Oktoberfest MĂŒnchen, LGBTQ-Veranstaltung

Oktoberfest MĂŒnchen: Erstes lesbisches Wiesn-Event „Bier, Boobs, Brezn“ im BrĂ€urosl

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 14:10 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Im Festzelt BrĂ€urosl haben erstmals Hunderte lesbische Frauen und Flinta-Personen ein eigenes Wiesn-Event gefeiert. Das neue Format ergĂ€nzt den etablierten Gay Sunday und soll eine bislang fehlende Plattform fĂŒr lesbische Communities auf dem Oktoberfest schaffen.

  • Sina Scherer (links) und Silke Völling veranstalten die Party. - Bild: Lucas Caspari/dpa
    Sina Scherer (links) und Silke Völling veranstalten die Party. - Bild: Lucas Caspari/dpa
  • Party-Veranstalterin Sina Scherer (rechts) mit BrĂ€urosl-Wirtin Franziska Reichert beim Wiesn-Warm-Up im Donisl. - Bild: Lucas Caspari/dpa
    Party-Veranstalterin Sina Scherer (rechts) mit BrÀurosl-Wirtin Franziska Reichert beim Wiesn-Warm-Up im Donisl. - Bild: Lucas Caspari/dpa
  • In der BrĂ€urosl finden die queeren Partys statt. - Bild: picture alliance / dpa
    In der BrÀurosl finden die queeren Partys statt. - Bild: picture alliance / dpa
Sina Scherer (links) und Silke Völling veranstalten die Party. - Bild: Lucas Caspari/dpa Party-Veranstalterin Sina Scherer (rechts) mit BrÀurosl-Wirtin Franziska Reichert beim Wiesn-Warm-Up im Donisl. - Bild: Lucas Caspari/dpa In der BrÀurosl finden die queeren Partys statt. - Bild: picture alliance / dpa

Im Festzelt „BrĂ€urosl“ auf dem MĂŒnchner Oktoberfest haben erstmals mehrere Hundert Frauen ein explizit lesbisches Wiesn-Event gefeiert.

Premiere von „Bier, Boobs, Brezn“ im BrĂ€urosl

Unter dem Motto „Bier, Boobs, Brezn“ fand im BrĂ€urosl eine queere Party ausschließlich fĂŒr Frauen statt. Einhorn-Luftballons schwebten ĂŒber den Besucherinnen, auf der BĂŒhne hing die Regenbogenflagge und machte den Anspruch des Abends sichtbar. Rund 700 Frauen und Flinta-Personen – also Frauen, Lesben, Inter, NonbinĂ€r, Trans und Agender – hatten sich nach Angaben der Veranstalterinnen angemeldet.

Große Nachfrage nach eigenem lesbischen Event

Die Initiatorinnen Silke Völlig und Sina Scherer von „Lost Girls“ berichten, das Interesse sei deutlich grĂ¶ĂŸer gewesen als die Zahl der verfĂŒgbaren PlĂ€tze. Sie hĂ€tten auch 1.000 Tickets verkaufen können, erklĂ€rten sie. Mit dem Event ging ein lange geĂ€ußerter Wunsch nach einem eigenen Raum fĂŒr lesbische Frauen und andere Flinta-Personen auf der Wiesn in ErfĂŒllung.

ErgÀnzung zum traditionellen Gay Sunday

Das neue Angebot fand einen Tag nach dem traditionellen Gay Sunday, dem Rosa Sonntag, statt, der seit Jahrzehnten von schwulen MĂ€nnern dominiert wird. WĂ€hrend dieser Termin fest im queeren Wiesn-Kalender verankert ist, hatten lesbische Frauen bislang keinen vergleichbaren, explizit auf sie zugeschnittenen Abend im Festzelt.

Antwort auf schrumpfende Sichtbarkeit lesbischer Frauen

Veranstalterin Scherer beschreibt das neue Format als Reaktion auf eine Entwicklung in MĂŒnchen, bei der Orte fĂŒr lesbische Frauen verschwunden seien. Gerade im Glockenbachviertel habe es frĂŒher mehr selbstverstĂ€ndliche Treffpunkte gegeben. Ähnliches beobachte sie auf der Wiesn, wo etablierte queere Termine zwar bestehen, lesbische Frauen als eigene Community jedoch kaum sichtbar seien.

Lost Girls schaffen eigenen Raum auf der Wiesn

Aus diesem Eindruck heraus beschlossen die Organisatorinnen, nicht lĂ€nger auf Angebote zu warten, sondern selbst aktiv zu werden. Mit ihren „Lost Girls“-Events schaffen sie bereits seit LĂ€ngerem RĂ€ume fĂŒr lesbische Frauen und Flinta-Personen. Das nun umgesetzte Wiesn-Event ist eine Premiere und soll zeigen, dass diese Gruppe auch in einem großen Volksfest-Setting ihren Platz einnehmen kann.

