Ausschreitungen in Dublin nach Messerangriff auf Kinder
23.11.2023 - 21:26:05 | dpa.deDie irische Hauptstadt Dublin ist am Donnerstag von einer Bluttat mit mehreren Verletzten - darunter drei Kindern - und anschlieĂend von schweren Krawallen erschĂŒttert worden. Ein fĂŒnfjĂ€hriges MĂ€dchen und eine zwischen 30 und 40 Jahre alte Frau waren nach einem Messerangriff am Nachmittag mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht worden, wie die Polizei mitteilte. Das MĂ€dchen musste Berichten zufolge einer Notfallbehandlung unterzogen werden. Zwei weitere Kinder, ein fĂŒnf Jahre alter Junge und ein sechsjĂ€hriges MĂ€dchen, erlitten leichtere Verletzungen. Ein etwa 50 Jahre alter TatverdĂ€chtiger, der noch vor Ort festgenommen wurde, wurde mit ernsten Verletzungen im Krankenhaus behandelt.
Das Motiv fĂŒr den Messerangriff sei noch nicht klar, sagte Irlands Polizeichef Commissioner Drew Harris. Nichts könne ausgeschlossen werden. Er widersprach damit einem Polizeisprecher, der zuvor den Eindruck erweckt hatte, ein terroristischer Hintergrund sei unwahrscheinlich.
Krawalle: Polizisten angegriffen
Am Abend kam es dann zu schweren Ausschreitungen in der Dubliner Innenstadt, bei denen dem irischen Rundfunksender RTĂ zufolge mehrere Busse und ein Polizeiauto angezĂŒndet wurden. Auch eine StraĂenbahn soll beschĂ€digt worden sein. Zudem seien Polizisten angegriffen und mit Flaschen und Feuerwerkskörpern beworfen worden. Mehrere GeschĂ€fte sollen geplĂŒndert worden sein. Auf sozialen Medien war zu sehen, wie sich Randalierer StraĂenschlachten mit der Polizei lieferten.
Einem Reporter des britischen Nachrichtensenders Sky News zufolge sollen Hunderte, teils vermummte Menschen an den Krawallen beteiligt gewesen sein. Die irische Justizministerin Helen McEntee sprach von «SchlÀgern, Kriminellen, die diesen entsetzlichen Angriff nutzen, um Spaltung zu sÀen und Chaos anzurichten». Das werde nicht toleriert, sagte sie.
Harris machte rechtsextreme Hooligans fĂŒr die Ausschreitungen verantwortlich. «Wir ziehen VerstĂ€rkung heran, um das zu bewĂ€ltigen», sagte er. Ihm zufolge hatte es im Internet eine «riesigen Menge» an Spekulationen ĂŒber die NationalitĂ€t des mutmaĂlichen Angreifers gegeben. Er rief die Menschen auf, «Missinformation und GerĂŒchte, die in sozialen Medien kursieren», nicht zu beachten. Die Fakten mĂŒssten erst noch geklĂ€rt werden.
Messerangriff: Kinder attackiert
Vorausgegangen war der Messerangriff am frĂŒhen Nachmittag, bei dem den Berichten zufolge ein Mann die Kinder attackiert haben soll, als sie sich vor einer Krippe in einer Schlange aufstellten. Bei der verletzten Frau soll es sich um eine Mitarbeiterin der Krippe handeln. Mehreren Passanten gelang es demnach, den Mann zu ĂŒberwĂ€ltigen und bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten.
Der Vorfall hatte sich um etwa 13.30 Uhr Ortszeit (14.30 Uhr MEZ) am Parnell Square East im Zentrum der irischen Hauptstadt ereignet. Einem Polizeisprecher zufolge wurden zunÀchst keine weiteren VerdÀchtigen im Zusammenhang mit der Tat gesucht.
Reaktionen
Regierungschef Leo Varadkar hatte sich schockiert gezeigt ĂŒber den Messerangriff. Er dankte den RettungskrĂ€ften, die schnell am Tatort gewesen seien. Justizministerin McEntee sprach von einem «entsetzlichen Angriff auf drei unschuldige Kinder und eine Frau».
EU-RatsprĂ€sident Charles Michel schrieb auf der Plattform X, er sei «entsetzt ĂŒber den schrecklichen Angriff in Dublin». Varadkar könne in dieser schwierigen Zeit auf die volle SolidaritĂ€t der EU zĂ€hlen. Die PrĂ€sidentin des Europaparlaments, Roberta Metsola, teilte mit, dass sie an alle Verletzten und ihre Familien denke.
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