Mörder, Flucht

Seltene Flucht von Mörder - Behörden prĂŒfen mögliche Fehler

19.06.2026 - 04:45:04 | dpa.de

Nur ein Moment allein in der Garage genĂŒgte: Ein Mörder flieht, landet nach einem Unfall in einem italienischen Krankenhaus und sorgt fĂŒr Wirbel bei den Justizbehörden. Was lief da schief?

  • Nach einem Motorradunfall ist der Mörder auf der Flucht festgenommen worden. (Symbolbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa
    Nach einem Motorradunfall ist der Mörder auf der Flucht festgenommen worden. (Symbolbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa
  • Im niedersĂ€chsischen Justizministerium beginnt die Aufarbeitung. (Archivbild) - Bild: Alicia Windzio/dpa
    Im niedersÀchsischen Justizministerium beginnt die Aufarbeitung. (Archivbild) - Bild: Alicia Windzio/dpa
Nach einem Motorradunfall ist der Mörder auf der Flucht festgenommen worden. (Symbolbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa Im niedersÀchsischen Justizministerium beginnt die Aufarbeitung. (Archivbild) - Bild: Alicia Windzio/dpa

Der geflĂŒchtete Mörder aus einem GefĂ€ngnis in Celle wird nach seiner Festnahme weiter in einem italienischen Krankenhaus behandelt. Wie lange der 42-JĂ€hrige dort bleiben muss, sei unklar, sagte ein Sprecher des Landeskriminalamts Niedersachsen. Erst nach Abschluss seiner Behandlung könne er nach Deutschland ausgeliefert werden. 

Wie dem Mörder die Flucht gelang 

Der StraftÀter hatte im Rahmen eines begleiteten Ausgangs gemeinsam mit einem Mitarbeiter des GefÀngnisses die Wohnung seiner Mutter in Peine besucht. Nach ersten Erkenntnissen nutzte er einen Aufenthalt in einer nahegelegenen Garage, um mit seinem in der Garage abgestellten Motorrad wegzufahren. 

Laut den Ermittlern gelangte der 42-JĂ€hrige ĂŒber Bayern nach Italien. Auf seiner Flucht wurde ihm ein Unfall zum VerhĂ€ngnis: SĂŒdlich von Verona stĂŒrzte der Mann und kam in die Klinik. Dort nahmen ihn Beamte am Donnerstag fest, er steht seitdem unter polizeilicher Beobachtung. 

Ministerium: Mann durfte an seinem Motorrad schrauben 

Die Behörden in Deutschland beginnen derweil mit der Aufarbeitung. Sie mĂŒssen klĂ€ren: Wie konnte der verurteilte Mörder fliehen? Fest steht bisher: Der Mann hatte die Erlaubnis, sein Motorrad in der Garage zu warten. «WĂ€hrend der Arbeiten an dem Motorrad war der Bediensteten durchgĂ€ngig zugegen», betonte eine Sprecherin des Justizministeriums. 

Doch dann war er einen Moment allein. Wie das Ministerium weiter mitteilte, durfte der Mann am Dienstag gegen 14.30 Uhr nach Absprache erneut zur Garage, um seine Arbeiten abzuschließen - diesmal allerdings ohne Begleitung des JVA-Mitarbeiters. 

Hat der Bedienstete einen Fehler gemacht? Das Ministerium will keine voreiligen SchlĂŒsse ziehen. Der Sachverhalt werde erst umfassend aufgeklĂ€rt, sagte die Sprecherin nur. «Eine abschließende Bewertung ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich.» 

Nur selten gelingt einem StraftÀter die Flucht 

Dass ein StraftÀter wÀhrend eines Ausgangs flieht, kommt laut Ministerium nur selten vor. Demnach durften dieses Jahr bisher knapp 2.220 Menschen in Niedersachsen das GefÀngnis zeitweise verlassen - und nur der StraftÀter aus dem GefÀngnis in Celle nutzte die Gelegenheit zur Flucht. 

Die Statistik fĂŒr die vergangenen Jahre schaut nach Angaben des Ministeriums Ă€hnlich aus: Im vergangenen Jahr erhielten mehr als 5.900 Menschen in Niedersachsen Ausgang, 2024 waren es sogar mehr als 6.900 Gefangene. Dabei entwichen jeweils drei Gefangene, wie das Ministerium weiter mitteilte. 

Im Fall des geflohenen Mörders verspricht die Behörde lĂŒckenlose AufklĂ€rung. Sollte dabei ein Fehler auffallen, «wird dem selbstverstĂ€ndlich Rechnung getragen». 

Justizministerin Kathrin Wahlmann zeigte sich nach der Festnahme des Mannes erleichtert. «Ich bedanke mich bei allen beteiligten Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten fĂŒr ihren Einsatz», teilte die SPD-Politikerin mit. Wann der 42-JĂ€hrige nach Deutschland ausgeliefert wird und ob er dann wieder in seine alte Zelle zurĂŒckkehrt, ist noch offen. 

Lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes 

Der Deutsche verbĂŒĂŸt eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes und versuchter schwerer Vergewaltigung. Er hatte im Jahr 2010 die damals 23-jĂ€hrige Melanie aus Peine mit etlichen Messerstichen getötet, weil sie keinen Sex mit ihm haben wollte. Der Fall hatte weit ĂŒber die Grenzen des Landkreises fĂŒr Fassungslosigkeit und Entsetzen gesorgt. 

FĂŒr den Mord an der Internet-Bekanntschaft verurteilte das Landgericht Hildesheim den damals 27-JĂ€hrigen 2011 zu lebenslanger Haft und stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest. Eine vorzeitige Entlassung des TĂ€ters aus der Haft nach 15 Jahren war damit nahezu ausgeschlossen. Der Mann hatte die Tat vor Gericht gestanden. Dem Ministerium zufolge muss der Mann mindestens 19 Jahre im GefĂ€ngnis bleiben.

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