Neue Podcast-Folge: An und hinter der Front. Vergessene Soldatinnen
26.05.2026 - 17:07:16 | presseportal.deDas allgemeine Abbild des Krieges ist mĂ€nnlich. FĂŒr den Zeitraum der Moderne, des 17. Jahrhunderts bis heute, gilt: der Archetyp des Soldatischen ist ein kĂ€mpfender Mann. Ob zu Pferd, zu FuĂ, motorisiert, zu Wasser oder in der Luft, in der allgemeinen Erinnerungskultur hatten Frauen keinen Platz. Ausnahmen wie Jeanne d'Arc in Frankreich oder Friederike KrĂŒger in Deutschland, nach der im vergangenen Jahr die Hindenburg-Kaserne in MĂŒnster umbenannt wurde, bestĂ€tigten nur als Ausnahmen diese Regel. Die historischen Fakten jedoch sprechen eine andere Sprache. MĂ€nner kĂ€mpften nie allein, sondern mit Frauen in ihrem RĂŒcken, mitunter auch an ihrer Seite. Vom 17. Jahrhundert bis in das 20. Jahrhundert spannt sich ein Bogen, der Frauen in allen europĂ€ischen Armeen einen beachtlichen Anteil im militĂ€rischen GefĂŒge und eine permanent gröĂer werdende AufgabenfĂŒlle zuwies. Das bezog die Uniformierung, die militĂ€rische Unterstellung, die soldatische Entlohnung und zuweilen den Kampfeinsatz mit ein.
Frauen an und hinter der Front
So bewerkstelligten Frauen in den Trossen und Trains der europĂ€ischen Armeen des 17. und 18. Jahrhunderts das, was wir heute "Logistik" nennen. Sie transportierten Material, schanzten oder organisierten die FeldkĂŒchen, was die Versorgung der Soldaten in der Kampflinie miteinbeziehen konnte. Schon zu diesem frĂŒhen Zeitpunkt belegen Quellen, dass Frauen Uniformen ihrer jeweiligen Einheiten trugen und bei EinsĂ€tzen auf dem Schlachtfeld bewaffnet waren. Eine erste vollwertige, dabei nur kurzweilige Anerkennung als Soldatinnen erfuhren Frauen 1792 als offiziell titulierte "Femme Soldats" wĂ€hrend der französischen Revolution. Im 19. Jahrhundert wĂ€re das sich seit dem Krimkrieg (1853-1856) rasant entwickelnde militĂ€rische SanitĂ€tswesen ohne den massiven Einsatz von Frauen gar nicht denkbar gewesen. In den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts kamen Frauen als kĂ€mpfende Truppen zum Einsatz, in Russland und in der polnischen Heimatarmee, der Armia Krajowa. In allen anderen Armeen dienten Frauen im Fernmeldewesen, dem SanitĂ€tswesen, der Verwaltung, der Logistik, der Luftabwehr, als Pilotinnen, Kraftfahrerinnen, Autoschlosserinnen, SchweiĂerinnen oder Mechanikerinnen, in mehr als 130 originĂ€r soldatischen Verwendungen.
Bewusste Provokation
Mit dem Buchtitel "Vergessene Soldatinnen" habe sie bewusst provozieren wollen, sagt Autorin und GesprÀchspartnerin im Podcast Prof. Dr. Karen Hagemann. Der Titel wolle mit einer Denktradition brechen, die Frauen im militÀrischen Einsatz jahrhundertelang die Rolle als "Helferin", nicht jedoch die der Soldatin zuspreche. Was aber unterschied zum Beispiel den SanitÀtssoldaten am Krankenbett von der "Helferin"? Eigentlich nichts. Oder was die 160000 deutschen "Flakhelferinnen" von den "Flaksoldaten"? Das Buch gibt die Antwort: ebenfalls nichts. Darum ist der Buchtitel nicht nur Provokation, sondern legitime Aussage zugleich.
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Oberstleutnant Michael Gutzeit
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