Mehr Sichtbarkeit fĂŒr lesbische Frauen auf der Wiesn

Das erstmals ausgerichtete Event „Bier, Boobs, Brezn“ markiert einen Schritt hin zu mehr Sichtbarkeit lesbischer Frauen und anderer Flinta-Personen auf dem Oktoberfest. WĂ€hrend der Rosa Sonntag seit Jahrzehnten eine feste GrĂ¶ĂŸe fĂŒr schwule MĂ€nner ist und nach Angaben der Wirtsfamilie Reichert mehr als 6000 ĂŒberwiegend mĂ€nnliche GĂ€ste anzieht, blieb eine eigenstĂ€ndige Plattform fĂŒr lesbische Communities bislang aus. Dass rund 700 Teilnehmerinnen angemeldet waren und noch mehr Karten hĂ€tten verkauft werden können, zeigt eine vorhandene, bislang ungenutzte Nachfrage.

Historische LĂŒcken in der lesbischen Infrastruktur

Die Veranstalterinnen knĂŒpfen an eine Entwicklung an, die sie selbst kritisch beschreiben: Orte explizit fĂŒr lesbische Frauen in MĂŒnchen seien verschwunden, gerade im traditionsreichen Glockenbachviertel. Ältere Szenekneipen und Treffpunkte aus den 1990er- und 2000er-Jahren existieren vielfach nicht mehr, hĂ€ufig aus wirtschaftlichen GrĂŒnden. In der Analyse von queeren Archiven wird darauf verwiesen, dass Frauen und lesbische GĂ€ste frĂŒher im Durchschnitt weniger konsumierten und geringere Einkommen hatten, was das Halten von Kneipen erschwerte. Vor diesem Hintergrund ist ein eigenes Wiesn-Event in einem großen Festzelt auch ein Symbol dafĂŒr, dass diese Gruppe heute ökonomisch stĂ€rker auftreten und RĂ€ume selbst gestalten kann.

Oktoberfest als gesamtgesellschaftlicher Schauplatz

Die Wahl der Wiesn als BĂŒhne ist auch politisch-kulturell bedeutsam. Das Oktoberfest gilt als Volksfest, das die Stadtgesellschaft und internationale GĂ€ste zugleich abbildet. Wenn dort explizit queere Veranstaltungen fĂŒr unterschiedliche Gruppen stattfinden, signalisiert dies, dass DiversitĂ€t nicht auf Szenebezirke, Clubs oder Pride-Demonstrationen beschrĂ€nkt bleibt. Zugleich spielen Sicherheitsfragen nach AnschlĂ€gen auf queere Veranstaltungen eine Rolle; das Vertrauen in Schutzkonzepte großer Volksfeste wird betont. FĂŒr Besucherinnen bedeutet das Event die Möglichkeit, in einem traditionell stark mĂ€nnlich geprĂ€gten Umfeld sichtbar und selbstbestimmt zu feiern – ein Schritt hin zu einer breiteren, inklusiveren Wiesn-Kultur.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

n-tv.de: „Oktoberfest bekommt erstmals Event fĂŒr lesbische Frauen“ (19.09.2026)

Der Bericht stelle heraus, dass das Oktoberfest mit „Bier, Boobs, Brezn“ erstmals ein eigenes Event ausschließlich fĂŒr queere Frauen und Flinta-Personen erhalte und ordne dies als ErgĂ€nzung zum seit ĂŒber 40 Jahren etablierten Rosa Sonntag fĂŒr ĂŒberwiegend schwule MĂ€nner ein. Der Artikel hebe die Aussagen der Veranstalterinnen zu fehlenden lesbischen Sichtbarkeitsorten in MĂŒnchen hervor und schildere, dass ökonomische Faktoren und Konsumverhalten in der Vergangenheit zum Verschwinden vieler Lesbenkneipen beigetragen hĂ€tten. Zudem werde betont, die Nachfrage nach queeren Wiesn-Formaten sei groß und rechtfertige eine Ausweitung hin zu einem „Rosa Montag“.

MedienĂŒbergreifend werde damit vor allem die Premiere des explizit lesbischen Wiesn-Events bestĂ€tigt, wĂ€hrend die Berichte unterschiedliche Akzente setzen: Einerseits stehe die symbolische Aufwertung lesbischer und Flinta-Communities im Mittelpunkt, andererseits wĂŒrden strukturelle GrĂŒnde fĂŒr bislang fehlende Angebote sowie Sicherheits- und Integrationsaspekte großer Volksfeste thematisiert. Offene Fragen bestĂŒnden vor allem darin, ob das neue Format dauerhaft etabliert werde und wie stark weitere Wiesn-Zelte kĂŒnftig Ă€hnliche Veranstaltungen aufgreifen könnten.

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