Nachgeholte Infektionen bei Ein- bis ZweijĂ€hrigen, die in der Corona-Pandemie nicht mit RSV in Kontakt gekommen waren, seien voraussichtlich nicht mehr ganz so ausgeprĂ€gt zu sehen. RSV ist die AbkĂŒrzung fĂŒr Respiratorisches Synzytial-Virus, einen Atemwegserreger.
Erstmals zwei RSV-Impfstoffe zugelassen
In den vergangenen Monaten sind in der EU erstmals zwei RSV-Impfstoffe zugelassen worden - allerdings nicht fĂŒr Kinder. Sie sind fĂŒr Menschen ab 60 Jahren gedacht, und einer der beiden auch fĂŒr Schwangere, mit dem Ziel der Weitergabe des Immunschutzes an den SĂ€ugling. Bisher liegt in Deutschland jedoch keine Empfehlung der StĂ€ndigen Impfkommission (Stiko) zu deren Einsatz vor. Dies sei auch fĂŒr diesen Herbst nicht mehr zu erwarten, sagte Stiko-Mitglied Klaus Ăberla. Das Expertengremium erarbeitete derzeit noch verschiedene dafĂŒr nötige Aspekte, etwa eine Modellierung zum möglichen Einfluss der Impfstoffe auf die RSV-Verbreitung in der Bevölkerung. Es gehe auch um Risiko-Nutzen-AbwĂ€gung. Die Erstattung der Kosten fĂŒr die Impfung hĂ€ngt Ăberla zufolge damit zunĂ€chst von der Krankenkasse ab.
Gerade in Hinblick auf die RSV-Impfung Schwangerer sei zunĂ€chst ein ganz klares Sicherheitssignal nötig, betonte Brinkmann. Grund fĂŒr die bisherige ZurĂŒckhaltung sind den Fachleuten zufolge offene Fragen zu etwas mehr FrĂŒhgeburten in einer der Studien zu den sehr Ă€hnlichen Impfstoffen. Ăberla sprach zwar von statistisch nicht signifikanten Unterschieden, es könnten zufĂ€llige Beobachtungen sein. Aber diese gewisse Unsicherheit mache eine generelle Impfempfehlung fĂŒr alle Schwangeren zunĂ€chst schwierig.
Impfung fĂŒr Ăltere mit vielen Vorerkrankungen
Mit Blick auf Ă€ltere Patienten sagte Ăberla, Direktor des Virologischen Instituts am Uniklinikum Erlangen, dass die Anwendung bei Senioren auf individueller Basis vorstellbar sei, vor allem wenn viele Vorerkrankungen und damit ein groĂes Risiko vorliegen.
Als Risikogruppen gelten bei RSV zum Beispiel FrĂŒh- und Neugeborene, SĂ€uglinge, Kinder mit vorerkrankter Lunge, mit Herzfehlern sowie Erwachsene ĂŒber 65 und Menschen mit beeintrĂ€chtigtem Immunsystem. Die typische Saison geht von November bis April. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts wurde die Verbreitung in der Bevölkerung lange Zeit unterbewertet.
Im vergangenen Herbst und Winter hatte es in vielen LĂ€ndern eine heftige RSV-Welle gegeben. Betroffen waren viele Kinder, die wegen der Corona-Pandemie und den dagegen getroffenen MaĂnahmen zuvor keinen Kontakt zu dem Erreger hatten. Kliniken und Kinderarztpraxen waren zeitweise ĂŒberlastet. Bereits im SpĂ€tsommer 2021 hatte es eine unĂŒblich starke RSV-Welle gegeben.


