Todesfahrt in Mannheim: Trauer und Hoffen auf Antworten
04.03.2025 - 13:41:50 | dpa.deNach der Todesfahrt von Mannheim wollen die Ermittler bei der anstehenden Vernehmung des TĂ€ters Antworten auf zahlreiche noch offene Fragen finden. Der 40 Jahre alte Mann aus Mannheims Nachbarstadt Ludwigshafen, gegen den wegen zweifachen Mordes und mehrfachen Mordversuchs ermittelt wird, sollte im Laufe des Dienstags unter anderem zu seinem Motiv und HintergrĂŒnden der Tat befragt werden.
Am Rosenmontag war er nach der Autoattacke in der Mannheimer Innenstadt zunĂ€chst verletzt in ein Krankenhaus gebracht worden. Bei seiner Festnahme soll er sich mit einer Schreckschusspistole in den Mund geschossen haben. Inzwischen ist der Deutsche in Polizeigewahrsam, er wird voraussichtlich noch heute zum Ermittlungsrichter gefĂŒhrt. Das Auto ist auf ihn zugelassen - nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ist er der Halter des Fahrzeugs.
Die Ermittler sind ĂŒberzeugt, dass der Mann mit seinem Wagen und hoher Geschwindigkeit Hunderte Meter weit durch die Mannheimer FuĂgĂ€ngerzone gerast war. Eine 83-jĂ€hrige Frau und ein 54-jĂ€hriger Mann kamen ums Leben. Elf Menschen wurden verletzt, mehrere von ihnen schwer.
Wohnung des VerdÀchtigen durchsucht
Bis in die spÀten Abendstunden des Rosenmontags wurde die Wohnung des Festgenommenen in Ludwigshafen durchsucht. Nach dpa-Informationen wurden einige nicht nÀher erlÀuterte Dinge sichergestellt, die jetzt erst noch ausgewertet werden sollen.
Auch ein im Auto des Todesfahrers entdeckter Zettel beschĂ€ftigt die Ermittler. Darauf sind Skizzen zu erkennen und Notizen in etwas krakeliger Schrift; es sind kurze Schlagworte und mathematische Rechnungen mit Bleistift notiert zu Geschwindigkeit und Fahrt, auch die Wörter «Anhalteweg» sowie «links» und «rechts» sind zu lesen. Die Ermittler mĂŒssen jetzt prĂŒfen, inwieweit diese Aufzeichnungen relevant sind fĂŒr die AufklĂ€rung der Tat.
Kretschmann: Nicht einschĂŒchtern lassen
Baden-WĂŒrttembergs MinisterprĂ€sident Winfried Kretschmann (GrĂŒne) rief am Tag danach dazu auf, sich von der Tat nicht einschĂŒchtern zu lassen. «Wichtig ist nach solchen Ereignissen, dass wir, so gut es möglich ist, immer wieder in unseren normalen Alltag zurĂŒckkehren», sagte er beim traditionellen Froschkuttelnessen der Narrenzunft Gole in Riedlingen.
«NatĂŒrlich macht das was mit uns, aber es darf uns nicht so verunsichern, dass wir nicht mehr wissen, was hinten und vorne ist», sagte Kretschmann in einer kurzen Ansprache. Stattdessen mĂŒsse man so leben, wie man das wolle. «Sonst haben die TĂ€ter schon den ersten Sieg errungen.» Die Narren gedachten zudem den Opfern mit einer Gedenkminute.
Ăhnlich Ă€uĂerte sich der Regierungschef von Rheinland-Pfalz, Alexander Schweitzer (SPD). «Wir dĂŒrfen uns das Zusammensein, das Geselligsein, die Pflege unseres Brauchtums nicht kaputt machen lassen», sagte er beim Empfang der nĂ€rrischen Kooperation in der Mainzer Staatskanzlei. WĂ€hrend Mannheim zu Baden-WĂŒrttemberg gehört, liegt Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz - direkt gegenĂŒber auf der anderen Rheinseite.
Notfallseelsorge ist am Ort
Unterdessen suchen Menschen in der Mannheimer FuĂgĂ€ngerzone das GesprĂ€ch. Einige GeschĂ€fte haben geöffnet, Blumen und Kerzen werden am zentralen Paradeplatz niedergelegt, Menschen halten inne, manche kĂ€mpfen mit den TrĂ€nen. Immer wieder sind GesprĂ€che zu hören - ĂŒber den Fahrtweg des 40-JĂ€hrigen, ĂŒber Angst und Sorgen.
Um Augenzeugen und anderen Betroffenen zu helfen, hat die Notfallseelsorge in der Innenstadt eine Anlaufstelle aufgebaut. «Wir gehen davon aus, dass viele kommen werden, weil gestern viele schnell nach Hause gegangen sind», sagte Isabel GĂŒrel von der Notfallseelsorge Mannheim. Ein besonderes Augenmerk wollen die Helferinnen und Helfer auf Mitarbeitende der GeschĂ€fte entlang der FuĂgĂ€ngerzone legen.
Opfer können entschÀdigt werden
Betroffene können sich fĂŒr EntschĂ€digungen zudem an das Versorgungsamt des Rhein-Neckar-Kreises wenden. Dies gelte fĂŒr durch das Auto verletzte Menschen genauso wie fĂŒr Augenzeugen, die womöglich einen Schock erlitten hĂ€tten, teilte die auch fĂŒr Mannheim zustĂ€ndige Behörde in Heidelberg mit.
Die Opfer könnten wegen der gesundheitlichen und auch wirtschaftlichen Folgen Leistungen erhalten. Dazu gehören neben Geld auch die Betreuung etwa in Traumaambulanzen sowie Heil- und Krankenbehandlungen oder die Versorgung fĂŒr die Hinterbliebenen.Â
Gemeinsames GedenkenÂ
Gemeinsam mit der katholischen und evangelischen Kirche lĂ€dt die Stadt Mannheim am spĂ€ten Nachmittag (17.30 Uhr) zu einer ökumenischen Andacht in die Citykirche Konkordien ein. «Dort soll gemeinsam getrauert, der Toten gedacht und fĂŒr die Verletzten gebetet werden», teilte die Stadt mit. Neben Mannheims OberbĂŒrgermeister Christian Specht (CDU) nehmen auch die evangelische Landesbischöfin Heike Springhart und der katholische Freiburger Erzbischof Stephan Burger teil.Â
Die fĂŒr diesen Tag geplanten FasnachtsumzĂŒge in den Vororten Feudenheim, Neckarau und Sandhofen sind abgesagt worden. Auch der Fasnachtsmarkt mit Buden und FahrgeschĂ€ften am Mannheimer Wasserturm hat geschlossen, die StraĂenfasnacht in der Innenstadt findet ebenfalls nicht statt. OberbĂŒrgermeister Specht hat Trauerbeflaggung an den DienstgebĂ€uden der Stadt angeordnet.
So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!
So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!

