Sachsen, Deutschland

Wettlauf gegen die Zeit - Per Hand nach Vermissten gesucht

19.05.2026 - 12:17:28 | dpa.de

Nach dem Hauseinsturz in Görlitz bleibt die Lage angespannt: Noch immer werden drei Menschen vermisst, während Gas austritt. Die Suche ist herausfordernd. Die Hoffnung ist da, aber schwindet.

  • Wettlauf gegen die Zeit - per Hand wird nach Vermissten gesucht. - Foto: Paul Glaser/dpa
    Wettlauf gegen die Zeit - per Hand wird nach Vermissten gesucht. - Foto: Paul Glaser/dpa
  • Das Gebiet um die Einsturzstelle ist weiträumig abgesperrt. - Foto: Paul Glaser/dpa
    Das Gebiet um die Einsturzstelle ist weiträumig abgesperrt. - Foto: Paul Glaser/dpa
  • Die Rettung der drei Vermissten stehe an erster Stelle, sagt Octavian Ursu (CDU). - Foto: Paul Glaser/dpa
    Die Rettung der drei Vermissten stehe an erster Stelle, sagt Octavian Ursu (CDU). - Foto: Paul Glaser/dpa
  • Auch eine Hundestaffel wurde bereitgehalten.  - Foto: Sebastian Kahnert/dpa
    Auch eine Hundestaffel wurde bereitgehalten. - Foto: Sebastian Kahnert/dpa
  • Das Gebiet um die Einsturzstelle ist weiträumig abgesperrt. - Foto: Sebastian Kahnert/dpa
    Das Gebiet um die Einsturzstelle ist weiträumig abgesperrt. - Foto: Sebastian Kahnert/dpa
  • Der Einsatz könnte noch Stunden dauern.  - Foto: Paul Glaser/dpa
    Der Einsatz könnte noch Stunden dauern. - Foto: Paul Glaser/dpa
Wettlauf gegen die Zeit - per Hand wird nach Vermissten gesucht. - Foto: Paul Glaser/dpa Das Gebiet um die Einsturzstelle ist weiträumig abgesperrt. - Foto: Paul Glaser/dpa Die Rettung der drei Vermissten stehe an erster Stelle, sagt Octavian Ursu (CDU). - Foto: Paul Glaser/dpa Auch eine Hundestaffel wurde bereitgehalten.  - Foto: Sebastian Kahnert/dpa Das Gebiet um die Einsturzstelle ist weiträumig abgesperrt. - Foto: Sebastian Kahnert/dpa Der Einsatz könnte noch Stunden dauern.  - Foto: Paul Glaser/dpa

Die Suche nach den Vermissten in dem eingestürzten Haus in Görlitz gleicht einem Wettlauf gegen die Zeit. Die Einsatzkräfte sehen bei den möglicherweise drei Verschütteten eine Überlebenschance für bis zu 72 Stunden. Am Dienstagabend waren seit dem Einsturz mehr als 24 vergangen. «Wir sprechen immer noch von einer Vermisstensuche und nicht von einer Bergung», sagte ein Polizeisprecher. Von zwei Frauen und einem Mann fehlt weiter jegliches Lebenszeichen.

Einsatz spezieller Spürhunde 

«Wir haben bisher noch niemanden gefunden», so die Leiterin der Feuerwehr in Görlitz, Anja Weigel am Dienstagabend. Bei der Suche nach den drei Vermissten nach dem Einsturz des Gründerzeithauses werden auch spezielle Spürhunde eingesetzt. «Die Hunde schlagen bei Lebenszeichen an, was sie gestern auch gemacht haben», erläuterte der Einsatzleiter der Feuerwehr Görlitz, Remo Kölzsch. 

In der Nacht nach dem Einsturz und auch am Tag danach schlugen die Tiere mehrfach an. Dies lasse allerdings keine Rückschlüsse auf den Zustand der Vermissten zu, erklärte Weigel. «Die Anzahl der Stellen sagt nicht aus, wie viele Menschen da liegen.» Weil eine Explosion angenommen wird, müsse immer auch davon ausgegangen werden, dass einzelne Körperteile gefunden werden. Die Einsatzkräfte arbeiteten deshalb sehr vorsichtig, setzten ab Dienstag jedoch auch einen Bagger und einen Kran ein, um größere Trümmerteile zu bewegen. 

Zwei Frauen und ein Mann werden vermisst

Die Einsatzkräfte aus Deutschland und Polen, darunter auch Ehrenamtliche, arbeiten sich außerdem mit Schaufeln und bloßen Händen durch den Trümmerberg. Immer wieder müssen sie abgelöst werden, erklärt Weigel. Die Arbeiten sind anstrengend und belastend - sollen aber auch in der zweiten Nacht nach dem Einsturz fortgeführt werden. Die Einsatzkräfte stellten sich auf viele weitere Stunden Arbeit ein.

