Hauptangeklagter, Missbrauch

Hauptangeklagter gesteht massenhaften Missbrauch von Ehefrau

17.09.2024 - 15:55:06

Mit Medikamenten soll ein Rentner in Frankreich seine Frau betÀubt und von Fremden missbraucht haben lassen. Vor Gericht legt der Mann ein GestÀndnis ab - und belastet die 50 Mitangeklagten.

  • Das Opfer in dem aufsehenerregenden Missbrauchsprozess in Avignon will, dass die Verhandlung öffentlich stattfindet. - Foto: Christophe Simon/AFP/dpa

    Christophe Simon/AFP/dpa

  • Der spektakulĂ€re Missbrauchsprozess in Avignon hat zu frankreichweiten Demonstrationen gegen sexuelle Gewalt gegen Frauen gefĂŒhrt. - Foto: Michel Euler/AP

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  • Tausende Menschen haben in Frankreich gegen sexuelle Gewalt gegen Frauen demonstriert. - Foto: Ian Langsdon/AFP/dpa

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Das Opfer in dem aufsehenerregenden Missbrauchsprozess in Avignon will, dass die Verhandlung öffentlich stattfindet. - Foto: Christophe Simon/AFP/dpaDer spektakulĂ€re Missbrauchsprozess in Avignon hat zu frankreichweiten Demonstrationen gegen sexuelle Gewalt gegen Frauen gefĂŒhrt. - Foto: Michel Euler/APTausende Menschen haben in Frankreich gegen sexuelle Gewalt gegen Frauen demonstriert. - Foto: Ian Langsdon/AFP/dpa

Im Prozess um den jahrelangen Missbrauch einer von ihrem Ehemann betĂ€ubten Frau durch Dutzende fremde MĂ€nner hat der Hauptangeklagte in SĂŒdfrankreich ein umfassendes GestĂ€ndnis abgelegt. «Ich bin ein Vergewaltiger, wie alle, die in diesem Saal sind. Sie (die anderen Angeklagten) können nicht das Gegenteil behaupten», sagte der 72-JĂ€hrige vor Gericht in Avignon. 

«Herr Vorsitzender, ich rĂ€ume die VorwĂŒrfe in ihrer Gesamtheit ein», sagte der Rentner in seiner ersten mit Spannung erwarteten Aussage zu den ungeheuerlichen Anschuldigungen, die Frankreich seit Prozessbeginn vor zwei Wochen erschĂŒttern.

Der Ehemann soll seine inzwischen von ihm geschiedene Frau innerhalb von knapp zehn Jahren immer wieder mit Medikamenten betĂ€ubt haben. Dann soll er die Frau vor seinen Augen von fremden MĂ€nnern vergewaltigt haben lassen, zu denen er zuvor ĂŒber eine Onlineplattform Kontakt hergestellt hatte. FĂŒr den Missbrauch drohen den 50 angeklagten mutmaßlichen TĂ€tern sowie dem Ehemann bis zu 20 Jahre Haft.

Seine 71-jĂ€hrige Ex-Frau GisĂšle P. bestand darauf, dass der Prozess öffentlich stattfindet und als warnendes Beispiel diene fĂŒr Frauen, die mit Drogen betĂ€ubt und dann missbraucht werden. Der Hauptangeklagte wendet sich wĂ€hrend seiner Aussage an seine Ex-Frau und seine Familie. «Ich bin schuldig fĂŒr das, was ich getan habe», sagte der Rentner. «Ich bereue, was ich getan habe, ich bitte um Vergebung, auch wenn es nicht entschuldbar ist».

Filmaufnahmen unter Röcke ließen HaupttĂ€ter auffliegen

Der mutmaßliche Missbrauch kam erst ans Licht, als der Rentner nach Filmaufnahmen unter die Röcke von Supermarkt-Kundinnen festgenommen wurde. Bei einer Durchsuchung stießen Fahnder auf dem Computer des Mannes auf Hunderte Videos der Taten. 

Was aber treibt einen Mann zu den vorgeworfenen Taten an? Vor Gericht spricht der Hauptangeklagte davon, als Kind selber im Krankenhaus missbraucht worden zu sein und den Missbrauch einer Adoptivschwester durch seinen Vater miterlebt zu haben. «Man kann nicht sagen, dass mein Leben davon unbeeinflusst geblieben ist.» Er sei sexsĂŒchtig gewesen und es gebe zwei Seiten seiner Persönlichkeit. «Ich habe vergeblich versucht aufzuhören, aber die Sucht war stĂ€rker», sagt er. «Ich hĂ€tte viel frĂŒher aufhören oder gar nicht erst anfangen sollen.»

Der Anstoß, seine Frau zu betĂ€uben und missbrauchen zu lassen, soll von einem Bekannten in einem Internetforum gekommen sein, der sich als Krankenpfleger ausgegeben und ihm die nötige Dosierung der Medikamente gegeben haben soll, sagt der Angeklagte. Wann er pervers geworden sei, will ein Anwalt von dem Angeklagten wissen.«Mit der Begegnung mit diesem Mann im Jahr 2011, der mir Dinge gezeigt hat, die ich fĂŒr unmöglich hielt, und die er möglich gemacht hat.»

Rentner kassierte kein Geld von MittÀtern

Geld soll der Rentner von den MĂ€nnern, die er zu sich eingeladen hat, nicht verlangt haben, ihm ging es laut Anklage um die Befriedigung seiner sexuellen Fantasien. Die MĂ€nner hĂ€tten aus freien StĂŒcken Kontakt zu ihm gesucht und sein Drehbuch befolgt. «Ich habe niemanden gezwungen, sie sind selbst gekommen.»

Der aufsehenerregende Gerichtsprozess hat in Frankreich lĂ€ngst eine landesweite Debatte ĂŒber sexuelle Gewalt gegen Frauen ausgelöst sowie ĂŒber die Problematik des Missbrauchs von unter Drogen gesetzten Frauen. Am Wochenende gab es in mehreren StĂ€dten Demonstrationen gegen sexuelle Gewalt sowie als Zeichen der SolidaritĂ€t mit GisĂšle P.. Dutzende Menschen standen im Gerichtssaal in Avignon außerdem Spalier und applaudierten, als die Frau das GebĂ€ude verließ.

@ dpa.de