Reinhold Messner erreicht 1986 als Erster alle 14 Achttausender
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 04:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMessners Weg zum letzten Gipfel
- Messner bestieg den Nanga Parbat 1970 als ersten seiner 14 Achttausender.
- Am 16. Oktober 1986 erreichte er den 8.516 Meter hohen Lhotse im Grenzgebiet zwischen Tibet und China.
- Nach dem Lhotse bestieg Messner keinen weiteren Achttausender mehr.
Messner vollendet Achttausender-Serie am Lhotse
Reinhold Messner stand am 16. Oktober 1986 als erster Mensch auf allen 14 Achttausendern der Welt. Gemeinsam mit Hans Kammerlander erreichte der damals 42-Jährige um 13.45 Uhr den 8.516 Meter hohen Lhotse, musste den Gipfel wegen eines schweren Sturms aber sofort wieder verlassen.
Der entscheidende Moment bestand aus einem Handschlag und zwei Fotos. Messner war ohne Flaschensauerstoff unterwegs, wie schon bei seinen vorherigen Achttausendern.
Ein Abschluss nach 16 Jahren
Messners erster Achttausender war 1970 der Nanga Parbat, bei dessen Besteigung sein Bruder Günther ums Leben kam. 1978 stand Messner erstmals auf dem Mount Everest, im September 1986 bestieg er mit Kammerlander den Makalu als vorletzten Achttausender.
Der Lhotse hatte Messner zuvor zweimal abgewiesen. Der Berg liegt im Grenzgebiet zwischen Tibet und China und ist über den Südsattel mit dem Everest verbunden.
Wettlauf mit Kukuczka und Ruedi
Die Besteigung fiel in einen international beachteten Wettkampf. Der Pole Jerzy Kukuczka lag damals bei elf Achttausendern, der Schweizer Marcel Ruedi bei zehn.
Ruedi kam nach dem Gipfelversuch am Makalu im September 1986 nicht mehr lebend ins Basislager zurück. Messner passierte seine Leiche auf etwa 8.200 Metern Höhe.
Messner distanziert sich vom Konkurrenzgedanken
Heute weist Messner die Vorstellung eines persönlichen Wettkampfs zurück. Er sagt, die Medien hätten daraus einen Wettbewerb gemacht. Kammerlander erinnert sich dagegen an einen harten Konkurrenzkampf, bei dem Messner die Verfolger im Nacken gespürt habe.
Nach dem Lhotse verspürte Messner nach eigenen Angaben erst später Erleichterung. Er habe sich von der Verpflichtung befreit gefühlt, weitere große Berge besteigen zu müssen, und danach keinen Achttausender mehr bestiegen.
Rekordstatus zeitweise umstritten
Später stellte ein Alpinismus-Statistiker infrage, ob Messner 1985 den höchsten Punkt des Annapurna erreicht hatte. Das Guinness-Buch strich ihn daraufhin zeitweise als Rekordhalter; inzwischen wird er dort wieder geführt.
Bis heute haben mindestens 39 Kletterer alle 14 Achttausender bestiegen, darunter 15 Frauen. Kukuczka gelang dies elf Monate nach Messner. Er starb 1989 beim Versuch, die Südwand des Lhotse zu durchsteigen.
Messners Aufstieg auf alle 14 Achttausender steht für eine Phase des Höhenbergsteigens, in der extreme Expeditionen noch stärker von langen Anmarschwegen, begrenzter Kommunikation und hohen objektiven Gefahren geprägt waren. Sein Vorgehen ohne zusätzlichen Flaschensauerstoff machte die Unternehmung besonders anspruchsvoll und prägte die Debatte über alpine Leistung und Risiko.
Der Lhotse-Gipfel war zugleich der Abschluss einer Entwicklung, die 1970 am Nanga Parbat begonnen hatte. Zwischen dem ersten Achttausender und dem letzten Gipfel lagen 16 Jahre, in denen Messner auch persönliche Verluste und wiederholte Rückschläge verkraften musste. Der Tod seines Bruders Günther am Nanga Parbat und der Tod Marcel Ruedis am Makalu zeigen die lebensgefährlichen Bedingungen dieses Wettlaufs.
Vom Expeditionsbergsteigen zum Massentourismus
Messners Rückzug von den Achttausendern fiel in eine Zeit, in der sich der Himalaya zunehmend für kommerzielle Expeditionen öffnete. Heute stehen Rekordleistungen, Zugangsfragen, Umweltbelastungen und die Sicherheit stark frequentierter Routen nebeneinander. Die Geschichte des Lhotse-Erfolgs ist deshalb nicht nur eine persönliche Gipfelbilanz, sondern auch ein Bezugspunkt für den Wandel des Höhenbergsteigens.
Für die Bewertung von Messners Leistung bleibt entscheidend, unter welchen Bedingungen sie entstand: Er bestieg die Berge ohne Flaschensauerstoff, arbeitete über Jahre an der Serie und beendete sie nach dem Lhotse. Dass der Rekord später wegen einer Debatte über den Annapurna-Eintrag vorübergehend aus dem Guinness-Buch gestrichen und wieder aufgenommen wurde, zeigt zugleich, wie stark historische Bergsteigerleistungen von Definitionen und Dokumentation abhängen.
