BĂ€renangriffe in Russland: Ermittler leiten nach sechs Toten Strafverfahren ein
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 01:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Nach einer Reihe tödlicher BÀrenangriffe im russischen Gebiet Krasnojarsk haben regionale Ermittler ein Strafverfahren wegen FahrlÀssigkeit eingeleitet.
Sechs Tote im September
Allein im September seien in der Region sechs Menschen im Zusammenhang mit BĂ€renangriffen ums Leben gekommen, teilte das Ermittlungskomitee mit. Trotz zahlreicher Warnungen hĂ€tten Verantwortliche im regionalen Umweltministerium und an anderen Stellen keine ausreichenden MaĂnahmen ergriffen, um den Bestand der Raubtiere zu regulieren und ihr Auftauchen in bewohnten Gebieten zu verhindern.
Mehr als 26.000 BraunbÀren
Nach Angaben der Ermittler sei der BraunbĂ€renbestand im Gebiet Krasnojarsk inzwischen auf mehr als 26.000 Tiere angewachsen. Einwohner hĂ€tten mehr als 120 Meldungen ĂŒber BraunbĂ€ren in Ortschaften eingereicht.
Tödliche Begegnungen nehmen zu
In Russland kommt es immer wieder zu Angriffen von Braun- und EisbÀren auf Menschen. Seit Wochen werden aus verschiedenen Regionen des Landes beinahe tÀglich VorfÀlle gemeldet.
Mitte August wurde eine 29-jÀhrige Camperin von einem BÀren aus ihrem Zelt gerissen und getötet. Bei einem Angriff im Gebiet Krasnojarsk kamen zwei Pilzsammlerinnen ums Leben. Die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass zÀhlt inzwischen 17 tödliche Begegnungen.
Futtermangel als mögliche Ursache
In sozialen Medien kursieren zahlreiche Videos von BĂ€ren auf StraĂen, in GĂ€rten und in GebĂ€uden. Die Behörden fĂŒhren das vermehrte Auftauchen der eigentlich menschenscheuen Tiere auf mehrere mögliche Ursachen zurĂŒck.
Eine fĂŒr die Bestandsregulierung zustĂ€ndige Direktorin im Umweltministerium erklĂ€rte, im Föderationskreis Sibirien mĂŒsse von einem vollstĂ€ndigen Ausfall der Nahrung ausgegangen werden. Futtermangel, illegale MĂŒlldeponien und das FĂŒttern von Wildtieren könnten BĂ€ren in die NĂ€he bewohnter Gebiete bringen.
Bestand in Russland stark gewachsen
Vor der Winterruhe ist der Nahrungsbedarf der BraunbĂ€ren besonders hoch. Nach Angaben der Direktorin ist der BĂ€renbestand in Russland in den vergangenen 15 Jahren von 182.000 auf 308.000 Tiere gestiegen. Zugleich beklagen JĂ€ger strenge Vorschriften fĂŒr die BĂ€renjagd.
Herbst erhöht Konflikte zwischen Mensch und Tier
Die HĂ€ufung der VorfĂ€lle fĂ€llt in eine fĂŒr BraunbĂ€ren besonders kritische Jahreszeit. Vor der Winterruhe mĂŒssen die Tiere groĂe Energiereserven aufbauen. Wenn natĂŒrliche Nahrung ausfĂ€llt, können leicht zugĂ€ngliche AbfĂ€lle, Futterstellen oder menschliche Siedlungen attraktiver werden. Dadurch steigt das Risiko, dass BĂ€ren ihre natĂŒrliche Scheu verlieren und wiederholt in bewohnten Gebieten auftauchen.
GroĂe BestĂ€nde, schwierige Regulierung
Das Gebiet Krasnojarsk ist riesig und umfasst ausgedehnte Wald- und Taigaregionen. Die Kontrolle entlegener Ortschaften, die Sicherung von AbfÀllen und der schnelle Umgang mit auffÀlligen Tieren sind deshalb organisatorisch anspruchsvoll. Zugleich treffen staatliche Schutz- und Jagdregeln auf den Sicherheitsbedarf der Bevölkerung. Das eingeleitete Strafverfahren richtet den Blick nun auf die Frage, ob zustÀndige Stellen trotz Warnungen ausreichend gehandelt haben.
Folgen fĂŒr Bewohner und Behörden
FĂŒr die Bevölkerung bedeutet die Entwicklung vor allem ein erhöhtes Risiko bei Aufenthalten in WaldnĂ€he, beim Sammeln von Pilzen und bei der Lagerung von Lebensmitteln oder MĂŒll. Behörden mĂŒssen kurzfristig gefĂ€hrdete Orte sichern und zugleich langfristig Ursachen wie illegale Deponien und unkontrollierte FĂŒtterung bekĂ€mpfen. Die genannten Bestandszahlen zeigen zudem, dass es nicht nur um einzelne auffĂ€llige Tiere geht, sondern um ein gröĂeres Managementproblem im Umgang mit Wildtieren und menschlichen Siedlungen.
