Kinder, Österreich

Babynahrung vergiftet: Suche nach Gift-Glas - und Erpresser

21.04.2026 - 14:32:17 | dpa.de

Rattengift in Babynahrung: Der Erpressungsversuch bei Hipp versetzt Eltern in Sorge. Die Polizei arbeitet lĂ€nderĂŒbergreifend. Wie gehen die Ermittler vor - und wie erkennt man gefĂ€hrliche GlĂ€ser?

Die Polizei in Österreich sucht nach einem möglicherweise mit Gift verseuchten zweiten Glas mit Babynahrung. (Symbolbild) - Foto: Tobias Steinmaurer/APA/dpa
Die Polizei in Österreich sucht nach einem möglicherweise mit Gift verseuchten zweiten Glas mit Babynahrung. (Symbolbild) - Foto: Tobias Steinmaurer/APA/dpa

Mit Rattengift in Babynahrung versucht ein Unbekannter, den Babykosthersteller Hipp zu erpressen. Eltern sind in Sorge, die Polizei sucht nach dem mutmaßlichen TĂ€ter. 

In Österreich, Tschechien und der Slowakei wurden laut PolizeiprĂ€sidium Oberbayern SĂŒd insgesamt fĂŒnf manipulierte BabynahrungsglĂ€ser entdeckt. Laboruntersuchungen ergaben, dass diese Rattengift enthielten. In Deutschland wurden keine mit Gift verunreinigten GlĂ€ser gefunden. Ein Glas wird aber im österreichischen Burgenland noch unter Hochdruck gesucht. Wie die Polizei hier vorgeht, gaben die Ermittler aus taktischen GrĂŒnden nicht an. 

«Sehr sensibles Thema»

Bei der Kriminalpolizei Ingolstadt wurde eine Ermittlungsgruppe namens «Glas» eingerichtet. Die Gruppe arbeite auf Hochtouren in Zusammenarbeit auch mit den jeweiligen Behörden in den anderen betroffenen LĂ€ndern, sagte Michaela Grob, Sprecherin des PolizeiprĂ€sidiums Oberbayern Nord. Die Zahl der beteiligten Beamten sei nicht starr. Je nach Fragestellung und Untersuchungen wĂŒrden verschiedene Spezialisten auch aus andere Institutionen zugezogen. 

Derzeit könnten keine weiteren Details veröffentlicht werden, um die Ermittlungen nicht zu gefÀhrden, unterstrich Grob. «Es ist ein sehr sensibles Thema.» 

Hipp ruft Babykost zurĂŒck 

Das Unternehmen im oberbayerischen Pfaffenhofen an der Ilm erklĂ€rte inzwischen, wie der TĂ€ter sich gemeldet hatte. «Der Erpresser hat uns eine Nachricht an ein unpersonalisiertes Sammelpostfach geschickt, welches im Rahmen unserer Standardprozesse in grĂ¶ĂŸeren zeitlichen AbstĂ€nden gesichtet wird», erlĂ€uterte der Babykosthersteller. «Hipp ist Opfer einer Erpressung.» Das Unternehmen habe einen internen Krisenstab eingerichtet. 

Betroffene Handelspartner hĂ€tten alle Hipp-BabyglĂ€schen aus dem Verkauf genommen. «Hipp ruft weiterhin alle BabykostglĂ€schen zurĂŒck, die bei Spar Österreich gekauft wurden», teilte das Unternehmen auf seiner Seite weiter mit. Im Zuge dieser RĂŒckrufaktion sei ein manipuliertes GlĂ€schen sichergestellt worden. Vorsorglich, prĂ€ventiv und ohne Verdachtsmomente nahm am Montag auch die Rewe-Gruppe in Österreich Hipp-Produkte bei Bipa, Billa, Billa Plus und Adeg aus dem Verkauf. Ebenso agierte die Drogeriemarktkette dm.

Es handele es sich nicht um einen Produkt? oder QualitĂ€tsmangel. «Die GlĂ€schen haben unser Hipp Werk in einwandfreiem Zustand verlassen», hieß es vom Unternehmen.

Was wollten der oder die Erpresser?

Den Inhalt der Erpresser-E-Mail und was konkret gefordert wurde, teilten weder Hersteller noch Polizei mit. Medien zufolge soll es um eine Geldforderung in Millionenhöhe gehen. Offiziell bestÀtigt wurde das aber nicht. 

Am Wochenende war ein mit Rattengift verseuchtes Glas «Karotten mit Kartoffeln» 190 Gramm der Firma Hipp im Bundesland Burgenland in Österreich sichergestellt worden. Zumindest zwei solcher manipulierter GlĂ€ser sollen in dieser Region in Umlauf gebracht worden sein - eines fehlt also weiter. «Wir setzen alle Hebel in Bewegung und haben nun auch Kontakt zu KindergĂ€rten und Pflegeeinrichtungen aufgenommen», sagte eine Sprecherin der Polizei im Bundesland Burgenland bereits am Montag. 

Gutachten soll Dosis von Rattengift bestimmen

Die Staatsanwaltschaft in Österreich ermittelt nach eigenen Aussagen wegen «vorsĂ€tzlicher GemeingefĂ€hrdung». Nachdem laut einem vorlĂ€ufigen toxikologischen Gutachten Rattengift in einem sichergestellten Glas festgestellt wurde, folgt nun eine genauere Untersuchung. Dabei werde es um die Dosis gehen - und wie gefĂ€hrlich das Rattengift beim Verzehr gewesen wĂ€re, so eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Burgenland.

Laut Polizei können manipulierte GlĂ€ser an einem beschĂ€digten Deckel oder am Fehlen des Plopp-Lautes beim Öffnen erkennbar sein. Zudem sollen sie einen weißen Aufkleber mit rotem Ring am Glasboden haben. Bei AuffĂ€lligkeiten an den GlĂ€schen sollte der Inhalt nicht verzehrt und die Polizei verstĂ€ndigt werden, mahnten die Beamten. 

Mehrfach waren in der Vergangenheit namhafte Unternehmen Ziel von Erpressungsversuchen mit vergifteten Lebensmitteln geworden. Nicht zum ersten Mal ist Babynahrung das Ziel.

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