Schweiz, Notfall

Fehlende Brandschutzkontrollen in Schweizer Inferno-Bar

06.01.2026 - 13:06:35

Nach dem verheerenden Brand in Crans-Montana rĂ€umt die Gemeinde schwere VersĂ€umnisse ein. Warum wurde der Brandschutz seit 2019 nicht mehr ĂŒberprĂŒft?

  • Seit 2019 fanden in der Bar keine der ĂŒblichen Brandschutzkontrollen statt. (Archivbild) - Foto: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa

    Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa

  • Die Gemeinde verbietet Pyrotechnik in geschlossenen RĂ€umen.  - Foto: Cyril Zingaro/KEYSTONE/dpa

    Cyril Zingaro/KEYSTONE/dpa

Seit 2019 fanden in der Bar keine der ĂŒblichen Brandschutzkontrollen statt. (Archivbild) - Foto: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpaDie Gemeinde verbietet Pyrotechnik in geschlossenen RĂ€umen.  - Foto: Cyril Zingaro/KEYSTONE/dpa

Die Schweizer Gemeinde Crans-Montana hat nach dem Brandinferno in der Silvesternacht mit 40 Toten schwere VersÀumnisse eingerÀumt. Die eigentlich jedes Jahr vorgeschriebene Brandschutzkontrolle habe zuletzt 2019 stattgefunden, sagt der PrÀsident des Gemeinderats, Nicolas Féraud. «Wir bedauern dies zutiefst», sagte er. 

Auf eine Entschuldigung bei den Angehörigen der Opfer ließ FĂ©raud sich bei einer Pressekonferenz nicht ein. Er kĂ€mpfte aber mit den TrĂ€nen, als er sagte: «Wir sind extrem traurig. Ich werde diese Last immer tragen, die Trauer der Familien, mein Leben lang.» 

Von den 116 Verletzten waren gut 80 noch mit teils lebensbedrohlichen Verletzungen im Krankenhaus. Viele werden inzwischen im Ausland behandelt, auch in Deutschland. Ihnen stehen teils unzÀhlige Operationen, Hauttransplantationen und monate- oder jahrelange Behandlungen bevor.

Keine Pyrotechnik in geschlossenen RĂ€umen mehr

Das Inferno in der Bar Le Constellation in der Silvesternacht wurde nach bisherigen Ermittlungen durch eine funkensprĂŒhende PartyfontĂ€ne ausgelöst. Sie setzte nach bisherigen Erkenntnissen schallisolierenden Schaumstoff an der Decke in Brand. Das Feuer breitete sich rasend schnell aus. 

Als Sofortmaßnahme hat der Gemeinderat beschlossen, den Einsatz sĂ€mtlicher pyrotechnischer GegenstĂ€nde in geschlossenen RĂ€umen auf dem gesamten Gemeindegebiet zu verbieten. Zudem werden unabhĂ€ngige Dienstleister beauftragt, Brandschutzkontrollen im Ort durchzufĂŒhren.

FĂ©raud belastete das Wirtepaar, gegen das bereits eine Strafuntersuchung eingeleitet worden ist, schwer. Er warf dem Paar FahrlĂ€ssigkeit vor. Es habe eine «Kultur der RĂŒcksichtslosigkeit gegenĂŒber Risiken» geherrscht. Einem zweiten Lokal, das die beiden Franzosen in Crans-Montana betreiben, sei die Betriebsgenehmigung entzogen worden. 

Noch viele offene Fragen

Ob der Schaumstoff als Baumaterial zugelassen ist, sei Gegenstand der Ermittlungen, sagte FĂ©raud. In den Regularien stehe nichts darĂŒber, ob solches Material kontrolliert werden mĂŒsse. Schaumstoff sei bei den SicherheitsprĂŒfungen bis 2019 nie Thema gewesen.

Nach Angaben von FĂ©raud war die Bar fĂŒr je 100 Personen im Unter- und Obergeschoss zugelassen. Wie viele Menschen sich tatsĂ€chlich in der Schicksalsnacht dort aufhielten, mĂŒsse geprĂŒft werden. FĂŒr die zugelassene Zahl an Besuchern seien genĂŒgend AusgĂ€nge vorhanden gewesen. Ob sie zugĂ€nglich waren, sei ebenfalls Gegenstand der Ermittlungen.

Das Wirtepaar habe 2015 eine Baubewilligung fĂŒr den Bau einer Terrasse bekommen. Diese sei auch abgenommen worden. FĂŒr Änderungen im Innenausbau sei keine Genehmigung nötig, sagte FĂ©raud. 

Der GemeindeprÀsident zur Korruptionsfrage

Warum nach 2019 keine Kontrollen stattfanden, könne er sich nicht erklĂ€ren. Er wies zurĂŒck, dass womöglich Korruption im Spiel sein könne. Er habe keine persönlichen Beziehungen zu dem Wirtepaar, und das gelte nach seinen Informationen auch fĂŒr die zustĂ€ndigen Brandinspektoren. Die Regierung des Kantons Wallis prĂŒft nach einer Mitteilung, inwieweit die Gesetzgebung zum Brandschutz angepasst werden mĂŒsse.

Angesichts der WetterverhĂ€ltnisse ist die öffentliche Trauerfeier am Freitag ab 13.45 Uhr in das Messe- und Kongresszentrum (Cerm) im Tal in Martigny verlegt worden. Der französische PrĂ€sident Emmanuel Macron hat seine Teilnahme zugesagt. Womöglich kommt auch der italienische PrĂ€sident Sergio Mattarell. Abgesehen von Schweizern kamen die meisten Opfer aus Frankreich und Italien. Das Schweizer Außenministerium hat nach eigenen Angaben Einladungen an 35 Staaten verschickt, auch solche, die nun bei der Versorgung der Brandopfer helfen.

@ dpa.de

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