Afghanistan, Iran

Erdbeben in Afghanistan: Hoffnung auf Überlebende schwindet

09.10.2023 - 04:31:02

Nach einem der schwersten Erdbeben in Afghanistan seit Jahrzehnten schwindet die Hoffnung, noch Menschen aus den TrĂŒmmern zu holen. Retter zeichnen ein dĂŒsteres Bild von den Katastrophengebieten.

Nach der verheerenden Erdbebenserie in Afghanistan schwindet die Hoffnung auf Rettung von Überlebenden. Helfer und Ärzte, die in die Katastrophengebiete im Westen des Landes geeilt waren, berichteten von einem großen Ausmaß der Zerstörung.

In zahlreichen Dörfern nordwestlich der Provinzhauptstadt Herat seien HĂ€user durch das Beben dem Erdboden gleichgemacht worden, sagten Augenzeugen. Das Ministerium fĂŒr Katastrophenhilfe bezifferte die Zahl der Toten am Sonntag auf mehr als 2400, weitere 2000 seien verletzt worden. Die Zahlen konnten zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig verifiziert werden. Es wĂ€re eines der schwersten Erdbeben seit Jahrzehnten in Afghanistan.

Das UN-NothilfebĂŒro OCHA nannte am Sonntagabend mehr als 1000 Tote, man gehe aber davon aus, dass die Zahl der Opfer steige, wenn abgelegene Regionen erreicht werden. Mehr als 11.000 Menschen seien von dem Erdbeben betroffen. Die Vereinten Nationen gaben am Sonntag fĂŒnf Millionen Dollar (4,7 Mio Euro) Soforthilfe frei und kĂŒndigten nach der AbschĂ€tzung des Bedarfs einen baldigen Spendenaufruf an.

Erde bebte neun Mal innerhalb weniger Stunden

Am Samstagmorgen hatten mehrere Erdbeben Bewohner der afghanischen Grenzprovinz nahe dem Iran aufgeschreckt. Innerhalb von nur wenigen Stunden bebte die Erde neun Mal, mehr als ein Dutzend Dörfer wurden weitgehend zerstört. Am stÀrksten betroffen war der Bezirk Sindadschan, nordwestlich von Herat. MilitÀr und Rettungsdienste eilten in die Katastrophengebiete. Die beiden schwersten Beben hatten laut der US-Erdbebenwarte USGS eine StÀrke von 6,3.

Die EuropĂ€ische Union (EU) versicherte der betroffenen Bevölkerung Afghanistans ihre volle SolidaritĂ€t, wie EU-Chefdiplomat Josep Borrell beim Kurznachrichtendienst X (frĂŒher Twitter) schrieb. «EU-Teams haben das Katastrophengebiet bereits erreicht, um zu helfen», teilte er mit, ohne Details zu nennen.

Selbst 300 Kilometer entfernt im Nachbarland Iran wackelten am Samstag WÀnde und Deckenleuchten, wie Bewohner der Millionenmetropole Maschhad erzÀhlten. Auch dort setzten die Behörden Rettungsdienste in Alarmbereitschaft und schickten Teams an die Grenze, um mögliche SchÀden zu untersuchen.

Land ist international politisch isoliert

Die Beben wecken Erinnerungen an die verheerende Katastrophe im Sommer vergangenen Jahres, als im Osten des Landes bei einem Erdbeben der StĂ€rke 5,9 mehr als 1000 Menschen in den Tod gerissen wurden. Nach Jahrzehnten voller Konflikte sind viele Dörfer mit einfacher Bauweise schlecht gegen Erdbeben gerĂŒstet.

Seit mehr als zwei Jahren sind in Afghanistan die Taliban wieder an der Macht. Das Land ist wegen seiner repressiven Politik, die vor allem Frauen und MĂ€dchen diskriminiert, international politisch isoliert. Auch das ist ein Grund, warum Rettungsarbeiten schwer vorankommen. Immer wieder ereignen sich schwere Erdbeben in der Region, besonders am Hindukusch, wo die Indische und die Eurasische Platte aufeinandertreffen.

@ dpa.de