ZugunglĂŒck schockt Spanien - Auch Deutsche betroffen
19.01.2026 - 20:40:29 | dpa.deNach dem schweren ZugunglĂŒck in Spanien mit Dutzenden Todesopfern steht das Land unter Schock. Mindestens 40 Menschen kamen ums Leben und mehr als 170 wurden verletzt â davon 24 schwer und 5 sehr schwer. Die Behörden fĂŒrchten, dass noch weitere hinzukommen. Die Ursache des Unfalls in Andalusien blieb zunĂ€chst unklar, die Tragödie gibt RĂ€tsel auf. Menschliches Versagen wurde aber ausgeschlossen. Regierungschef Pedro SĂĄnchez rief eine dreitĂ€gige Staatstrauer aus.Â
Auch Deutsche sind unter den Opfern, wie es aus dem AuswĂ€rtigen Amt in Berlin hieĂ. «Leider mĂŒssen wir davon ausgehen, dass sich auch deutsche Staatsangehörige unter den Betroffenen befinden. Ăber die Anzahl gibt es derzeit noch keine verlĂ€sslichen Angaben.» Man stehe mit den Behörden im engen Austausch, um AufklĂ€rung zu betreiben.Â
Der regionale Regierungschef Andalusiens, Juanma Moreno, schloss nicht aus, dass in den «TrĂŒmmerhaufen aus Metall» weitere Leichen liegen. Unterdessen rĂ€tselten Experten ĂŒber die möglichen Ursachen der Katastrophe, deren KlĂ€rung voraussichtlich Wochen und Monate in Anspruch nehmen werde. Zur IdentitĂ€t und Herkunft der Opfer wurden zunĂ€chst keine Angaben gemacht.
Die Tragödie hatte sich am Sonntagabend ereignet. Gegen 19.40 Uhr waren die beiden letzten Waggons eines Iryo-Hochgeschwindigkeitszuges der italienischen Gesellschaft Trenitalia nahe der Gemeinde Adamuz in der Provinz Córdoba bei einem Tempo von etwas mehr als 200 Kilometern pro Stunde entgleist und in das benachbarte Gleis geraten, wie die spanische Bahngesellschaft Renfe mitteilte. Der tragische Zufall wollte es, dass just zu dem Zeitpunkt ein entgegenkommender Hochgeschwindigkeitszug von Renfe mit Àhnlicher Geschwindigkeit vorbeifuhr, frontal mit den entgleisten Waggons kollidierte und aus den Schienen geworfen wurde.
«Schreie, weinende Kinder, Blut»
«Der Aufprall war so heftig, dass die beiden vorderen Wagen des Renfe-Zuges infolgedessen aus den Gleisen geschleudert wurden», sagte Verkehrsminister Ăscar Puente. Diese Waggons stĂŒrzten eine vier Meter hohe Böschung hinunter und wurden weitgehend zerstört.
Der Iryo-Zug war mit mehr als 300 Menschen an Bord von MĂĄlaga nach Madrid unterwegs. Der in Madrid gestartete Renfe-Zug fuhr mit rund 200 Passagieren nach Huelva.Â
Der Verkehr auf der wichtigen Strecke zwischen Madrid und Andalusien werde fĂŒr lĂ€ngere Zeit unterbrochen bleiben, hieĂ es. Viele Menschen, die in verschiedenen StĂ€dten von ZugausfĂ€llen betroffen waren, verbrachten die Nacht in Bahnhöfen.
Eine junge Frau kĂ€mpfte im Interview des TV-Senders RTVE mit den TrĂ€nen, als sie den Alptraum beschrieb, den sie im Iryo-UnglĂŒckszug erlebte. «Es gab eine Vollbremsung, es wurde stockdunkel. Ich fiel kopfĂŒber aus dem Sitz. Menschen und GepĂ€ck flogen durch die Luft, es gab Schreie, weinende Kinder, Blut. Ich fĂŒhle mich, als wĂ€re ich neu geboren.» Ein anderer Passagier, der Journalist Salvador JimĂ©nez, sagte: «Es war wie ein Erdbeben.»Â
Königshaus, Papst und Merz sprechen Beileid aus
Unter den Todesopfern ist den amtlichen Angaben zufolge der LokfĂŒhrer des Renfe-Zuges. Zahlreiche FahrgĂ€ste waren stundenlang in den ZĂŒgen eingeschlossen. Feuerwehrleiter Paco Carmona sprach von einem sehr schwierigen Einsatz: «Es ist ein schwer zugĂ€ngliches Gebiet. Das AusmaĂ der Zerstörung war zudem groĂ. Chaos, offene BrĂŒche.»
