Tatort, Schule

Tatort Schule: 18-JÀhrige in Gymnasium getötet

25.01.2024 - 16:01:09

Schule soll ein Ort der Möglichkeiten, der Entfaltung, der Entwicklung sein. In St. Leon-Rot ist ein Gymnasium zum Tatort geworden. Eine 18-JÀhrige stirbt. Die Polizei geht von einer Beziehungstat aus.

  • EinsatzkrĂ€fte von Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr sind an einer Schule im Einsatz. - Foto: RenĂ© Priebe/dpa

    René Priebe/dpa

  • Spezialeinsatzkraft der Polizei. - Foto: RenĂ© Priebe/dpa

    René Priebe/dpa

EinsatzkrÀfte von Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr sind an einer Schule im Einsatz. - Foto: René Priebe/dpaSpezialeinsatzkraft der Polizei. - Foto: René Priebe/dpa

Sankt Leon-Rot ist ein kleiner Ort, wohl einer von denen, in denen es sich ganz gut leben lĂ€sst, aber die kaum einer kennt. Rund 14 000 Einwohner, ein Golfclub, ein See, es gibt drei Fußballvereine und ein großes Straßenfest. Am Donnerstag rauscht der Name der Gemeinde nahe Heidelberg auf tragische Weise bundesweit durch die Schlagzeilen.

Überall blinkt Blaulicht in dem Örtchen. Die Feuerwehr ist da, RettungskrĂ€fte, die Polizei. Beamte sperren die Straßen ab, Einsatzleiter rufen nervös durch die Gegend. Verunsicherte BĂŒrger versammeln sich vor dem Rathaus. Sirenengeheul. Vermummte, schwer bewaffnete EinsatzkrĂ€fte begeben sich durch die Glasfront in das Löwenrot-Gymnasium.

Mit Messer niedergestochen

Eine Gewalttat in dem modernen SchulgebĂ€ude erschĂŒttert die kleine Gemeinde. Um 10.19 Uhr geht ein Notruf bei der Polizei ein. ZunĂ€chst ist die Rede von einer Frau, die in dem örtlichen Gymnasium schwer verletzt wurde. Bald ist klar: Es handelt sich um eine 18-jĂ€hrige SchĂŒlerin. Und es wird bekannt, dass sie den Angriff nicht ĂŒberlebt hat. Reanimationsversuche noch am Tatort scheitern. Sie wurde niedergestochen mit einem Messer.

Wer fĂŒr ihren Tod verantwortlich ist, bleibt zunĂ€chst unklar. Doch schon frĂŒh sprechen die EinsatzkrĂ€fte davon, dass es sich wohl um eine Beziehungstat handelt. Der VerdĂ€chtige ist auf der Flucht. Ein Polizeihubschrauber fliegt ĂŒber den Ort, fahndet nach ihm. Zwar gehen die Beamten nicht von einer Gefahr fĂŒr die Bevölkerung aus, aber ein Sprecher rĂ€umt ein: «Ich kann nicht in den Kopf der Person reinschauen, vieles ist möglich.»

TĂ€ter flieht mit Auto

Der TĂ€ter ist indes bereits weit weg. Er flieht mit dem Auto. Erst in Seesen in Niedersachsen, rund 312 Kilometer Luftlinie vom Tatort, wird er schließlich festgenommen - nachdem er einen Unfall baut und dabei verletzt wird. Die Staatsanwaltschaft will am Freitag beim Amtsgericht in Heidelberg einen Haftbefehl gegen ihn beantragen.

Es handelt sich um einen 18-jĂ€hrigen SchĂŒler. Er ist bei der Polizei offenbar kein Unbekannter. Bereits im November 2023 habe die SchĂŒlerin Strafanzeige gegen ihn wegen körperlicher Gewalt gestellt, teilten Staatsanwaltschaft und Polizei mit. Abgesehen davon sei der VerdĂ€chtige strafrechtlich bislang nicht in Erscheinung getreten.

Motiv noch unbekannt

Aus welchen konkreten GrĂŒnden der junge Mann die SchĂŒlerin tötete, das bleibt weiter offen. Die Polizei nennt keine Einzelheiten. Das betroffene Gymnasium wurde 1998 als Privatgymnasium Leimen mit einer Elterninitiative gegrĂŒndet. Derzeit werden nach Angaben der Schule dort 685 SchĂŒler von 85 LehrkrĂ€ften unterrichtet. «Besucher melden sich bitte immer im Sekretariat an», steht auf einem großen Schild vor dem GebĂ€ude. Die Homepage der Schule zeigt am Donnerstag eine Fehlermeldung an.

Rund 650 SchĂŒler werden am Vormittag evakuiert und an eine Sammelstelle gebracht, laut Polizei in eine Sporthalle. Eltern holen sie nach und nach ab. Nach der Festnahme kehrt wieder etwas mehr Ruhe ein in St. Leon-Rot. Im Obergeschoss der Schule sind Kriminaltechniker der Polizei unterwegs.

Die Tat erinnert an eine andere Gewalttat im vergangenen November in Offenburg. Damals hatte ein 15 Jahre alter SchĂŒler einen Gleichaltrigen in einer sonderpĂ€dagogischen Schule erschossen. Der Angriff des Deutschen hatte sich nach Polizeiangaben in der 9. Klasse des TatverdĂ€chtigen abgespielt. Der 15-jĂ€hrige SchĂŒler war demnach in sein Klassenzimmer gekommen und hatte seinem MitschĂŒler mit einer Handfeuerwaffe in den Hinterkopf geschossen.

@ dpa.de