Hype um Abnehmspritzen - Warnung vor falschen Vorstellungen
22.02.2024 - 14:14:28Rund um sogenannte Abnehmspritzen sind Fachleuten zufolge falsche Vorstellungen verbreitet. Es gebe den Wunsch, so ein Mittel zu nehmen und ansonsten weiterzumachen wie bisher, sagte der GeschĂ€ftsfĂŒhrer des GeschĂ€ftsbereichs Arzneimittel der Bundesvereinigung Deutscher ApothekerverbĂ€nde (Abda), Martin Schulz, bei einer Pressekonferenz der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) in Berlin. Er ist auch Vorsitzender der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker.
TatsĂ€chlich mĂŒsse die Einnahme eingebettet sein in ein Gesamtkonzept mit LebensstilverĂ€nderungen, etwa ErnĂ€hrungsumstellung und mehr Bewegung, sagte DDG-VizeprĂ€sidentin Julia Szendrödi vom UniversitĂ€tsklinikum Heidelberg.
Werde das Medikament abgesetzt, steige das Gewicht ansonsten wieder an. Nebenwirkungen könnten unter anderem schwere Ăbelkeit sein. Es brauche immer eine Ă€rztliche Begleitung, betonte Szendrödi.
Um diese PrÀparate geht es
Es geht um sogenannte GLP-1-Rezeptoragonisten wie unter anderem Semaglutid, die in der breiten Ăffentlichkeit mit Bezeichnungen wie Abnehmspritze bekannt wurden. Solche PrĂ€parate werden bei Patienten mit Diabetes schon lĂ€nger genutzt. Bei ihnen lasse sich der Nutzen im Vergleich zum Risiko gut abwĂ€gen, sagte Szendrödi. Die bisherigen Erkenntnisse lieĂen sich aber nicht automatisch auf Menschen mit gesundem Stoffwechsel ĂŒbertragen. Eine Zulassung auch gegen Adipositas ist neuer, solche Produkte mĂŒssen gesetzlich versicherte Patienten bisher in der Regel selbst bezahlen. Schulz erwartet diesbezĂŒglich zunĂ€chst auch keine VerĂ€nderung.
Bei allen GLP-1-Rezeptoragonisten gebe es auĂerdem weiterhin und voraussichtlich auch noch das ganze Jahr «massive VersorgungsengpĂ€sse», sagte Schulz. Den enormen weltweiten Anstieg der Nachfrage könnten Hersteller bisher nicht bedienen. Folgen der hohen Nachfrage sind demnach unter anderem gefĂ€lschte Rezepte, auĂergewöhnlich hohe Verordnungsmengen auf normalen Rezepten und Verordnungen durch fachfremde Ărzte.
Diese Mittel hĂ€tten einen Wert auf dem internationalen Schwarzmarkt. GefĂ€lschte Spritzen seien in Deutschland «ziemlich sicher» nicht bei Patienten angekommen. Es habe sich um umetikettierte Insulin-Pens gehandelt. «Das ist eine Katastrophe fĂŒr die Menschen, die sich auf die Arzneimittelsicherheit in Deutschland verlassen», sagte Schulz. Apotheken hĂ€tten jede einzelne Packung öffnen mĂŒssen, um die Echtheit zu prĂŒfen.