Das Haus stürzte am frühen Montagabend ein. Vermisst werden noch zwei rumänische Touristinnen im Alter von 25 und 26 Jahren und ein 48 Jahre alter Mann mit bulgarischer und deutscher Staatsangehörigkeit, der sich aus beruflichen Gründen in Görlitz aufgehalten hatte. Zwei der ursprünglich fünf Vermissten waren kurz nach Mitternacht aufgetaucht - die beiden Feriengäste waren noch auf der Anreise. In dem eingestürzten Haus befanden sich nach Angaben der Polizei Miet- und Ferienwohnungen.

An der Unfallstelle hielt sich ein Angehöriger der beiden vermissten Frauen auf. Er wurde von Seelsorgern betreut, auch der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu (CDU) sprach mit ihm sowie weiteren Personen, die die vermissten Frauen kannten. Nach Angaben des Rumänen waren sie angereist, nachdem er sie über den Einsturz informiert hatte. 

Ursache für Einsturz weiter unklar

Die gesamte James-von-Moltke-Straße unweit des Görlitzer Bahnhofs ist weiter abgesperrt, Einsatzfahrzeuge des THW und der Feuerwehr stehen bereit. Auch eine Hundestaffel war vor Ort, um bei Bedarf eingesetzt zu werden. Die vor dem Einsturz dort noch geparkten Autos sind mit einer feinen Staubschicht bedeckt. 

Die genaue Ursache des Unglücks steht noch nicht fest. «Aber es sieht nach einer Gasexplosion aus», sagte Ursu. «Die Lebensrettung steht an erster Stelle», betonte der CDU-Politiker. Am Montagabend waren insgesamt 140 Einsatzkräfte am Unglücksort. Unterstützung komme von allen Seiten. Zudem sind Höhenretter im Einsatz.

Hunde kriechen in Löcher - Überlebenschance bei 72 Stunden

Die Arbeit der Einsatzkräfte wird auch am Dienstagabend weiter dadurch erschwert, dass unter den Trümmern möglicherweise Gas austritt. Eine große Gefahr bei der Rettungsaktion ist den Angaben nach, dass sich nach wie vor Gas in Hohlräumen befinden könnte. Die Stadtwerke hatten eigenen Angaben nach am Dienstagnachmittag die Gaszufuhr in dem betroffenen Bereich abgestellt. 

An der Unfallstelle war das Problem dadurch jedoch nicht gelöst worden, deshalb frästen Mitarbeitende der Stadtwerke Teile der Straße auf. Sie wollen so an die Gaszufuhr gelangen.

Auch, um Maschinen für den Einsatz bereitzuhalten, musste die Kreuzung James-von-Moltke-Straße/Dr.-Kahlbaum-Allee/Blockhausstraße nahe der Unfallstelle gesperrt werden. Die Polizei warnt vor Einschränkungen im Verkehr, die auch am Mittwoch weiterbestehen könnten. 

Baustatiker waren vor Ort, Häuser links und rechts der Einsturzstelle können später wieder bezogen werden, aber nicht, bevor die Personensuche abgeschlossen ist. 

Von den 54 Leuten, die von der Evakuierung betroffen sind, sind vier in einer städtischen Villa untergebracht. Jene von ihnen, die in entfernteren Häusern wohnen, konnten am Dienstag in ihre Häuser zurückkehren, hatten dort laut Polizei jedoch kein warmes Wasser.

Anwohner schildern dramatische Minuten - unter Tisch gekrabbelt

Eine Anwohnerin beschreibt am Tag danach die Explosion und wie viel Rauch durch das gekippte Balkonfenster in ihre Wohnung zog. «Es war wie so eine Bombe», sagte Kerstin Wauer. Ein anderer Anwohner sagte dem Sender «Radio Lausitz», es habe einen großen Knall und eine große Erschütterung gegeben.

«Ich bin instinktiv erst mal unter den Tisch gekrabbelt und habe dann den Notruf gewählt», betonte er. Vom Balkon aus habe er schreiende Menschen vernommen. «Als gelernter Klempner habe ich gleich an Gasexplosion gedacht.» Ein anderer Augenzeuge sagte: «Ich dachte schon, bei uns fällt ebenfalls das Haus ein, das hat so einen Hieb gegeben.»

Görlitz als Filmkulisse gefragt

Görlitz ist die östlichste Stadt Deutschlands, sie liegt in der sächsischen Oberlausitz direkt an der Neiße und hat 57.000 Einwohner. Seit 1998 bildet Görlitz zusammen mit der östlich gelegenen polnischen Nachbarstadt Zgorzelec eine grenzüberschreitende Europastadt. Wegen der historischen unzerstörten Altstadtkulisse ist die Stadt auch ein gefragter Drehort für internationale Filmproduktionen.

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