Messerattacke, Annecy

Frankreich sucht nach Messerattacke Antworten

09.06.2023 - 11:19:55

Mit einem Messer sticht ein Mann auf einem Spielplatz in Frankreich auf vier Kinder und zwei Erwachsene ein - und trifft damit ganz Frankreich. Das Land ist schockiert.

  • Ermittler untersuchen den Tatort im ostfranzösischen Annecy. - Foto: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa

    Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa

  • Nach dem Messerangriff in Annecy haben Menschen in der NĂ€he des Tatorts Blumen und Kuscheltiere abgelegt und gedenken der Opfer. - Foto: Peter Byrne/PA Wire/dpa

    Peter Byrne/PA Wire/dpa

  • Der französische PrĂ€sident Emmanuel Macron und seine Frau Brigitte Macron (r) treffen in Annecy RettungskrĂ€fte. - Foto: Denis Balibouse/Reuters Pool/AP/dpa

    Denis Balibouse/Reuters Pool/AP/dpa

  • Der 24-jĂ€hrige Henri (M) wird in Frankreich als Held gefeiert. - Foto: Denis Balibouse/Reuters Pool/AP/dpa

    Denis Balibouse/Reuters Pool/AP/dpa

Ermittler untersuchen den Tatort im ostfranzösischen Annecy. - Foto: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpaNach dem Messerangriff in Annecy haben Menschen in der NÀhe des Tatorts Blumen und Kuscheltiere abgelegt und gedenken der Opfer. - Foto: Peter Byrne/PA Wire/dpaDer französische PrÀsident Emmanuel Macron und seine Frau Brigitte Macron (r) treffen in Annecy RettungskrÀfte. - Foto: Denis Balibouse/Reuters Pool/AP/dpaDer 24-jÀhrige Henri (M) wird in Frankreich als Held gefeiert. - Foto: Denis Balibouse/Reuters Pool/AP/dpa

Einen Tag nach dem Messerangriff auf kleine Kinder mitten auf einem Spielplatz in Frankreich ringt das tief getroffene Land um Antworten. BlumenstrĂ€uße, Kuscheltiere und Luftballons erinnerten in der ostfranzösischen Stadt Annecy an den Vorfall, wĂ€hrend in der NĂ€he Kinder spielten.

Der TÀter hatte dort am Donnerstagmorgen vier Kinder zwischen 22 Monaten und drei Jahren verletzt, zwei von ihnen lebensgefÀhrlich. Wie genau es nach dem Angriff um die Opfer steht, war unklar.

Macron in Annecy

Die BestĂŒrzung war nach dem Angriff deutlich spĂŒrbar. Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron traf gemeinsam mit seiner Gattin Brigitte die Verletzten, ihre Familien und auch die Helfer. «Als PrĂ€sident der Republik bin ich sehr stolz auf Sie», sagte er zu versammelten Rettungs- und SicherheitskrĂ€ften. Die Helfer hĂ€tten deutlich mehr als ihre Pflicht getan. «Das Bild von Frankreich, das Sie abgegeben haben, (...) ist das von dem Frankreich, an das wir glauben.»

Die Kinder aus Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien waren nach der Tat in Kliniken in Genf und Grenoble gebracht worden. Macron sagte zum Gesundheitszustand der Kinder, was er zur Gesundheit der verletzten Kinder gehört habe, lasse hoffen. Auch zwei Erwachsene verletzte der Angreifer, bevor SicherheitskrĂ€fte ihn ĂŒbermannten und festnahmen. Einer der Erwachsenen kĂ€mpfte nach dem Angriff ebenfalls um sein Leben.

«Kinder anzugreifen ist die unmenschlichste Tat, die es gibt», urteilte Macron. Innenminister GĂ©rald Darmanin sprach vom «schlimmsten Tag fĂŒr die Franzosen», seit er vor knapp drei Jahren ins Amt kam. Regierungssprecher VĂ©ran meinte: «Es gibt nichts, was jemals rechtfertigen oder erklĂ€ren könnte, warum Kinder zum Ziel eines Mannes werden.» Er fĂŒgte hinzu: «Wir suchen alle nach Antworten.»

