Ermittlungen, Palliativarzt

Ermittlungen gegen Palliativarzt - ÜberprĂŒfung weiter FĂ€lle

04.12.2024 - 09:28:14

Palliativmediziner begleiten schwer kranke Menschen, um ihre Not zu lindern. Ein Berliner Arzt soll jedoch mindestens acht Patienten getötet haben. Noch ist unklar, wie viele Opfer es wirklich gibt.

Bei den Ermittlungen gegen einen Berliner Palliativmediziner, der mindestens acht Menschen getötet haben soll, werden weitere Patientenakten ĂŒberprĂŒft. Die eigens fĂŒr den Fall eingerichtete Ermittlungsgruppe des Morddezernats im Berliner Landeskriminalamt (LKA) hat dabei nach Informationen der «Bild»-Zeitung mehr als 40 Patienten identifiziert, die ebenfalls als Opfer infrage kommen könnten.

Sebastian BĂŒchner, Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, bestĂ€tigte die Zahl zunĂ€chst nicht. Bereits vor einer Woche hieß es jedoch, dass weitere FĂ€lle ĂŒberprĂŒft werden. «Die Sichtung der Patientenakten dauert an», sagte BĂŒchner. «Ob und gegebenenfalls wie viele weitere mögliche FĂ€lle es gibt, ist nach wie vor Teil der laufenden Ermittlungen.»

Arzt seit Sommer im GefÀngnis

Der Mediziner sitzt seit Anfang August in Untersuchungshaft. UrsprĂŒnglich stand der 40-JĂ€hrige im Verdacht, vier Patientinnen im Alter zwischen 72 und 94 Jahren in deren Wohnungen getötet zu haben. Inzwischen geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass der Arzt mindestens acht Menschen getötet habe. Sie ermittelt inzwischen wegen Mordes, wie die Behörde vergangenen Donnerstag mitteilte. Als Motiv sieht sie «Mordlust». 

Der Mediziner soll die Taten im Rahmen seiner TĂ€tigkeit fĂŒr einen Pflegedienst begangen haben. PalliativĂ€rzte begleiten schwerstkranke Menschen, um deren Schmerzen zu lindern. Die betroffenen Patienten befanden sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft zum Tatzeitpunkt nicht in einer akuten Sterbephase. 

BrÀnde bei Patienten lösen Ermittlungen aus 

Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch die BrĂ€nde, die der Mediziner gelegt haben soll, um die Tötung der Patienten zu verdecken. Die Polizei ermittelte wegen Brandstiftung mit Todesfolge. Dabei geriet zunehmend der Arzt in den Fokus. Dazu beigetragen haben laut Staatsanwaltschaft Hinweise des Pflegedienstes, fĂŒr den der Beschuldigte gearbeitet hatte.

ZunĂ€chst ging es um vier FĂ€lle im Zeitraum von 11. Juni und 24. Juli 2024. Nachdem Unterlagen von weiteren Patienten des Arztes ausgewertet sowie zwei weitere Leichen ausgegraben und von der Gerichtsmedizin untersucht wurden, geht die Staatsanwaltschaft von weiteren vier Opfern aus. Demnach soll der Arzt auch fĂŒr den Tod von zwei Frauen im Alter von 61 und 70 Jahren sowie von zwei 70 und 83 Jahre alten MĂ€nnern verantwortlich sein. Er soll ihnen jeweils ein «Gemisch verschiedener Medikamente» verabreicht haben.

TodesfÀlle in Pflegeeinrichtungen 

In der Vergangenheit gab es immer wieder TodesfĂ€lle in Kliniken oder Pflegeeinrichtungen, die fĂŒr Schlagzeilen sorgten. Die bislang wohl grĂ¶ĂŸte Mordserie der deutschen Nachkriegsgeschichte dĂŒrfte der Fall von Ex-Pfleger Niels Högel in Niedersachsen sein. Er wurde 2019 wegen 85 Morden zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Motiv fĂŒr die Taten blieb unklar.

@ dpa.de