Werner Höfer, Deutschland

«Internationaler FrĂŒhschoppen» - Mutter aller Polit-Talks

30.08.2023 - 10:03:33

Sechs oder sieben MĂ€nner sitzen an einem Tisch und tauschen sich rauchend und trinkend ĂŒber die Weltlage aus. Dieses Konzept trug ĂŒber 30 Jahre lang eine der erfolgreichsten Fernsehsendungen - den «Internationalen FrĂŒhschoppen».

  • Fernseh-Moderator Werner Höfer (3.v.r.) im August 1987 mit seinen GĂ€sten, darunter die ehemaligen Regierungssprecher Klaus Bölling (r) und Peter Boenisch (l). - Foto: Franz-Peter Tschauner/dpa

    Franz-Peter Tschauner/dpa

  • Fernseh-Moderator Werner Höfer (3.v.r.) im August 1987 mit seinen GĂ€sten, darunter die ehemaligen Regierungssprecher Klaus Bölling (r) und Peter Boenisch (l). - Foto: Franz-Peter Tschauner/dpa

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  • Fernseh-Moderator Werner Höfer (3.v.r.) im August 1987 mit seinen GĂ€sten, darunter die ehemaligen Regierungssprecher Klaus Bölling (r) und Peter Boenisch (l). - Foto: Franz-Peter Tschauner/dpa

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  • Fernseh-Moderator Werner Höfer (3.v.r.) im August 1987 mit seinen GĂ€sten, darunter die ehemaligen Regierungssprecher Klaus Bölling (r) und Peter Boenisch (l). - Foto: Franz-Peter Tschauner/dpa

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  • Fernseh-Moderator Werner Höfer (3.v.r.) im August 1987 mit seinen GĂ€sten, darunter die ehemaligen Regierungssprecher Klaus Bölling (r) und Peter Boenisch (l). - Foto: Franz-Peter Tschauner/dpa

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  • Fernseh-Moderator Werner Höfer (3.v.r.) im August 1987 mit seinen GĂ€sten, darunter die ehemaligen Regierungssprecher Klaus Bölling (r) und Peter Boenisch (l). - Foto: Franz-Peter Tschauner/dpa

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  • Fernseh-Moderator Werner Höfer (3.v.r.) im August 1987 mit seinen GĂ€sten, darunter die ehemaligen Regierungssprecher Klaus Bölling (r) und Peter Boenisch (l). - Foto: Franz-Peter Tschauner/dpa

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  • Fernseh-Moderator Werner Höfer (3.v.r.) im August 1987 mit seinen GĂ€sten, darunter die ehemaligen Regierungssprecher Klaus Bölling (r) und Peter Boenisch (l). - Foto: Franz-Peter Tschauner/dpa

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  • Fernseh-Moderator Werner Höfer (3.v.r.) im August 1987 mit seinen GĂ€sten, darunter die ehemaligen Regierungssprecher Klaus Bölling (r) und Peter Boenisch (l). - Foto: Franz-Peter Tschauner/dpa

