Jeder FĂŒnfte lebt in Deutschland allein
02.07.2024 - 15:10:25Jeder FĂŒnfte lebt nach einer Statistik hierzulande allein - das sind anteilig deutlich mehr Menschen als in den meisten anderen Staaten der EuropĂ€ischen Union. Den Anteil an Alleinlebenden in Deutschland gab das Statistische Bundesamt fĂŒr das vergangene Jahr mit 20,3 Prozent an, im EU-Durchschnitt waren es 16,1 Prozent. Nur in den fĂŒnf nord- beziehungsweise nordosteuropĂ€ischen Staaten Finnland, Litauen, Schweden, DĂ€nemark und Estland waren die Zahlen den Angaben zufolge höher.Â
Der Anteil betrug der europĂ€ischen Statistikbehörde Eurostat zufolge in den fĂŒnf Staaten zwischen 25,8 Prozent (Finnland) und 21,5 Prozent (Estland). Die wenigsten Alleinlebenden erfasste die Statistik anteilig in der Slowakei mit 3,8 Prozent, auf Zypern mit 8,0 Prozent und in Irland mit 8,3 Prozent.
Die Zahlen stiegen zuletzt teilweise deutlich. Bulgarien verzeichnete zwischen 2013 und 2023 ein Plus von 9,3 Prozentpunkten auf 17,8 Prozent Alleinlebende und damit den EU-weit gröĂten Zuwachs. Nur die Slowakei zĂ€hlte mit einem Minus von 4,3 Prozentpunkten auf 8,1 Prozent anteilig weniger Menschen, die allein lebten.
Anteil bei Àlteren Menschen höher
Ăltere Menschen leben besonders hĂ€ufig allein: Dies war vergangenes Jahr bei den mindestens 65-JĂ€hrigen fast doppelt so hĂ€ufig der Fall wie beim Durchschnitt der Bevölkerung. In der EU betraf dies 31,6 Prozent der Menschen ab 65 Jahren, in Deutschland 34,6 Prozent, wie das Bundesamt mitteilte.Â
Die Anteile schwanken betrĂ€chtlich: In Litauen lebte gut die HĂ€lfte aller mindestens 65-JĂ€hrigen allein, mit 51,0 Prozent war der Anteil hier am höchsten. Am niedrigsten war er in der Slowakei, wo 2023 lediglich 11,6 Prozent der Menschen ab 65 Jahren allein lebten.Â
Frauen lebten auch aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung in fast allen EU-Staaten hĂ€ufiger allein als MĂ€nner. Ihr Anteil betrug 2023 im Schnitt 54,7 Prozent.Â
Alleinlebende sind in der Statistik Menschen, die in einem Einpersonenhaushalt leben. GezĂ€hlt werden Menschen in privaten Hauptwohnsitzhaushalten. Menschen in GemeinschaftsunterkĂŒnften oder Einrichtungen wie beispielsweise Alten- oder Pflegeheimen werden nicht erfasst.Â
Einsamkeit nimmt zu
Allein leben heiĂt nicht zwangslĂ€ufig, gleichzeitig einsam zu sein - dennoch gibt es in vielen FĂ€llen einen Zusammenhang. GefĂŒhle der Einsamkeit nehmen laut Studien in Deutschland zu. Grund ist auch die Corona-Pandemie, die besonders junge Menschen einsamer machte. Dem Einsamkeitsbarometer der Bundesregierung zufolge sind neben Alleinerziehenden und Migranten zudem Menschen hohen Alters besonders betroffen.
VerbĂ€nde fordern hier konkrete Schritte der Politik. Als einen Grund fĂŒr die hohe Zahl von Alleinlebenden verwies der Sozialverband Deutschland auf die demografische Entwicklung mit einer Ă€lter werdenden Bevölkerung. Auch Ausbildung und Karriereorientierung fĂŒhrten zu lĂ€ngeren Phasen des Alleinlebens. «Das ist nicht per se etwas Negatives. Dennoch beobachten wir mit Sorge, dass immer mehr Menschen von Einsamkeit betroffen sind», erklĂ€rte die Vorstandsvorsitzende des Verbands, Michaela Engelmeier.
Erhöht sei das Risiko insbesondere bei Menschen im Alter ĂŒber 75 Jahren. «Wirksame MaĂnahmen gegen Einsamkeit erfordern zusĂ€tzliche Investitionen in Personal und Strukturen öffentlicher BegegnungsstĂ€tten», forderte Engelmeier. AuĂerdem mĂŒsse die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf verbessert werden, damit Angehörige sich ĂŒberhaupt der Pflege widmen könnten.


