Miss Marple kehrt zurĂŒck: Neuer Mordfall im Grand Alpine Hotel
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSLucy Foley lĂ€sst Miss Marple erstmals seit 50 Jahren wieder ermitteln: In âMord im Grand Alpine Hotelâ fĂŒhrt die Hobbydetektivin ein Mordfall in ein Luxushotel in den Schweizer Alpen.
Leiche in der Seilbahngondel
Miss Marple reist gemeinsam mit ihrer Freundin Dolly Bantry und deren Gesellschafterin Diana Glass in das verschneite Grand Alpine Hotel. Unter den GĂ€sten befinden sich unter anderem ein als kĂŒnftiger britischer Premier gehandelter Parlamentarier, ein jugoslawischer Prinz und eine Hollywoodschauspielerin.
Als ein SeilbahnwÀrter an einem eisigen Morgen eine mÀnnliche Leiche in einer Gondel entdeckt, gerÀt der Aufenthalt aus dem Ruder. Unter den HotelgÀsten befindet sich ein Mörder.
Intrigen und politische Vergangenheit
Der Roman verbindet die Suche nach dem TÀter mit Themen wie Macht, Liebe, Raub und einer dunklen politischen Vergangenheit. Die Geschichte wird aus vier Perspektiven erzÀhlt: aus der Sicht der Gesellschafterin Diana Glass, der Schauspielerin Sylvia Sinclair, der Politiker-Ehefrau Catherine Narracott und des verarmten Ex-Soldaten Bruno Crane.
Lucy Foley gilt als erste Autorin, die einen vollstĂ€ndigen neuen Miss-Marple-Roman verfasst hat. Die Einladung dazu kam von Agatha Christies Erben. Foley, Jahrgang 1986, beschreibt das Projekt als Hommage an eine Figur, deren BĂŒcher sie bereits als Jugendliche gelesen habe.
Zwischen Hommage und eigenem Stil
Foley ĂŒbernimmt zentrale Elemente aus Christies Krimis: Sie streut Hinweise, legt falsche FĂ€hrten und lĂ€sst VerdĂ€chtige in wechselndem Licht erscheinen. Zugleich rĂ€umt sie Landschaftsbeschreibungen mehr Raum ein und ergĂ€nzt den klassischen RĂ€tselkrimi um actionreichere Thriller-Elemente.
Im Mittelpunkt steht auĂerdem die gesellschaftliche Stellung von Frauen. Miss Marple wird wegen ihres Alters, ihres Strickzeugs und ihrer zurĂŒckhaltenden Art unterschĂ€tzt. Foley ĂŒbertrĂ€gt dieses Motiv auf weitere weibliche Figuren, die als Ehefrau, Filmstar, alte Jungfer oder Nonne auf stereotype Rollen reduziert werden.
âMord im Grand Alpine Hotelâ erscheint am 30. September im Penguin-Verlag. Der neue Fall spielt 50 Jahre nach âSleeping Murderâ, dem letzten Miss-Marple-Roman Agatha Christies.
RĂŒckkehr einer klassischen Ermittlerin
Mit âMord im Grand Alpine Hotelâ erscheint am 30. September 2026 erstmals seit 50 Jahren wieder ein vollstĂ€ndiger Miss-Marple-Roman. Die Veröffentlichung knĂŒpft an âRuhe unsanftâ an, den letzten nachgelassenen Marple-Fall von Agatha Christie aus dem Jahr 1976. Lucy Foley schreibt die Figur im Auftrag von Christies Erben fort und verlegt den Schauplatz aus dem vertrauten englischen Milieu in die Schweizer Alpen.
Die Fortsetzung steht damit in einer langen Tradition literarischer Figuren, die nach dem Tod ihrer Schöpfer weitergefĂŒhrt werden. Entscheidend ist in diesem Fall die Balance zwischen Wiedererkennung und EigenstĂ€ndigkeit: Foley ĂŒbernimmt Marples Beobachtungsgabe, ihre gesellschaftliche Unsichtbarkeit und das Spiel mit falschen FĂ€hrten, ergĂ€nzt die Vorlage aber um ausfĂŒhrliche Landschaftsbilder, mehrere ErzĂ€hlperspektiven und actionreichere Elemente.
Krimi als Gesellschaftsbild
Besondere Bedeutung erhĂ€lt die Darstellung weiblicher Figuren. Der Roman nutzt die konservativen Rollenbilder der 1950er-Jahre nicht nur als historisches Ambiente, sondern auch als Mittel der Handlung: Frauen werden unterschĂ€tzt und dadurch von ihrer Umgebung ĂŒbersehen. FĂŒr Leserinnen und Leser ist der Band deshalb mehr als ein nostalgischer Whodunit; er verbindet den klassischen RĂ€tselkrimi mit einer Auseinandersetzung ĂŒber Macht, Geschlecht und gesellschaftliche Wahrnehmung.
Die Veröffentlichung dĂŒrfte zugleich unterschiedliche Erwartungen ansprechen. Christie-Fans finden vertraute Motive wie verschlossene RĂ€ume, soziale Masken und wechselnde VerdĂ€chtigungen. Wer einen modernen Thriller erwartet, trifft dagegen auf ein bewusst gemĂ€chlicheres Tempo und eine stĂ€rker atmosphĂ€rische ErzĂ€hlweise.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
NDR: âMiss Marple ermittelt wieder: Drei Neuheiten fĂŒr Krimi-Fansâ (28.09.2026)
Der Bericht bestĂ€tige die RĂŒckkehr der Ermittlerin in die Schweizer Alpen und ordne den Roman als eine von mehreren aktuellen Krimi-Neuheiten ein. Er hebe hervor, Foley erzĂ€hle zunĂ€chst aus mehreren Perspektiven die Vorgeschichte des Mordes und lasse Miss Marple erst ungefĂ€hr in der Mitte stĂ€rker auftreten; zugleich wĂŒrdige er die 1950er-Jahre-AtmosphĂ€re und die nostalgische Wirkung. Anders als die dpa-Besprechung konzentriere sich der Beitrag stĂ€rker auf Lesetempo, Gewaltgrad und Publikumswirkung.
Der Artikel beschreibe den Roman als gemÀchlichen Krimi mit wenig Gewalt und sehe darin eine NÀhe zu Agatha Christies ErzÀhlweise. Offen bleibe in dieser Perspektive vor allem, wie stark die modernere gesellschaftliche Akzentsetzung das klassische Marple-Erlebnis verÀndere.
