Experte: Mord und Totschlag unter Jugendlichen selten
12.11.2023 - 05:12:29 | dpa.deAuch wenn die FĂ€lle immer fĂŒr Schlagzeilen sorgen: Mord und Totschlag sind seltene Delikte in der JugendkriminalitĂ€t. «Insgesamt wurden 2022 in ganz Deutschland bei Mord und Totschlag 513 vollendete und 1723 versuchte FĂ€lle von der Polizei registriert», sagte Professor Klaus Boers vom Institut fĂŒr Kriminalwissenschaften der UniversitĂ€t MĂŒnster. Von den ermittelten TatverdĂ€chtigen sei ein Viertel im Alter zwischen 8 bis 20 Jahren.
Jugendgewalt insgesamt rĂŒcklĂ€ufig
Generell sei spĂ€testens seit Mitte der 2000er Jahre die Jugendgewalt stark zurĂŒckgegangen, sagte der Kriminologe. «Das PhĂ€nomen wird âCrime Dropâ genannt und ist auch international zu beobachten.» In Deutschland sei die polizeilich registrierte Jugendgewalt im Jahr 2022 zum ersten Mal seit langem gestiegen. «Ob das eine Eintagsfliege oder eine Trendwende ist, können wir erst in zwei, drei Jahren sagen», erklĂ€rte Boers. Verglichen mit den 1990er Jahren bewege sich die JugendkriminalitĂ€t aber noch immer auf einem niedrigen Niveau.
Ob ein junger Mensch gewalttÀtig werde, hÀnge ganz wesentlich von seiner Sozialisierung ab. Einfluss auf das VerhÀltnis zu Gewalt habe neben Freundeskreisen und Lehrern vor allem das Elternhaus. «Wenn Kinder geschlagen werden, verstehen sie Gewalt unter UmstÀnden als Mittel der Kommunikation», sagte Professor Boers. Bei den Eltern und in der Schule lerne ein junger Mensch soziale Normen. «Also, was erlaubt ist und was nicht.»
PubertÀt ist kritisches Alter
GrundsÀtzlich sei man in der PubertÀt am gefÀhrdetsten, um in die KriminalitÀt abzurutschen, sagte der Experte. Zwischen 12 und 16 Jahren seien junge Menschen in einer sensiblen Lebensphase. Ab Mitte des Jugendalters werde es in der Regel wieder weniger kritisch.
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