Fall Ayleen: Angeklagter setzte weitere MĂ€dchen unter Druck
14.06.2023 - 14:34:52Der wegen Mordes an der 14-jĂ€hrigen Ayleen angeklagte Mann soll auch in anderen FĂ€llen Druck auf MĂ€dchen aufgebaut und Sex von ihnen gefordert haben. Bereits am 22. Juli, also am Tag nach dem Verschwinden Ayleens, habe der 30-JĂ€hrige Kontakt mit zwei weiteren MĂ€dchen aufgenommen - einer 15-JĂ€hrigen und einer 17-JĂ€hrigen, sagte der Leiter der regionalen Kriminalinspektion Lahn-Dill am Mittwoch als Zeuge vor dem Landgericht GieĂen.
Dabei sei das Vorgehen des Mannes Àhnlich wie im Falle Ayleens gewesen: Auch im Kontakt mit der 15-JÀhrigen sei es um Bilder, um Sex und um Druckverhalten gegangen. Bei der 17-JÀhrigen sei der Mann mittags persönlich aufgetaucht und bereits in ihrem Zimmer gewesen. Das MÀdchen habe ihn abgewiesen. Da ihre Eltern zu Hause waren, sei der Mann wieder gegangen.
Der Deutsche hatte zum Prozessauftakt eingerĂ€umt, Ayleen getötet zu haben. Er und das MĂ€dchen aus Baden-WĂŒrttemberg kannten sich ĂŒber einen Messenger-Dienst und ein Online-Spiel. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Tat sexuell motiviert war. Angeklagt ist der Mann wegen Mordes, versuchter Vergewaltigung mit Todesfolge und Nötigung. Der 30-JĂ€hrige selbst hatte angegeben, die Tat im Streit mit dem MĂ€dchen begangen zu haben.
Chatprotokolle ausgewertet
Nach den Worten des Kripobeamten lieà sich anhand von Chatprotokollen nachvollziehen, dass der Mann Ayleen nicht nur mit psychischem Druck zu einem Treffen gebracht, sondern ihr auch Geld angeboten hat. Es sei um Zuwendungen von 700 bis 900 Euro gegangen, die er ihr als «Sugardaddy» zukommen lassen wollte. Das MÀdchen habe aus der Kommunikation mit dem Mann gewusst, dass am 21. Juli ein Treffen bevorstand und dass der 30-JÀhrige Kontakt mit ihr wollte, sagte der Kripobeamte. Zugleich zeigten die Chatprotokolle, «dass das MÀdchen zu keinem Zeitpunkt die Absicht hatte, in das Auto zu steigen». Vielmehr habe die 14-JÀhrige deutlich gemacht: «Ich komme, Du gibst mir das Geld, ich gehe.»
Anhand der Ermittlungen und Auswertung von Daten hÀtten sich Hinweise auf eine Reihe anderer, teils auch unterschwelliger Straftaten ergeben, in die teils auch andere TÀter verwickelt gewesen seien. Die Erkenntnisse seien an die zustÀndigen Behörden weitergeleitet worden, so der Zeuge. Er sprach von insgesamt 28 weiteren Verfahren.


