Deutschland, Bahn

Warum sich die Bahn bei Extremwetter so schwertut

12.01.2026 - 15:15:17 | dpa.de

Ob Hitze, StĂŒrme oder Schnee wie am Wochenende: Bei Extremwetterlagen können sich FahrgĂ€ste auf die Bahn oft nicht verlassen. Das hat Fachleuten zufolge auch politische GrĂŒnde.

  • Die Bahn gerĂ€t bei Extremwetterlagen immer wieder in BedrĂ€ngnis. (Archivbild) - Foto: Moritz Frankenberg/dpa
  • Am Hamburger Hauptbahnhof strandeten infolge der AusfĂ€lle Tausende FahrgĂ€ste. (Archivbild) - Foto: Bodo Marks/dpa
  • Bahnchefin Evelyn Palla gab am Wochenende ein Lagebild ab. (Archivbild) - Foto: Moritz Frankenberg/dpa
  • Nach dem zeitweisen Stilstand im Fernverkehr in Norddeutschland sind die ZĂŒge inzwischen wieder unterwegs. (Archivbild) - Foto: Bodo Marks/dpa
Die Bahn gerĂ€t bei Extremwetterlagen immer wieder in BedrĂ€ngnis. (Archivbild) - Foto: Moritz Frankenberg/dpa Am Hamburger Hauptbahnhof strandeten infolge der AusfĂ€lle Tausende FahrgĂ€ste. (Archivbild) - Foto: Bodo Marks/dpa Bahnchefin Evelyn Palla gab am Wochenende ein Lagebild ab. (Archivbild) - Foto: Moritz Frankenberg/dpa Nach dem zeitweisen Stilstand im Fernverkehr in Norddeutschland sind die ZĂŒge inzwischen wieder unterwegs. (Archivbild) - Foto: Bodo Marks/dpa

Der derzeitige Winter zeigte im Norden Deutschlands am vergangenen Wochenende mit Sturm «Elli» erstmals was in ihm steckt - und stĂŒrzte damit weite Teile des Landes in ein Verkehrschaos. Insbesondere auf der Schiene geriet der Verkehr aus den Fugen. FahrgĂ€ste mussten VerspĂ€tungen und ZugausfĂ€lle hinnehmen. Die Bahn stellte den Fernverkehr in der betroffenen Region zeitweise sogar komplett ein. Am Hamburger Hauptbahnhof strandeten Tausende Reisende. 

Bahn sieht sich gut aufgestellt

Viele stellen sich deshalb derzeit wieder die Frage: Warum gerĂ€t die Bahn auch bei erwartbaren Extremwetterlagen wie Schnee im Winter immer wieder in BedrĂ€ngnis? Zumal das Unternehmen selbst behauptet, technisch ausreichend fĂŒr solche Situationen gerĂŒstet zu sein. Immerhin 7.800 der 9.230 Weichen in der Region seien beheizt, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. Bundesweit sind es den Angaben zufolge 50.000 von 70.000, also knapp drei Viertel der Anlagen. 

Auch die RÀumtechnik habe funktioniert und reiche aus, betonte die Bahn. «Mit Spurloks wurde auch nachts gefahren, um die Strecken freizubekommen und dass die Oberleitung nicht vereist.» Insgesamt gebe es rund 100 RÀumfahrzeuge, die bundesweit im Einzelfall entsprechend disponiert werden könnten.

Flache LĂ€nder betroffen

Allerdings: Niedersachsen und Schleswig-Holstein seien per se stĂ€rker von solchen Extremwetterlagen betroffen, weil das Land flach sei, teilte die Bahn weiter mit. Und auch beheizte Weichen heizten nicht alle Probleme weg. Sie funktionierten etwa nicht, wenn zu viel Schnee und von ZĂŒgen herabgefallene Eisbrocken die Weichen blockierten. 

Dann mĂŒssten sie manuell freigerĂ€umt werden. «Das haben jeden Tag Hunderte Kollegen erledigt; zum Teil mehrmals tĂ€glich nach erneuten Verwehungen und Vereisungen», betonte der Konzern.

Fachleute haben Zweifel

All das reichte aber offenkundig nicht aus, um den Fernverkehr grundsĂ€tzlich aufrechtzuerhalten. Fachleute haben deshalb erhebliche Zweifel daran, dass die Bahn ausreichend fĂŒr solche Wetterlagen gerĂŒstet ist. 

Im Vergleich zu vergangenen Jahrzehnten habe sie etwa deutlich weniger RĂ€umfahrzeuge und auch nicht genĂŒgend Personal fĂŒr die RĂ€umung von festgefrorenen Weichen, kritisierte der Fahrgastverband Pro Bahn im «Spiegel». Insbesondere vor Ort habe es frĂŒher bei der Bundesbahn mehr BeschĂ€ftigte fĂŒr solche Aufgaben gegeben, teilte Pro-Bahn-Ehrenvorsitzender Karl-Peter Naumann auf Anfrage mit. 

Strategie des Ministeriums setzt falschen Fokus

Dass die Bahn immer wieder in solchen Wetterlagen den gesamten Fernverkehr einstellt, anstatt regional kurzfristig zu entscheiden, was möglich ist und was nicht, habe auch politische GrĂŒnde, sagt Dirk Flege, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Interessenverbands Allianz pro Schiene. So finde sich in der aktuellen Bahnstrategie von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) kein einziger Verweis auf Unwetter. Stattdessen sei allgemein die PĂŒnktlichkeit das zentrale QualitĂ€tskriterium, an dem die Bahn in den nĂ€chsten Jahren gemessen werden soll. 

