Lebensgefahr, Luftverschmutzung

Lebensgefahr Luftverschmutzung: Über 250.000 Tote in der EU

24.11.2023 - 13:35:56 | dpa.de

Schadstoffe in der Luft machen krank und können sogar zum Tod fĂŒhren. Wie viele TodesfĂ€lle vermieden werden könnten, zeigt die EU-Umweltagentur in einem neuen Bericht.

Feinstaub entsteht etwa durch den Betrieb von Autos, Heizungen in WohnhÀusern oder der Industrie, aber auch in der Landwirtschaft. - Foto: Matthias Balk/dpa
Feinstaub entsteht etwa durch den Betrieb von Autos, Heizungen in WohnhÀusern oder der Industrie, aber auch in der Landwirtschaft. - Foto: Matthias Balk/dpa

Schlechte Luft bleibt nach EinschĂ€tzung der EU-Umweltagentur EEA das grĂ¶ĂŸte von Umweltbedingungen ausgehende Gesundheitsrisiko. Rund 253.000 TodesfĂ€lle in der EU hĂ€tten im Jahr 2021 im Zusammenhang mit Feinstaubwerten ĂŒber den empfohlenen Grenzen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gestanden, teilte die EEA im Rahmen des «Clean Air Forum» der EU in Rotterdam mit.

Ziel der EU ist, die Zahl der TodesfĂ€lle im Zusammenhang mit Feinstaub-Belastung bis 2030 um 55 Prozent im Vergleich zum Jahr 2005 zu reduzieren. Zwischen 2005 und 2021 ist die Zahl der TodesfĂ€lle laut EEA im Zuge sinkender Luftverschmutzung bereits um 41 Prozent zurĂŒckgegangen.

«Die Auswirkungen der Luftverschmutzung auf unsere Gesundheit sind immer noch zu hoch», mahnte EEA-Direktorin Leena YlĂ€-Mononen. Den SchĂ€tzungen zufolge verursacht Feinstaub die grĂ¶ĂŸten gesundheitlichen Belastungen durch Herzerkrankungen, gefolgt von SchlaganfĂ€llen, Diabetes, der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), Lungenkrebs sowie Asthma.

Mehr als 30.000 TodesfÀlle in Deutschland

In Deutschland stehen den Angaben nach 32.300 TodesfĂ€lle in Zusammenhang mit zu viel Feinstaub in der Luft. Die höchsten Sterblichkeitsraten gebe es in den östlichen und sĂŒdlichen LĂ€ndern, sagte YlĂ€-Mononen. In den Bericht wurden rund 40 europĂ€ische LĂ€nder einbezogen.

Die WHO hatte die empfohlenen Grenzwerte fĂŒr PM2,5-Feinstaub im Jahr 2021 gesenkt - fĂŒr die mittlere jĂ€hrliche Belastung von 10 auf 5 Mikrogramm (tausendstel Gramm) pro Kubikmeter Luft. Als PM2,5 werden Feinstaubpartikel mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometern (tausendstel Millimetern) bezeichnet. PM2,5-Partikel können teils bis in die LungenblĂ€schen und in die Blutbahn vordringen.

Neben Feinstaub auch NO2 und Ozon problematisch

Feinstaub besteht laut Umweltbundesamt (UBA) aus einem Gemisch fester und flĂŒssiger Partikel und entsteht etwa durch den Betrieb von Autos, Heizungen in WohnhĂ€usern oder der Industrie, etwa bei der Metall- und Stahlerzeugung. Auch in der Landwirtschaft entsteht Feinstaub, etwa Ammoniakemissionen aus der Tierhaltung.

Neben Feinstaub bleiben auch Stickstoffdioxid (NO2) und bodennahes Ozon in der Luft ein Problem: 52.000 TodesfÀlle in der EU sind nach der EEA-Analyse einer erhöhten Belastung durch Stickstoffdioxid zuzuordnen, 22.000 der Ozon-Belastung.

App «European Air Quality Index»

EEA-Experten fordern, die von der WHO empfohlenen Richtwerte einzuhalten, um TodesfĂ€lle zu vermeiden. Es brauche Maßnahmen auf EU-Ebene, aber auch auf nationaler und lokaler Ebene. In den StĂ€dten etwa gehe es vor allem darum, den Verkehr neu zu organisieren, um Menschen vor Luftverschmutzung zu schĂŒtzen.

EU-BĂŒrgerinnen und BĂŒrger können in der App «European Air Quality Index» nachschauen, wie es um die LuftqualitĂ€t in ihrer Umgebung bestellt ist und wie sie damit umgehen können. So könnten sie beispielsweise entscheiden, ob gerade ein guter Zeitpunkt ist, um draußen Sport zu machen, sagen EEA-Experten. Die App könne auch dabei helfen, LĂ€nder oder Regionen miteinander zu vergleichen und auf Probleme mit schlechter Luft aufmerksam zu machen.

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