TierschĂŒtzer, Nachtfahrverbot

TierschĂŒtzer fordern Nachtfahrverbot fĂŒr MĂ€hroboter

07.09.2024 - 06:45:35

MĂ€hroboter mĂ€hen nicht nur Gras, sondern mitunter auch Igel nieder. TierschĂŒtzer wollen das nicht lĂ€nger hinnehmen. Eine deutsche Großstadt erwĂ€gt aktuell ein nĂ€chtliches Fahrverbot.

TierschĂŒtzer in Deutschland fordern, den Einsatz von MĂ€hrobotern deutlich zu beschrĂ€nken. «Ein Nachtfahrverbot fĂŒr MĂ€hroboter ist das Allermindeste», sagt Corinna Hölzel vom Bund fĂŒr Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) der Deutschen Presse-Agentur. «Noch besser wĂ€re es, ganz auf MĂ€hroboter zu verzichten.»

Ein weiteres Argument lautet: MĂ€hroboter seien eine Erfindung, die massiv der BiodiversitĂ€t schade. «Die mĂ€hen jedes GĂ€nseblĂŒmchen weg», sagt die Gartenexpertin Hölzel. Wildbienen, Schmetterlinge oder KĂ€fer verlören dadurch wichtige Futterquellen.

Gefahren fĂŒr nachtaktive Igel

Eine besondere Gefahr seien die selbstfahrenden RasenmĂ€her fĂŒr Igel. Da die Roboter unbeaufsichtigt und nahezu lautlos ihre Arbeit verrichten, wĂŒrden sie von Gartenbesitzern gerne nachts eingesetzt, wenn die nachtaktiven Igel auf Nahrungssuche gehen. 

«Igel sind keine Fluchttiere und stellen bei Gefahr einfach ihr Stachelkleid auf. Doch gegen die scharfen, schnell rotierenden Klingen der MĂ€hroboter ist ihr Stachelkleid nicht gewappnet», erlĂ€utert Hölzel. Das Resultat sei oft ein regelrechtes Massaker: TierschĂŒtzer berichten von abgetrennten Körperteilen und skalpierten IgelrĂŒcken. 

Forscher des Leibniz-Instituts fĂŒr Zoo- und Wildtierforschung analysierten fĂŒr eine Untersuchung 370 FĂ€lle von Schnittverletzungen an Igeln, die auf «elektrische GartenpflegegerĂ€te» zurĂŒckzufĂŒhren gewesen seien. «Fast die HĂ€lfte der gefundenen und gemeldeten Tiere (47 Prozent) ĂŒberlebten die Verletzung gar nicht erst, sondern mussten eingeschlĂ€fert werden oder starben wĂ€hrend der Pflege», schrieben die Forscher in einer Stellungnahme.

Forderungen nach strengeren Auflagen

Wie auch die TierschĂŒtzer fordern die Wissenschaftler des Leibniz-Instituts deswegen ein Nachtfahrverbot, um die Situation schnell zu verbessern. Der Bestand des Igels ist laut Leibniz-Institut rĂŒcklĂ€ufig. Im Jahr 2020 wurde er auf die Vorwarnliste der Roten Liste fĂŒr Deutschland gesetzt. 

Einige kleinere Gemeinden in Deutschland haben ein Nachtfahrverbot bereits eingefĂŒhrt. Mit Köln erwĂ€gt aktuell eine Großstadt ein Verbot, das sich je nach Jahreszeit an den DĂ€mmerungszeiten ausrichten wĂŒrde. Ein entsprechender Antrag wurde von der Stadt bereits positiv beantwortet.

Alternative Rasenpflege

Silvia Teich vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) wies darauf hin, dass man unabhĂ€ngig von einem Nachtfahrverbot auch seinen Rasen so gestalten könne, dass er weniger hĂ€ufig gemĂ€ht werden mĂŒsse. Ein KrĂ€uterrasen beispielsweise mache deutlich weniger Arbeit und trockne auch bei hohen Temperaturen nicht so schnell aus wie ein kurz geschorener herkömmlicher Rasen.

@ dpa.de