MĂ€dchen, Zug

MĂ€dchen vor Zug gestoßen? Mann kommt in Psychiatrie

29.08.2025 - 20:07:09

Nach dem Tod einer 16-JĂ€hrigen am Bahnhof Friedland ist ein 31-JĂ€hriger per Unterbringungsbefehl in einer psychiatrischen Klinik untergebracht worden. DNA-Spuren sollen ihn belasten.

Gut zwei Wochen nach dem Tod einer 16-JĂ€hrigen am Bahnhof Friedland ist ein 31 Jahre alter Mann per Unterbringungsbefehl in einer psychiatrischen Klinik untergebracht worden. Der Iraker stehe im dringenden Verdacht, das MĂ€dchen am 11. August vorsĂ€tzlich gegen einen durchfahrenden GĂŒterzug gestoßen zu haben, teilte die Staatsanwaltschaft Göttingen mit.

SpĂ€tere Untersuchungen des Landeskriminalamts hĂ€tten DNA-Spuren des Mannes an der Schulter der Getöteten nachgewiesen. Zudem habe der Beschuldigte am Tattag psychische AuffĂ€lligkeiten gezeigt. Bereits frĂŒher sei bei ihm eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert worden, heißt es von der Staatsanwaltschaft.

Polizei sprach zunĂ€chst von UnglĂŒck

Die Polizei war zunĂ€chst von einem UnglĂŒck ausgegangen: Die Jugendliche sei von einem Zug touchiert und tödlich verletzt worden, der genaue Hergang sei damals unklar gewesen, hieß es. 

Nun teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit, die Polizei sei kurz vor der Tat wegen eines randalierenden Mannes zum Bahnhof gerufen worden. Vor Ort hĂ€tten Beamte drei Personen angetroffen, darunter den Beschuldigten. Dieser habe die Polizisten nach ihren Angaben zu einem Bahnsteig gefĂŒhrt, wo die Jugendliche bereits tot gelegen habe. Der Mann habe eine Tatbeteiligung bestritten. Ein freiwilliger Alkoholtest habe 1,35 Promille ergeben.

Abschiebung war möglich

Da zu diesem Zeitpunkt keine Beweise vorgelegen hÀtten, sei er zunÀchst wieder entlassen worden. SpÀtere Untersuchungen des Landeskriminalamts hÀtten DNA-Spuren des Mannes an der Schulter der Getöteten nachgewiesen, teilten die Ermittler weiter mit.

Laut Staatsanwaltschaft ist der Mann 2022 in Braunschweig erstmals von der Bundespolizei kontrolliert worden – dabei habe er ein Asylbegehren geĂ€ußert. Sein Antrag sei im Dezember 2022 abgelehnt worden und die Abschiebung nach Litauen seit MĂ€rz 2025 möglich. Ein Antrag auf Abschiebehaft sei im Juli 2025 vom Amtsgericht Hannover jedoch abgelehnt worden. Zwischenzeitlich habe der 31-JĂ€hrige eine Ersatzfreiheitsstrafe verbĂŒĂŸt und sich danach erneut in Friedland als Asylsuchender gemeldet. Friedland liegt im Ă€ußersten SĂŒden Niedersachsens in der NĂ€he der Landesgrenzen zu Hessen und ThĂŒringen.

Kritik am Dublin-Verfahren

Der Fall zeige einmal mehr die massiven Probleme des sogenannten Dublin-Verfahrens, sagte Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD). Das Dublin-Verfahren regelt die Verteilung von Asylbewerben in Europa. Demnach hÀtte der VerdÀchtige nicht mehr in Deutschland, sondern in Litauen seien sollen. 

«Es ist den BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern nicht vermittelbar, dass sich Personen jahrelang in Deutschland aufhalten, obwohl ein ganz anderer EU-Staat fĂŒr sie zustĂ€ndig ist», so Behrens. Sie forderte, genau aufzuarbeiten, warum der VerdĂ€chtige nicht ĂŒberstellt wurde. Gleichzeitig warnte sie davor, den Fall zu missbrauchen, um Hass zu schĂŒren.

Ermittlungsrichter ordnet Unterbringung an

Wie die Staatsanwaltschaft weiter mitteilte, wurde der VerdÀchtige nach dem Fund der DNA-Spuren in einem Fachklinikum von einem Ermittlungsrichter mit dem Vorwurf gegen ihn konfrontiert. Der 31-JÀhrige habe von seinem Schweigerecht Gebrauch gemacht. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft sei ein Unterbringungsbefehl wegen Totschlags erlassen worden.

Erst am Mittwoch hatte die Polizei vor Spekulationen in sozialen Netzwerken gewarnt. Mutmaßungen ĂŒber den Hergang seien nach damaliger EinschĂ€tzung unbegrĂŒndet gewesen. Ein Facebook-Beitrag des AfD-Kreisverbands Eichsfeld (ThĂŒringen) hatte dabei die Frage «Mord in Friedland?» aufgeworfen und die Debatte verstĂ€rkt.

Psychische AuffÀlligkeiten 

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat der Beschuldigte am Tattag psychische AuffÀlligkeiten gezeigt. In der Vergangenheit sei bei ihm eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert worden. Ob er im Falle einer Verurteilung eine Freiheitsstrafe antreten oder dauerhaft in einer psychiatrischen Klinik untergebracht werde, sei derzeit offen.

@ dpa.de