MinisterprĂ€sident Pedro SĂĄnchez sicherte schnelle Hilfe zu, sagte alle Termine ab und machte sich von Madrid aus auf zum UnglĂŒcksort. Dort kĂŒndigte er eine dreitĂ€gige Staatstrauer von Dienstag bis Donnerstag an und versprach, man werde «die Wahrheit (ĂŒber die Ursache) ans Licht bringen». Der Sozialist, der eine gelbe Warnweste des Schienennetzbetreibers Adif trug, sprach erneut - wie zuvor auf der Plattform X - von einer «Nacht tiefen Schmerzes fĂŒr unser Land». SĂĄnchez werde nicht wie vorgesehen am Dienstag am Weltwirtschaftsforum in Davos teilnehmen, teilte die Regierung mit.
König Felipe VI. und seine Frau, Königin Letizia, sprachen von Griechenland aus den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus und wĂŒnschten allen Verletzten eine schnelle und vollstĂ€ndige Genesung. Sie kĂŒndigten an, dass sie nach der Beisetzung von Irene von Griechenland, der Schwester von Altkönigin SofĂa, vorzeitig in die Heimat zurĂŒckkehren. Felipe wurde am Dienstag in Adamuz erwartet.Â
Beileidsbekundungen trafen aus aller Welt ein. «Der Bundeskanzler und mit ihm die ganze Bundesregierung sind erschĂŒttert angesichts der Nachricht vom schweren ZugunglĂŒck. Unsere Gedanken sind bei den Familien und den Angehörigen der Opfer. Ihnen gilt unser aufrichtiges Beileid», sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius. Die PrĂ€sidentin der EuropĂ€ischen Kommission, Ursula von der Leyen, andere EU-Spitzen, Papst Leo XIV., Spaniens Tennis-Ikone Rafael Nadal und sogar die Regierung Thailands, wo sich vergangene Woche ebenfalls ein schweres ZugunglĂŒck ereignet hatte, drĂŒckten ihr MitgefĂŒhl aus.Â
Tragödie wirft Fragen auf
Die Ursache des Unfalls gibt RĂ€tsel auf. «Das ist schon ein extrem ungewöhnlicher Unfall», sagte Minister Puente. «Gerade Strecke, ein ziemlich neuer Zug, ein erst jĂŒngst mit einer Investition von 700 Millionen Euro renovierter Streckenteil.» Man mĂŒsse nun das Ergebnis der Ermittlungen abwarten. Der Iryo-Zug war 2022 in Dienst gestellt worden und erst am Donnerstag einer technischen PrĂŒfung unterzogen worden, wie RTVE unter Berufung auf die Bahngesellschaft berichtete.Â
Der Bahn-Experte Joan Carlos SalmerĂłn betonte im Fernsehen, es könne einen Schaden am Gleis, einen Gegenstand auf den Schienen oder einen Fehler beim Zug selbst gegeben haben. Auf Luftaufnahmen waren die beiden verunglĂŒckten ZĂŒge zu sehen, die etwa 500 Meter voneinander entfernt zum Stehen gekommen waren.
Menschliches Versagen wurde ausgeschlossen. Auf dem Streckenabschnitt sei eine Höchstgeschwindigkeit von 250 erlaubt gewesen. Die ZugfĂŒhrer hĂ€tten bei mehr als 200 Kilometern pro Stunde keine Möglichkeit gehabt, rechtzeitig zu reagieren. Nur etwa 20 Sekunden nach dem Entgleisen der beiden Waggons sei der entgegenkommende Zug bereits in die Wagen gekracht. Im Fernsehen waren Unfallexperten zu sehen, die jedes Detail der TrĂŒmmer und der Gleise fotografierten und markierten.
Erinnerungen an ein anderes schweres ZugunglĂŒck
In ganz Spanien, vor allem aber in Galicien wurden Erinnerungen an ein anderes schlimmes UnglĂŒck vom 24. Juli 2013 wach. Ein Zug entgleiste damals in Angrois wenige Kilometer vor Santiago de Compostela mit deutlich ĂŒberhöhter Geschwindigkeit an einer Kurve. 80 Menschen kamen ums Leben.
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