Staatsanwaltschaft, Deutschland

Immer mehr unerledigte FĂ€lle bei den Staatsanwaltschaften

30.09.2023 - 05:25:06

Mehr Verfahren, komplexe Ermittlungen, wenig Juristen. Bundesweit tĂŒrmt sich ein Berg unerledigter Arbeit bei den Staatsanwaltschaften.

Bei den Staatsanwaltschaften in Deutschland gibt es nach Angaben des Deutschen Richterbundes immer mehr unerledigte FÀlle. Mitte des Jahres (30. Juni) seien fast 850.000 Verfahren offen gewesen. Dies sei eine Steigerung um 28 Prozent im Vergleich zur Jahresmitte 2021.

An der Spitze aller LĂ€nder stehe Hamburg. Dort sei die Zahl offener Ermittlungsverfahren innerhalb von zwei Jahren um 57 Prozent gestiegen und habe zum Stichtag 30. Juni bei 35.629 (30.6.2021: 22.691) gelegen. Die Zahlen gehen auf eine Umfrage bei den Justizverwaltungen der LĂ€nder zurĂŒck, die die vom Richterbund herausgegebene «Deutsche Richterzeitung» gemacht hat.

In fast allen LĂ€ndern steigende Verfahrenszahlen

Der Umfrage zufolge bleiben auch im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen immer mehr Strafakten unerledigt. 231.291 FÀlle haben die Staatsanwaltschaften an Rhein und Ruhr zur Jahresmitte 2023 verzeichnet - eine Steigerung um 36 Prozent.

Unter dem Bundesdurchschnitt landen Bayern, Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern, wo es innerhalb von zwei Jahren jeweils knapp ein FĂŒnftel mehr unerledigte FĂ€lle bei den Staatsanwaltschaften gab.

Berlin liegt mit einem Zuwachs von 10 Prozent deutlich unter dem Bundesdurchschnitt, wie es hieß. Einen RĂŒckgang verzeichnete als einziges Bundesland Sachsen-Anhalt - was nach den Angaben auf den Abschluss eines Wirtschaftsstrafkomplexes mit mehreren Tausend BetrugsfĂ€llen im ersten Halbjahr 2023 zurĂŒckgeht.

Neuer Rekord bei Staatsanwaltschaften

Bundesweit habe es 2022 mehr als 5,2 Millionen neue FĂ€lle bei den Staatsanwaltschaften gegeben, erklĂ€rte der BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Richterbundes, Sven Rebehn. Das sei ein neuer Rekord. Dieser AufwĂ€rtstrend habe sich im laufenden Jahr bislang fortgesetzt.

Als GrĂŒnde sieht Rebehn unter anderem vermehrte Straftaten nach dem Aufenthaltsgesetz, mehr FĂ€lle im Bereich der Kinderpornografie auch infolge jĂŒngster StrafverschĂ€rfungen oder die erweiterte Strafbarkeit von GeldwĂ€sche.

«Eine personell ausgelaugte Strafjustiz ist kaum noch in der Lage, mit den wachsenden Aufgaben Schritt zu halten», so Rebehn. Die Strafjustiz mĂŒsse angesichts wachsender Aufgaben besser ausgestattet werden, betonte er. Bundesweit fehlten jedoch allein in den Staatsanwaltschaften und Strafgerichten 1500 Juristinnen und Juristen.

@ dpa.de