MutmaĂlicher Serienvergewaltiger fast komplett gestĂ€ndig
21.11.2024 - 14:23:44Erst soll er ihnen GetrĂ€nke spendiert und dann ihre hilflose Lage aufs Schlimmste ausgenutzt und das gefilmt haben. Denn, was die Frauen wohl nicht wussten: Zuvor soll der Mann die Drinks mit als «Vergewaltigungsdrogen» bekannten K.-o.-Tropfen prĂ€pariert haben. Der wegen dieser und anderen VorwĂŒrfen angeklagte mutmaĂliche Serienvergewaltiger hat sich bereits zum Prozessauftakt am Landgericht Erfurt weitgehend gestĂ€ndig gezeigt.
StaatsanwĂ€ltin spricht von auĂergewöhnlichem Fall
Die Staatsanwaltschaft wirft dem 34-JĂ€hrigen unter anderem vor, sich von etwa 2013 bis 2023 an 17 Frauen vergangen zu haben. Zu den Opfern sollen auch Frauen zĂ€hlen, die ihm nahestanden, darunter auch ehemalige Partnerinnen. In manchen FĂ€llen konnten die Betroffenen nicht identifiziert werden. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass diese im Alter zwischen 16 und 25 Jahre alt gewesen seien.Â
Zudem soll der Angeklagte auch das Geschlecht eines Kleinkinds grob berĂŒhrt und davon Aufnahmen gefertigt haben. Vom jungen Kind einer Bekannten soll er Nacktfotos gemacht haben. Die Anzahl der FĂ€lle und dass die Geschehnisse so lange unentdeckt blieben, machten den Fall auĂergewöhnlich, sagte StaatsanwĂ€ltin Dorothee Ohlendorf.Â
Angeklagter gesteht fast alles
Vor dem Landgericht Erfurt erklĂ€rte sein Verteidiger, dass sein Mandant alle ihm vorgeworfenen Taten bis auf eine Vergewaltigung in vollem Umfang einrĂ€ume. Zudem habe der Angeklagte angegeben, fĂŒr zwei laut Staatsanwaltschaft gemeinschaftliche Vergewaltigungen allein verantwortlich zu sein. Der Verteidiger sagte, sein Mandant habe unter Einfluss von Drogen und Alkohol gehandelt.Â
Bei einer Verurteilung könnte dem Angeklagten auch die Sicherungsverwahrung drohen. Damit wĂŒrde er nach verbĂŒĂter möglicher Haftstrafe zum Schutz der Allgemeinheit nicht in Freiheit entlassen werden.
Auf seine Spur kamen die Ermittler laut StaatsanwĂ€ltin, weil der als bereits zuvor als SexualstraftĂ€ter verurteilte Mann versucht habe, in der Silvesternacht 2023 eine Frau auf der StraĂe zu ĂŒberfallen. Im Zuge dessen sei sein Handy ausgewertet worden, auf dem entsprechende Aufnahmen gefunden wurden.
Zeugin berichtet zitternd von Festival-Erlebnis
Von ihrem Vater in den Zeugenstand unterstĂŒtzend begleitet sagte ein mutmaĂliches Opfer des Mannes aus. Sie leide noch immer unter den Ereignissen, habe Depressionen, sagte die 21-JĂ€hrige. Sie beschrieb zitternd und teils um Fassung ringend, wie der Angeklagte ihr am Rande eines Musikfestivals in Sachsen-Anhalt Anfang Juni 2022 einen wohl mit K.-o.-Tropfen prĂ€parierten Schnaps zu trinken gab. Ihr sei es danach sehr schlecht gegangen.
Der Angeklagte habe sie dann in ein WaldstĂŒck geschleppt, sie dort geschlagen und gewĂŒrgt, ihr gedroht und sie vergewaltigt. Sie habe ihren Ex-Freund, der sie suchte, nach ihr rufen hören, doch der Angeklagte habe ihr den Mund zugehalten. Diesen Vorwurf hatte der Angeklagte ĂŒber seinen Verteidiger bereits eingerĂ€umt. Er gab auch an, beim Festival als Security gearbeitet zu haben.
Angeklagter: Reinigungsmittel als Grundlage fĂŒr K.-o.-TropfenÂ
Die Mittel fĂŒr die betĂ€ubende Substanz habe er unter anderem ĂŒber das Internet geordert, sagte der Angeklagte vor Gericht. So habe er etwa Felgenreiniger bestellt: Nach Angaben des Bundesdrogenbeauftragten steckt in solchen Industriechemikalien unter anderem Gamma-Butyrolacton (GBL), ein Bestandteil von GHB (Gamma-HydroxybuttersĂ€ure). GHB wiederum ist als Party- aber auch Vergewaltigungsdroge bekannt. Als meist farb- und geruchsneutrale FlĂŒssigkeit lĂ€sst es sich unbemerkt in GetrĂ€nke untermischen.


