Mordfall Fabian: Angeklagte gerät im Prozess erneut unter Druck
Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 14:49 Uhr | dpa, AD HOC NEWSIm Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow hat die Angeklagte am 28. Verhandlungstag erneut viele ihrer Angaben nicht schlüssig erklären können.
Widersprüche im Fokus des Gerichts
Der Vorsitzende Richter konfrontierte die 30-Jährige stundenlang mit Abweichungen in ihren Aussagen. Im Mittelpunkt standen ihre Angaben zum Tag des Verschwindens des Jungen, zu einem möglichen Geldabheben in Güstrow und zu einem Alibi für den Vormittag des mutmaßlichen Tattages.
Auch ihre früheren Erklärungen zum Verbleib am Fundort der Leiche gerieten erneut unter Druck. Die Angeklagte blieb dabei bei ihrem Dementi und sagte weiter, sie habe mit der Tat nichts zu tun.
Anklage und Streit um die Glaubwürdigkeit
Nach der Anklage soll die Frau Fabian am 10. Oktober 2025 aus seiner Wohnung gelockt, an einem Teich bei Klein Upahl erstochen und den Leichnam anschließend in Brand gesetzt haben.
Das Motiv soll mit dem Verhältnis der Angeklagten zum Vater des Kindes und dem zeitweisen Ende dieser Beziehung zusammenhängen. Die Verteidigung verwies darauf, dass ihre Mandantin unter hoher emotionaler Belastung gestanden habe.
Richter zieht Bilanz der Befragung
Am Ende der Befragung fasste der Vorsitzende die Darstellung der Angeklagten als nicht schlüssig zusammen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr weiterhin ständige Lügen vor, auch die Mutter des Jungen glaubt ihr nicht.
Der Prozess bleibt damit vor allem eine Auseinandersetzung um Glaubwürdigkeit, Widersprüche und die Frage, welche Erklärung das Gericht am Ende für belastbar hält.
Prozess mit hoher Beweislast
Der Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow bleibt von widersprüchlichen Angaben der Angeklagten geprägt. Im Zentrum steht damit weiter weniger eine neue Tatsachenfrage als die Bewertung ihrer Erklärungen, ihrer wechselnden Angaben und der daraus gezogenen Schlüsse des Gerichts.
Für den Fortgang des Verfahrens ist das bedeutsam, weil die Kammer die Glaubwürdigkeit der Angeklagten offenbar zunehmend an konkreten Details misst: an Zeitabläufen, an Alibis, an ihrem Verhalten rund um den Fundort und an ihren Aussagen gegenüber Polizei und Vater des Kindes. Solche Widersprüche können in einem Mordprozess den Ausschlag geben, wenn unmittelbare Tatbeweise nicht im Vordergrund stehen.
Bedeutung über den Einzelfall hinaus
Der Fall hat auch deshalb große öffentliche Aufmerksamkeit, weil er einen besonders schweren Vorwurf mit einer komplexen Beweisaufnahme verbindet. Die weitere Entwicklung dürfte vor allem davon abhängen, ob das Gericht die Angaben der Angeklagten als erklärbare Überforderung oder als gezielte Täuschung wertet. Für die Nebenklage und die Staatsanwaltschaft steht dabei die Frage im Raum, ob sich aus den vielen Detailabweichungen ein geschlossenes Bild ergibt.
