Zunahme von SchĂŒssen in Berlin - rund 30 VerdĂ€chtige in Haft
05.06.2026 - 15:59:30 | dpa.de
Immer wieder fallen auf den Berliner StraĂen SchĂŒsse - deswegen gibt es eine eigene Ermittlergruppe. Rund drei Monate nach der GrĂŒndung bei der Staatsanwaltschaft befinden sich 29 VerdĂ€chtige in Untersuchungshaft. Das teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Insgesamt bearbeiten die Juristen 126 Verfahren (Stichtag 27. Mai). In acht weiteren FĂ€llen wurde Anklage erhoben, wie es weiter hieĂ.Â
In einem Fall begann am Dienstag vor dem Landgericht Berlin der Prozess: Es geht um Schutzgelderpressung und SchĂŒsse als Denkzettel. Vier MĂ€nner im Alter von 21 bis 26 Jahren stehen unter anderem wegen gefĂ€hrlicher Körperverletzung, versuchter schwerer rĂ€uberischer Erpressung und Bedrohung vor Gericht.
Spezialisten bei Polizei und Staatsanwaltschaft
Die Ermittlungsgruppe «Telum» (lateinisch fĂŒr «Angriffswaffe») wurde Ende Februar eingerichtet, um die BekĂ€mpfung der Organisierten KriminalitĂ€t (OK) zu verstĂ€rken. Die Staatsanwaltschaft reagierte damit auf die Sondereinheit des Landeskriminalamts «Ferrum» (lateinisch fĂŒr «Eisen»), die es seit November 2025 gibt. Beide Gruppen arbeiten eng zusammen.Â
Die Berliner Polizei richtete «Ferrum» ein, nachdem die Schusswaffengewalt in der Hauptstadt deutlich zugenommen hatte. Hintergrund waren wiederholte Straftaten gegen tĂŒrkisch-kurdische Gewerbetreibende, insbesondere SchĂŒsse auf deren Lokale durch mutmaĂlich tĂŒrkisch-kurdische Mitglieder der organisierten KriminalitĂ€t.
Mehr als 40 Mal scharf geschossen
In diesem Jahr wurde nach Polizeiangaben bereits in 46 FĂ€llen aus Handfeuerwaffen scharf geschossen, wie die «Berliner Morgenpost» berichtete. Im Gesamtjahr 2025 registrierte die Berliner Polizei demnach 37 solcher FĂ€lle.Â
Insgesamt zĂ€hlte die Polizei im vergangenen Jahr 1.119 FĂ€lle von Schusswaffengebrauch, etwas mehr als die HĂ€lfte waren Drohungen, in 515 FĂ€llen wurde geschossen. Das waren insgesamt 68 Prozent mehr Straftaten, bei denen mit Waffen gedroht oder geschossen wurde, als im Vorjahr 2024.Â
Die Entwicklung wirkt sich auf das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung aus. Nach dem Bericht der «Berliner Morgenpost» ziehen erste Unternehmen und Vermieter in betroffenen Gebieten Konsequenzen.Â
Die Zeitung zitiert aus dem Schreiben eines Vermieters eines GebĂ€udes in der Neuköllner HermannstraĂe, in dessen Umgebung es zu Schussabgaben kam: «Wir nehmen die Situation rund ums Haus sehr ernst.» Man beobachte die verĂ€nderte Dynamik in der Nachbarschaft laufend und stehe deshalb verstĂ€rkt im Austausch mit der Polizei und dem Sicherheitsdienst, heiĂt es dort weiter. Weitere MaĂnahmen wĂŒrden geprĂŒft. Den Mietern wird empfohlen, auf die Umgebung zu achten, die ZugĂ€nge zum GebĂ€ude verschlossen zu halten und keinen unbefugten Personen Zutritt zu gewĂ€hren.Â
Festnahmen in vergangenen Tagen
Polizei und Staatsanwaltschaft versuchen unterdessen, den Druck zu erhöhen. Am vergangenen Wochenende gab es erneut einen sogenannten Verbundeinsatz mit Schwerpunkten in Neukölln und Kreuzberg. Dabei wurden laut «Berliner Morgenpost» fast 200 Menschen kontrolliert und fĂŒnf VerdĂ€chtige festgenommen.Â
Am Mittwoch wurde dann in Berlin ein 38-JĂ€hriger in Schöneberg festgenommen, der im MĂ€rz auf zwei BrĂŒder in Kreuzberg geschossen haben soll. Ende Mai wurden nach SchĂŒssen im Graefekiez vier VerdĂ€chtige gefasst. Aktuell erhoffen sich die Ermittler durch einen Zeugenaufruf Hinweise auf die TĂ€ter von SchĂŒssen am 25. Mai in Kreuzberg im Bereich der UrbanstraĂe.Â
Ein wichtiger Schlag gegen eine mutmaĂliche Bande von sogenannten Schutzgeld-Erpressern gelang Mitte Mai bei dem bislang gröĂten Einsatz mit rund 570 EinsatzkrĂ€ften. Neun verdĂ€chtige MĂ€nner im Alter von 23 bis 63 Jahren wurden festgenommen. Es geht unter anderem um den Vorwurf der Bildung einer kriminellen Vereinigung. Die Polizei beschlagnahmte Drogen, Bargeld, eine Schusswaffe, Schusswaffenteile, Schreckschusswaffen, zwei Autos sowie DatentrĂ€ger und Handys.
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