Viele Antworten gibt es noch nicht

Doch bei der Suche nach dem Warum wird sich Frankreich wohl noch etwas gedulden mĂŒssen. Die Staatsanwaltschaft Annecy teilte zwar mit, dass das Gewahrsam des VerdĂ€chtigen verlĂ€ngert wurde, mehr Informationen gab es aber nicht. Am Vormittag war der Festgenommene psychologisch begutachtet worden.

Bereits kurz nach dem Angriff hatte StaatsanwĂ€ltin Line Bonnet-Mathis gesagt, man erkenne zunĂ€chst kein terroristisches Motiv. Auch Alkohol oder Drogen seien wohl nicht im Spiel gewesen. Premierministerin Élisabeth Borne zufolge war der festgenommene Syrer, der jahrelang in Schweden lebte, fĂŒr die europĂ€ischen Sicherheitsbehörden ein Unbekannter gewesen. Auch Hinweise auf psychiatrische Behandlungen in der Vergangenheit habe man nicht. Von der Polizei hieß es spĂ€ter, der Mann habe sich in Gewahrsam besonders unruhig verhalten.

«Ich hatte das GefĂŒhl, dass er in Panik war und nicht wirklich wusste, was er tun sollte», schilderte der 78-jĂ€hrige Yusuf Meric den Angriff in der Zeitung «Le Parisien». Der Rentner wurde vom TĂ€ter am Arm verletzt. «Ich habe keine Ahnung, was er wollte. Ich denke, er hat mich eher zufĂ€llig angegriffen.»

Der Mann war erst vor wenigen Monaten nach Frankreich gekommen. Einen festen Wohnsitz hatte er dort nicht. Am Sonntag wurde ihm dann mitgeteilt, dass er kein Asyl in Frankreich bekommen werde, weil er dies bereits in Schweden erhalten hatte.

Der Held mit dem Rucksack

Inmitten all der ErschĂŒtterung gibt es fĂŒr viele in Frankreich aber einen Lichtschimmer: den «Helden mit dem Rucksack», der sich dem TĂ€ter in den Weg gestellt und ihn verfolgt hat. Französische Medien berichteten unter Verweis auf Videos von dem Angriff, dass der Mann den TĂ€ter von dem Spielplatz wegtrieb. Online wurde der mit zwei RucksĂ€cken beladene Held schnell ausfindig gemacht: Er heißt Henri, ist 24 Jahre alt und auf einer Tour von Kathedrale zu Kathedrale.

«Ich habe wirklich instinktiv gehandelt», sagte der junge Mann dem Sender CNews. «Es war fĂŒr mich undenkbar, nichts zu tun.» Der Angreifer habe versucht, auch ihn zu verletzen, erzĂ€hlte Henri. «Ich hatte Angst um mein Leben, aber ich hatte vor allem Angst um das Leben der anderen. Ich wollte nicht, dass er andere verletzt.»

Auf seinem Facebook-Profil hĂ€uften sich Kommentare voller Anerkennung und Dankbarkeit. «Ich finde keine Worte, die stark genug sind, um Ihren immensen Mut zu wĂŒrdigen», hieß es dort etwa. Auch PrĂ€sident Macron bedankte sich persönlich bei Henri, musste sich von dem aber zunĂ€chst erklĂ€ren lassen, wer er sei und was er vor Ort getan hatte. Als der PrĂ€sident von der besonderen Rolle des Helfers erfuhr, ergriff Henri die Gelegenheit und wĂŒnschte sich, bei der Wiedereröffnung von Notre-Dame in Paris dabei zu sein. «Ich kĂŒmmere mich persönlich darum», versicherte Macron.

@ dpa.de