Salzburger Festspiele: Belgier Peter de Caluwe wird neuer Intendant ab 2027
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 14:01 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDer belgische Opernmanager Peter de Caluwe übernimmt ab Herbst 2027 die künstlerische Leitung der Salzburger Festspiele und soll nach dem turbulenten Abschied von Intendant Markus Hinterhäuser ein neues Kapitel für das renommierte Festival eröffnen.
Selbstbild als „Mozart-Fanatiker“ und „Harmoniemensch“
In seiner ersten Pressekonferenz als designierter Intendant bezeichnete sich de Caluwe als „Mozart-Fanatiker“ und „Harmoniemensch“. Er betonte, zunächst den Dialog mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie mit dem Publikum suchen zu wollen, bevor er konkrete Programmideen vorstellt. Seine Beziehung zu den Festspielen begann vor mehr als 40 Jahren, als ihm als Student vor dem Festspielhaus überraschend eine Freikarte für Mozarts „Figaros Hochzeit“ angeboten wurde. Damals erlebte er erstmals Sängerinnen und Sänger live, die er zuvor nur von Schallplatten kannte.
Anspruch: Spitzenkunst ohne Exklusiv-Image
De Caluwe erklärte, Salzburg sei für ihn ein Ort, an dem etwas Außergewöhnliches möglich werde. Zugleich machte er deutlich, dass er nicht für Exklusivität stehen wolle. Ziel sei, neue Publikumsschichten anzusprechen, ohne das künstlerische Top-Niveau zu senken. Obwohl es zahlreiche günstige Tickets gibt, gelten die Festspiele wegen Kartenpreisen von bis zu 485 Euro und ihres wohlhabenden Premierengastes weiterhin als exklusives Festival. Eine im Sommer veröffentlichte Umfrage der Kommunistischen Partei ergab, dass etwa die Hälfte der Salzburger Bevölkerung noch nie eine Aufführung der Festspiele besucht hat.
Festspiele als europäischer Ort des Austauschs
Die nach dem Ersten Weltkrieg gegründeten Salzburger Festspiele beschrieb de Caluwe als „europäischen Ort“. Gerade in einer Demokratie brauche es Orte, an denen unterschiedliche Perspektiven sichtbar würden, sagte er. Er kündigte an, die Grenzen zwischen Opern-, Konzert- und Theaterproduktionen aufbrechen zu wollen und dafür eng mit Fachleuten aus den einzelnen Sparten zusammenzuarbeiten. Allein könne er diese Aufgabe nicht bewältigen, betonte der Kulturmanager.
Bruch mit dem Führungsstil des Vorgängers
De Caluwes kooperativer Ansatz markiert einen deutlichen Kontrast zu seinem Vorgänger Markus Hinterhäuser. Dieser war mit seinem selbstbewussten Führungsstil im Festspielkuratorium, dem Gremium der öffentlichen Geldgeber, angeeckt. Trotz künstlerischer und wirtschaftlicher Erfolge musste Hinterhäuser im März seinen Posten räumen. Für die Festspielsommer 2026 und 2027 übernimmt die Deutsche Karin Bergmann als Übergangs-Intendantin die Verantwortung.
Laufbahn und Auswahl gegen prominente Konkurrenz
De Caluwe begann seine Opernkarriere in den 1980er Jahren als Dramaturg an der Brüsseler Oper La Monnaie und wechselte anschließend an die Nationale Oper in Amsterdam. Von 2007 bis 2025 leitete er La Monnaie; unter seiner Führung wurde das Haus zweimal von Fachzeitschriften zur Oper des Jahres gewählt. Im Auswahlverfahren für Salzburg setzte er sich gegen prominente Gegenkandidaten durch, darunter Barrie Kosky, den ehemaligen Intendanten der Komischen Oper Berlin, und Sophie de Lint, die Intendantin der Nationalen Oper in Amsterdam. Beide waren laut Salzburgs Landeshauptfrau Karoline Edtstadler bis zuletzt als mögliche Doppelspitze im Gespräch.
Hohe Erwartungen und große Investitionsprojekte
Edtstadler lobte de Caluwe als bestens vernetzt und als einen der feinsinnigsten Intendanten Europas. Zudem hob sie sein Verständnis für wirtschaftliche Belange hervor. Dies gilt als wichtige Voraussetzung, denn auf de Caluwe und die Festspiele kommen große finanzielle und organisatorische Herausforderungen zu: Der Ausbau der Festspiel-Infrastruktur ist mit 519 Millionen Euro veranschlagt. Zugleich drängt die Zeit, da bislang keine Ersatzbühne für das Große Festspielhaus feststeht, das in den Festival-Sommern 2029 und 2030 saniert werden soll.
Neuer Intendant in einer sensiblen Übergangsphase
Die Berufung von Peter de Caluwe an die Spitze der Salzburger Festspiele fällt in eine Phase des Umbruchs. Nach dem abrupteren Abschied von Markus Hinterhäuser und der Übergangszeit unter Karin Bergmann übernimmt de Caluwe ein Haus, das künstlerisch erfolgreich ist, zugleich aber unter hohem Erwartungsdruck steht. Die Festspiele gelten weltweit als eines der wichtigsten Klassik- und Theaterfestivals, jede Personalentscheidung hat daher Signalwirkung über Österreich hinaus.
Spannungsfeld zwischen Exklusivität und Öffnung
Wenn de Caluwe betont, er stehe nicht für Exklusivität, sondern wolle neue Publikumsschichten erreichen, greift er eine alte Debatte um die Festspiele auf. Die hohen Ticketpreise und das stark internationale, finanzkräftige Publikum nähren seit Jahren den Eindruck eines elitären Ereignisses. Die von der Kommunistischen Partei veröffentlichte Umfrage, wonach etwa die Hälfte der Salzburger Bevölkerung noch nie bei den Festspielen war, unterstreicht dieses Spannungsfeld. De Caluwes biografischer Zugang über ein Gratisticket und seine Selbstbeschreibung als „Mozart-Fanatiker“ deuten darauf hin, dass er künstlerische Exzellenz mit niederschwelliger Vermittlung verbinden will.
Große Projekte und organisatorische Risiken
Parallel zur Neuausrichtung an der Spitze stehen die Festspiele vor gewaltigen Investitionen in ihre Infrastruktur. Der geplante Ausbau mit einem Volumen von 519 Millionen Euro und die anstehende Sanierung des Großen Festspielhauses in den Sommern 2029 und 2030 machen deutlich, dass die Intendanz künftig stark mit Bau- und Übergangsfragen befasst sein wird. Dass bislang keine Ersatzbühne für die Zeit der Sanierung gefunden ist, erhöht den Druck auf das neue Führungsteam. Für das internationale Renommee des Festivals wird entscheidend sein, ob es gelingt, den Spielbetrieb auf hohem Niveau durch diese Bauphase zu führen und die Öffnung für breitere Publikumsschichten mit der wirtschaftlichen Stabilität zu verbinden.
