Polen: Drei Messerangriffe an Schulen, 117 Festnahmen
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 14:51 Uhr | dpa, AD HOC NEWSPolens Polizei verstärkt Schulkontrollen
- Am Samstag stach eine 21-Jährige in einer Warschauer Berufsfachschule auf drei junge Frauen ein.
- Die Attacke in Praga war der dritte Messerangriff an einer polnischen Schule binnen weniger Tage.
- Innenminister Marcin Kierwinski meldete fast 65.000 Kontrollen und 117 Festnahmen.
Eine Serie von Messerangriffen an Schulen beschäftigt Polen und die Regierung. Binnen weniger Tage wurden drei Bildungseinrichtungen zum Tatort, mehrere Menschen verletzt und eine Hausmeisterin getötet.
Angriff in Warschauer Berufsfachschule
Der jüngste Vorfall ereignete sich am Samstag im Warschauer Stadtteil Praga. Eine 21-jährige Frau griff im Sekretariat einer privaten Berufsfachschule drei junge Frauen mit einem Messer an.
Eine 17-jährige Schülerin kam mit Schnittverletzungen an den Unterarmen ins Krankenhaus. Die beiden anderen Opfer, 17 und 24 Jahre alt, konnten vor Ort versorgt werden.
Mitarbeiter überwältigt Angreiferin
Die Polizei war nach Angaben ihres Sprechers vier Minuten nach dem Alarm vor Ort. Ein Mitarbeiter der Schule nahm der Angreiferin das Messer ab und übergab sie den Beamten.
Das Motiv ist bislang unklar. Nach Angaben der Polizei kannten sich die Tatverdächtige und die Opfer nicht. Die Frau war erst seit einem Monat an der Schule eingeschrieben.
Zwei weitere Taten in derselben Woche
Am Donnerstag soll ein 15-Jähriger in einer Schule in Leszczydol-Nowiny, rund 70 Kilometer nordöstlich von Warschau, eine Hausmeisterin getötet haben. Zwei weitere Menschen wurden verletzt.
Bereits am Mittwoch verletzte ein 19-Jähriger an einer Berufsschule in Ostroleka knapp 100 Kilometer nördlich der Hauptstadt neun Menschen mit einem Messer. Zwei Opfer wurden schwer verletzt.
Polizei sieht keinen Zusammenhang
Der Polizeisprecher sagte, es gebe bislang keine Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen dem jüngsten Angriff und den beiden anderen Taten. Spezialisten für Cyberkriminalität prüfen zugleich, ob eine Challenge in sozialen Medien eine Rolle gespielt haben könnte.
Regierungschef Donald Tusk sagte nach einer Sondersitzung mit Innenminister und Sicherheitsvertretern, es gebe keine großangelegte organisierte Gruppe hinter der Gewalt. Nach seiner Einschätzung handelt es sich um spontane Aktionen, die mit einer wachsenden Faszination junger Menschen für Gewalt zusammenhängen.
117 Festnahmen nach Kontrollen
Innenminister Marcin Kierwinski berichtete von fast 65.000 Kontrollen in Bildungseinrichtungen und 117 Festnahmen. Bei den Festgenommenen handele es sich meist um Jugendliche zwischen 13 und 19 Jahren, die in sozialen Netzwerken auffällig geworden seien.
Die Behörden unterscheiden laut Kierwinski drei Gruppen: Menschen mit einer Faszination für Gewalt und Nazi-Ideologie, Jugendliche, die durch Computerspiele zu Gewalt animiert würden, und Personen, die durch die Aufmerksamkeit für die Messerangriffe aktiviert würden.
Kontrollen werden fortgesetzt
Tusk kündigte an, dass die Polizeikontrollen an Schulen in der kommenden Woche weitergehen sollen. Die Ermittlungen zu den einzelnen Angriffen und zu möglichen Aktivitäten in sozialen Netzwerken laufen weiter.
Schulen als Brennpunkt der Sicherheitsdebatte
Die drei Angriffe binnen weniger Tage haben in Polen eine Debatte über Sicherheit an Bildungseinrichtungen und den Umgang mit gewaltbereiten Jugendlichen ausgelöst. Der jüngste Fall in Warschau unterscheidet sich vom tödlichen Angriff in Leszczydol-Nowiny und der Attacke in Ostroleka durch die Zahl der Verletzten und das bislang unklare Motiv.
Die von Innenminister Marcin Kierwinski genannten fast 65.000 Kontrollen und 117 Festnahmen zeigen, dass die Behörden nicht nur auf die einzelnen Tatorte reagieren. Sie richten den Blick auch auf Beiträge und Drohungen in sozialen Netzwerken. Dabei geht es um unterschiedliche Risikogruppen: Jugendliche mit einer Faszination für Gewalt oder rechtsextreme Ideologien, mögliche Nachahmer und Personen, deren Äußerungen zunächst als Scherz erscheinen.
Kontrollen sollen Vertrauen schaffen
Für Schulen bedeutet die angekündigte Fortsetzung der Kontrollen in der kommenden Woche eine sichtbare Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen. Sie kann kurzfristig das Sicherheitsgefühl stärken, wirft aber zugleich Fragen nach dem Verhältnis von Prävention, Überwachung und dem Schutz unbescholtener Schülerinnen und Schüler auf.
Entscheidend für die weitere politische Reaktion dürfte sein, ob die Ermittler konkrete Verbindungen zwischen den Taten oder eine koordinierte Online-Challenge nachweisen. Nach den bisherigen Angaben geht die Polizei nicht von einem Zusammenhang aus. Damit liegt der Schwerpunkt zunächst auf der Bewertung einzelner Taten und auf der Eindämmung von Nachahmungseffekten.
