Gut jeder fĂŒnfte Mensch in Deutschland lebt alleine
16.07.2025 - 14:04:45 | dpa.deIn Deutschland leben rund 17 Millionen Menschen alleine. «Das ist gut jede fĂŒnfte Person (20,6 Prozent)», teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Demnach ist die Zahl der Alleinlebenden in den vergangenen 20 Jahren deutlich gestiegen - und zwar um rund 22 Prozent. Zum Vergleich: Im Jahr 2004 lebten rund 14 Millionen Menschen alleine, ihr Anteil an der Bevölkerung betrug damals 17 Prozent.
Der Trend sei nicht wirklich neu, sagt Soziologe Alexander Langenkamp von der Frankfurter Goethe-UniversitÀt. «Seit der Wiedervereinigung - aber auch davor in den alten BundeslÀndern - sehen wir, dass es immer mehr Einzelhaushalte gibt.»
Warum leben so viele Menschen alleine?
Die GrĂŒnde sind vielfĂ€ltig: Da sei der demografische Wandel mit immer mehr Ă€lteren Menschen, die dann auch durch Tod des Partners irgendwann alleine lebten, sagt der Experte. Zudem gebe es eine Verschiebung der Normen: «Individualisierung wird mehr akzeptiert. Dass Leute alleine wohnen oder dass sogar Menschen in Partnerschaften in getrennten Wohnungen leben.» Dazu komme die hohe berufliche MobilitĂ€t. Und durch die Bildungsexpansion gebe es mehr Leute, die finanziell unabhĂ€ngig seien. «Gerade Frauen, die frĂŒher vielleicht noch auf einen Partner angewiesen waren, können es sich heutzutage leisten, alleine zu wohnen.»
Die Zunahme der Alleinlebenden sei nicht per se eine schlechte Nachricht, sagt auch Janosch Schobin, der an der UniversitĂ€t Göttingen unter anderem zu Freundschaftssoziologie forscht. «Der Treiber dahinter ist aus meiner Sicht erst mal eine positive Wohlstandsentwicklung.» Auch wenn das etwas ĂŒberraschend sei, da unter den Alleinlebenden auch relativ viele Ă€rmere Menschen seien. Zudem mĂŒsse man unterscheiden «zwischen denen, die sich autonom und bewusst dafĂŒr entscheiden und denen, die unfreiwillig alleine leben».
Alleinlebende besonders hÀufig von Armut bedroht
Alleinlebende sind laut den Daten besonders hĂ€ufig von Armut bedroht. So waren nach den Ergebnissen der Erhebung zu Einkommen und Lebensbedingungen 2024 rund 29 Prozent von ihnen armutsgefĂ€hrdet. Diese Quote ist demnach fast doppelt so hoch wie die der Gesamtbevölkerung (15,5 Prozent). Das könne daran liegen, dass Alleinlebende etwa im Fall einer BerufsunfĂ€higkeit auf sich selbst gestellt seien. Oder daran, dass viele Senioren, eine Gruppe, in der Altersarmut eine Rolle spiele, alleine lebten, sagt Langenkamp.Â
Der Statistik zufolge wohnt in der Altersgruppe 65plus gut jeder Dritte (34 Prozent) in einem Einpersonenhaushalt, bei den mindestens 85-JĂ€hrigen war es mehr als jede Zweite (56 Prozent). «Aber auch unter den jungen Erwachsenen zwischen 25 und 34 Jahren war der Anteil mit 28 Prozent ĂŒberdurchschnittlich hoch», erklĂ€rten die Statistiker. Das Bundesamt gab die Zahlen auf Basis von Erstergebnissen des Mikrozensus 2024 bekannt.Â
Demnach leben Frauen den Daten zufolge etwas hĂ€ufiger alleine (21 Prozent) als MĂ€nner (20 Prozent). Das liege im hohen Alter vor allem an der frĂŒheren Sterblichkeit der MĂ€nner, sagt Schobin.Â
Anteil Alleinlebender deutlich ĂŒber EU-SchnittÂ
Und wo steht Deutschland im EU-weiten Vergleich? Der Anteil der Alleinlebenden hierzulande liegt deutlich ĂŒber dem EU-Schnitt von 16,2 Prozent. Laut der europĂ€ischen Statistikbehörde Eurostat lebten nur in den fĂŒnf nord- beziehungsweise nordosteuropĂ€ischen Staaten Litauen (27 Prozent), Finnland (26 Prozent), DĂ€nemark (24 Prozent) sowie Estland (22 Prozent) und Schweden (22 Prozent) anteilig noch mehr Menschen alleine. Am niedrigsten war der Anteil in der Slowakei (3,5 Prozent), in Irland (8 Prozent) und Polen (9 Prozent).
Das habe unter anderem damit zu tun, «dass bei uns die jungen Leute leicht an Arbeit kommen, frĂŒher ihren eigenen Lebensunterhalt verdienen, frĂŒher unabhĂ€ngig werden. Und dementsprechend frĂŒher einen eigenen Hausstand grĂŒnden können», sagt Schobin.Â
Und wie steht es um das Thema Einsamkeit?
Das Bundesamt verweist auf die Zeitverwendungserhebung aus dem Jahr 2022, wonach sich gut jede vierte alleinlebende Person (26) oft einsam fĂŒhlt. Im Durchschnitt der Bevölkerung ab 10 Jahren waren es 16,3 Prozent.
Alleinleben und Einsamkeit seien nur bedingt miteinander verbunden, betont Langenkamp. «Das eine ist der Zustand, wie ich wohne, das andere ist ein GefĂŒhl.» Man könne umgeben von Menschen sein und sich einsam fĂŒhlen. Man könne aber auch alleine leben und glĂŒcklich sein.
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