Umfrage: Sprechen junge Menschen weniger Dialekt?
26.09.2024 - 04:30:37Egal ob Bairisch, SĂ€chsisch oder Plattdeutsch: Nur wenige junge Menschen in Deutschland beherrschen nach eigenen Angaben einen Dialekt. Das geht aus einer reprĂ€sentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Sprachlernplattform Babbel hervor.Â
Demnach sind 95 Prozent derjenigen, die behaupten Mundart zu beherrschen, Ă€lter als 24. Insgesamt haben laut Umfrage rund 60 Prozent der insgesamt 1040 Studienteilnehmer einen Dialekt erlernt, mehr als die HĂ€lfte davon ist ĂŒber 55 Jahre alt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden fĂŒr die Umfrage um ihre SelbsteinschĂ€tzung gebeten.
Experte: Viele merken es aber nicht
Dass junge Menschen kaum mehr Dialekt sprechen, hĂ€lt Sprachwissenschaftler Horst Simon allerdings fĂŒr unwahrscheinlich. Viele wĂŒrden ihren Sprachgebrauch gar nicht erst als Dialekt definieren, aber dennoch Mundart sprechen. Hierbei spiele auch die ideologische PrĂ€gung eine Rolle. «Es kann uncool wirken, Dialekt zu reden. Faktisch tun es die Leute aber», erklĂ€rte Simon im dpa-Interview.Â
Viele Menschen wĂŒrden nach wie vor mit einer «sehr stark regional geprĂ€gten Sprache» aufwachsen und «regional differenziert» reden. Man höre es seinem GegenĂŒber in der Regel an, aus welcher Gegend die Person stammt. Allerdings ist laut Simon zu beobachten, dass «die extremen AusprĂ€gungen von lokalen Dialekten weniger werden».
Welche Dialekte gesprochen werden
Gemessen an der Bevölkerungszahl sprechen laut Umfrage die Befragten in Hamburg, Sachsen und Bayern am meisten Dialekt. Die am hĂ€ufigsten verbreitete Mundart ist hingegen Plattdeutsch - etwa jeder fĂŒnfte Befragte spreche diesen Dialekt. Plattdeutsch wird vor allem im Norden Deutschlands gesprochen und erstreckt sich ĂŒber mehrere BundeslĂ€nder.
Dialektsprechende verbinden mit ihrer Mundart laut Angaben der Plattform Babbel vor allem ein HeimatgefĂŒhl sowie gefĂŒhlte Zugehörigkeit, NĂ€he. «Wer Dialekt spricht, wĂŒrdigt die Vielfalt und den Charme der verschiedenen Mundarten und tut dies aus Stolz auf seine Herkunft», erklĂ€rt Maren Pauli von Babbel. Im beruflichen Kontext oder in digitalen RĂ€umen wie Social Media wĂŒrden Dialekte allerdings weniger hĂ€ufig Verwendung finden.
Die Studienteilnehmer wurden auch gebeten, Dialekte nach verschiedenen Kriterien zu bewerten. So befinden die Befragten Rheinisch als sympathischsten Dialekt. Am attraktivsten gilt Bairisch, wÀhrend Plattdeutsch mit Eigenschaften wie Intelligenz und Kompetenz in Verbindung gebracht wird. Rund 73 Prozent der Befragten geben zudem an, die Vielfalt der deutschen Dialekte zu schÀtzen.
In der den Angaben zufolge reprĂ€sentativen Onlineumfrage wurden 1.040 Personen deutschlandweit im August 2024 zu ihrer Anwendung und Einstellung gegenĂŒber Dialekten befragt. Die Grundgesamtheit bildete eine Stichprobe der deutschen Bevölkerung, die in ihrem Leben irgendwann einen Dialekt erlernt hat.





