Explosion, ModegeschÀft

Explosion im ModegeschÀft - Vater und Sohn vor Gericht

06.12.2023 - 12:17:35

Neun Monate ist die verheerende Explosion in einem ModegeschÀft in Eschweiler her. Vier Menschen, darunter ein Baby, wurden schwer verletzt. In Aachen hat der Prozess gegen zwei MÀnner begonnen.

«Postapokalyptisch» habe die Straße ausgesehen, zwei Menschen hĂ€tten in Lebensgefahr geschwebt. Es sei reiner Zufall, dass nichts Schlimmeres passierte, sagt die StaatsanwĂ€ltin. Neun Monate nach der verheerenden Explosion in einem ModegeschĂ€ft im nordrhein-westfĂ€lischen Eschweiler mit vielen Verletzten und einem Millionenschaden hat der Prozess gegen die beiden Betreiber des Ladens begonnen.

Vor dem Landgericht Aachen stehen ein 56 Jahre alter Mann und sein 22-jĂ€hriger Sohn. Ihnen wird unter anderem versuchter 13-facher Mord vorgeworfen. Sie sollen die Explosion geplant und ausgelöst haben, um von der Versicherung Geld zu kassieren. Der Sohn habe drei Tage vor der Explosion eine fĂ€llige Rate bezahlt. «WĂ€hrend andere Verbindlichkeiten nicht bedient wurden», heißt es in der Anklage.

Der 22-JĂ€hrige soll am 30. MĂ€rz in dem Laden großflĂ€chig Benzin und Diesel verteilt und dann ein oder zwei KleidungsstĂŒcke angezĂŒndet haben. Um 21.18 Uhr gab es eine massive Explosion und einen kilometerweit zu hörenden Knall. Das Schaufenster des Ladens wurde auf die Straße gesprengt. In dem vierstöckigen Wohn- und GeschĂ€ftshaus stĂŒrzten WĂ€nde und Teile der Decke ein, ein Brand brach aus. Vier Menschen, darunter ein sechs Wochen altes Baby, wurden schwer verletzt.

Vater: «Ich bin unschuldig»

Am ersten Prozesstag hielten Vater und Sohn Abstand. Der 22-JĂ€hrige in der ersten Reihe der Anklagebank erklĂ€rte ĂŒber seine AnwĂ€lte, er wolle sich schweigend verteidigen. Der Deutsche hörte mit zusammengekniffenen Lippen zu. Sein Vater dagegen redete. Mit der Explosion habe er nichts zu tun, erklĂ€rte der Mann mit deutscher und irakischer Staatsangehörigkeit ĂŒber den Dolmetscher. «Ich bin unschuldig.»

Seinen Sohn habe ein Problem mit Drogen, sagte der 56-JĂ€hrige aus. «Er ist ein Zocker». Weil der Vermieter es so wollte, habe er den Mietvertrag fĂŒr den Laden geschlossen. Einen SchlĂŒssel habe er aber nicht gehabt, wohl aber BankĂŒberweisungen fĂŒr den Sohn getĂ€tigt und im Laden geholfen. «Ich hatte Langeweile», sagte der Vater.

Das GeschĂ€ft in einer Seitenstraße der FußgĂ€ngerzone sei ein Erfolg gewesen, beteuerte der Mann mehrfach. Er sagte aber auch, es habe auch mal drei Wochen keinen Strom gegeben, bis die Rechnung bezahlt gewesen sei. Nach der Explosion war der Verdacht rasch auf die Betreiber des laut Anklage ertraglosen GeschĂ€fts gefallen. Sie kamen kurz darauf in Untersuchungshaft.

Im Treppenhaus gefangen

In der Brandnacht versuchte eine Familie aus dem oberen Stock mit ihrem sechs Wochen alten Baby zu flĂŒchten, konnte die TĂŒren aber nicht öffnen und war im Treppenhaus gefangen. Das Baby erlitt Verbrennungen an Gesicht und HĂ€nden. Drei weitere Menschen wurden durch Verbrennungen schwer verletzt und lagen teils dreienhalb Monate im Krankenhaus. Einer Frau mussten Finger der rechten Hand teilweise amputiert werden.

In dem Prozess, der bis Anfang Januar dauert, sollen mehr als 50 Zeugen gehört werden. Darunter sind Polizisten, Feuerwehrleute, Nachbarn und SachverstÀndige.

@ dpa.de