Aus Fleges Sicht ist das der falsche Anreiz. ZugausfĂ€lle gehen nĂ€mlich nicht in die betriebliche PĂŒnktlichkeitsstatistik der Bahn ein, auf die sich die Regierungsziele beziehen. Sein Vorwurf: Die Bahn lĂ€sst die ZĂŒge deshalb lieber ausfallen, als dass sie mit erheblicher VerspĂ€tung im Netz unterwegs sind. 

Minister fordert Aufarbeitung

An der Bahnstrategie des Ministers stört ihn außerdem die Vorgabe, dass der Konzern ein positives Betriebsergebnis erzielen muss, also Gewinne machen soll. Mit diesem Spardruck halte kein Unternehmen einen ausreichend großen Fuhrpark bereit, um fĂŒr seltene Extremereignisse umfassend gewappnet zu sein. Dieser Zwang zur ProfitabilitĂ€t bestehe allerdings schon seit der Bahnreform im Jahr 1994. 

Der Minister selbst hatte am Wochenende in der «Rheinischen Post» die Bahn kritisiert, es habe im Rahmen von Wintersturm «Elli» zu viele ZugausfĂ€lle und VerspĂ€tungen gegeben. «Hier wird die Bahn sicherlich analysieren, wo es besonders gut Hand in Hand lief, und da, wo es etwas zu verbessern gibt, AblĂ€ufe weiter optimieren», sagte Schnieder. Gleichzeitig warb er fĂŒr VerstĂ€ndnis, dass in solchen Extremlagen kein planbarer Normalbetrieb möglich sei. 

In anderen LĂ€ndern klappt es besser

Doch andere LĂ€nder zeigen, dass das durchaus möglich ist: Auch in skandinavischen LĂ€ndern sowie in Österreich oder der Schweiz soll es hin und wieder schneien. Von einem Verkehrschaos auf der Schiene lesen die FahrgĂ€ste dort aber selten. Diese LĂ€nder hĂ€tten einen deutlich besser ausgestatteten Maschinenpark und genĂŒgend ReservezĂŒge, um den Verkehr aufrechtzuerhalten, betont Flege. 

Die Bahn allerdings betont, die Situation in Deutschland sei mit diesen LĂ€ndern nicht vergleichbar. 3.000 Kilometer Schienennetz seien in diesen Tagen in Norddeutschland betroffen gewesen. Das entspreche dem Gesamtnetz in der Schweiz. «Wenn es dort ein Winterproblem gibt, dann auf 100 Kilometern, die man freifrĂ€st und anschließend wieder befahren kann.»

So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlĂ€ssliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
unterhaltung | 68480754 |

Weitere Meldungen

Hohe Spritpreise: EVG-Chef bringt Bahn-Rabatte ins GesprĂ€ch. Was das fĂŒr Bahnkunden und die Finanzierung bedeuten könnte. EVG-Chef Martin Burkert bringt Rabatte fĂŒr das Deutschlandticket und den Fernverkehr ins Spiel. (Wirtschaft, 05.04.2026 - 10:44) weiterlesen...

20-JĂ€hriger nach Anschlagsdrohung im ICE in U-Haft. Die Ermittler sehen mögliche politische, aber auch psychische HintergrĂŒnde der Tat. In einem Zug in Nordrhein-Westfalen zĂŒndet ein junger Mann Sprengvorrichtungen, Reisende werden leicht verletzt. (Politik, 03.04.2026 - 17:16) weiterlesen...

Rolltreppen-Chaos am Berliner Hauptbahnhof behoben. Jetzt lĂ€uft der Betrieb laut Bahn wieder weitgehend normal – eine Erleichterung nach wochenlangem Kofferschleppen. Seit Mitte Februar standen viele Rolltreppen am Berliner Hauptbahnhof still. (Wirtschaft, 03.04.2026 - 16:27) weiterlesen...

Mann droht in ICE mit Anschlag – politisches Motiv?. Ein junger Mann droht mit einem Anschlag und zĂŒndet Sprengvorrichtungen. Der Staatsschutz sucht nach einem Motiv. In einem Zug in Nordrhein-Westfalen kommt es zu einem Zwischenfall. (Unterhaltung, 03.04.2026 - 14:34) weiterlesen...

Anschlagsdrohung in ICE – Ermittler prĂŒfen politisches Motiv. Noch sind viele Fragen offen. In den Fall ist auch die Generalstaatsanwaltschaft in DĂŒsseldorf involviert. Ein junger Mann droht in einem ICE mit einem Anschlag und zĂŒndet Pyrotechnik. (Unterhaltung, 03.04.2026 - 13:37) weiterlesen...

Staatsschutz ermittelt nach Anschlagsdrohung in ICE. Es gibt erste Hinweise auf ein politisches Motiv. In einem ICE in Nordrhein-Westfalen zĂŒndet ein Mann am Abend Pyrotechnik – und droht mit einem Anschlag. (Unterhaltung, 03.04.2026 - 11:37) weiterlesen...