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Fernseh-Moderator Werner Höfer (3.v.r.) im August 1987 mit seinen GÀsten, darunter die ehemaligen Regierungssprecher Klaus Bölling (r) und Peter Boenisch (l). - Foto: Franz-Peter Tschauner/dpaFernseh-Moderator Werner Höfer (3.v.r.) im August 1987 mit seinen GÀsten, darunter die ehemaligen Regierungssprecher Klaus Bölling (r) und Peter Boenisch (l). - Foto: Franz-Peter Tschauner/dpaFernseh-Moderator Werner Höfer (3.v.r.) im August 1987 mit seinen GÀsten, darunter die ehemaligen Regierungssprecher Klaus Bölling (r) und Peter Boenisch (l). - Foto: Franz-Peter Tschauner/dpaFernseh-Moderator Werner Höfer (3.v.r.) im August 1987 mit seinen GÀsten, darunter die ehemaligen Regierungssprecher Klaus Bölling (r) und Peter Boenisch (l). - Foto: Franz-Peter Tschauner/dpaFernseh-Moderator Werner Höfer (3.v.r.) im August 1987 mit seinen GÀsten, darunter die ehemaligen Regierungssprecher Klaus Bölling (r) und Peter Boenisch (l). - Foto: Franz-Peter Tschauner/dpaFernseh-Moderator Werner Höfer (3.v.r.) im August 1987 mit seinen GÀsten, darunter die ehemaligen Regierungssprecher Klaus Bölling (r) und Peter Boenisch (l). - Foto: Franz-Peter Tschauner/dpaFernseh-Moderator Werner Höfer (3.v.r.) im August 1987 mit seinen GÀsten, darunter die ehemaligen Regierungssprecher Klaus Bölling (r) und Peter Boenisch (l). - Foto: Franz-Peter Tschauner/dpaFernseh-Moderator Werner Höfer (3.v.r.) im August 1987 mit seinen GÀsten, darunter die ehemaligen Regierungssprecher Klaus Bölling (r) und Peter Boenisch (l). - Foto: Franz-Peter Tschauner/dpaFernseh-Moderator Werner Höfer (3.v.r.) im August 1987 mit seinen GÀsten, darunter die ehemaligen Regierungssprecher Klaus Bölling (r) und Peter Boenisch (l). - Foto: Franz-Peter Tschauner/dpaFernseh-Moderator Werner Höfer (3.v.r.) im August 1987 mit seinen GÀsten, darunter die ehemaligen Regierungssprecher Klaus Bölling (r) und Peter Boenisch (l). - Foto: Franz-Peter Tschauner/dpaFernseh-Moderator Werner Höfer (3.v.r.) im August 1987 mit seinen GÀsten, darunter die ehemaligen Regierungssprecher Klaus Bölling (r) und Peter Boenisch (l). - Foto: Franz-Peter Tschauner/dpaFernseh-Moderator Werner Höfer (3.v.r.) im August 1987 mit seinen GÀsten, darunter die ehemaligen Regierungssprecher Klaus Bölling (r) und Peter Boenisch (l). - Foto: Franz-Peter Tschauner/dpaFernseh-Moderator Werner Höfer (3.v.r.) im August 1987 mit seinen GÀsten, darunter die ehemaligen Regierungssprecher Klaus Bölling (r) und Peter Boenisch (l). - Foto: Franz-Peter Tschauner/dpaFernseh-Moderator Werner Höfer (3.v.r.) im August 1987 mit seinen GÀsten, darunter die ehemaligen Regierungssprecher Klaus Bölling (r) und Peter Boenisch (l). - Foto: Franz-Peter Tschauner/dpaFernseh-Moderator Werner Höfer (3.v.r.) im August 1987 mit seinen GÀsten, darunter die ehemaligen Regierungssprecher Klaus Bölling (r) und Peter Boenisch (l). - Foto: Franz-Peter Tschauner/dpaFernseh-Moderator Werner Höfer (3.v.r.) im August 1987 mit seinen GÀsten, darunter die ehemaligen Regierungssprecher Klaus Bölling (r) und Peter Boenisch (l). - Foto: Franz-Peter Tschauner/dpaFernseh-Moderator Werner Höfer (3.v.r.) im August 1987 mit seinen GÀsten, darunter die ehemaligen Regierungssprecher Klaus Bölling (r) und Peter Boenisch (l). - Foto: Franz-Peter Tschauner/dpaFernseh-Moderator Werner Höfer (3.v.r.) im August 1987 mit seinen GÀsten, darunter die ehemaligen Regierungssprecher Klaus Bölling (r) und Peter Boenisch (l). - Foto: Franz-Peter Tschauner/dpa

Vor 70 Jahren, am 30. August 1953, war die Fernsehpremiere des «Internationalen FrĂŒhschoppens». FĂŒr die SpĂ€tgeborenen: Das hatte nichts mit Shoppen zu tun, sondern bezog sich auf den damaligen Brauch, zwischen Kirchgang und Sonntagsbraten noch mal schnell einen trinken zu gehen, was FrĂŒhschoppen genannt wurde.

Geleitet wurde die gleichermaßen alkoholisierte wie verrĂ€ucherte Runde von einem Herrn mit Vorderglatze und dickglasiger Hornbrille: Werner Höfer (1913-1997). Er moderierte die Sendung 35 Jahre lang - die ersten eineinhalb davon ausschließlich im Radio, dann auch im Fernsehen. «Ich bin in der Versuchszeit des Fernsehens als Versuchskarnickel vorgefĂŒhrt worden», sagte er 1985. Im RĂŒckblick gilt der «Internationale FrĂŒhschoppen» als Mutter aller Polit-Talks.

Minimalistische Studiokulisse

Nachdem der «FrĂŒhschoppen» 1953 ins Fernsehen gekommen war, lief er ein halbes Menschenleben lang nach dem gleichen Muster ab. Zu Beginn um Punkt Zwölf ertönte die sonore Stimme von Egon Hoegen - auch bekannt aus der Verkehrserziehungsserie «Der 7. Sinn» - und kĂŒndigte «sechs Journalisten aus fĂŒnf LĂ€ndern» an. Dann sah man diese GĂ€ste auch schon in der minimalistischen Studiokulisse hinter MoselweinglĂ€sern sitzen, und Werner Höfer leitete die Sendung beispielsweise mit folgendem Satz ein: «Die Wiedersehensfreude ist unter allen Weihnachtsfreuden der reinsten und der rarsten eine.»

Die Wiederholung des Immergleichen kam dem BedĂŒrfnis der traumatisierten Kriegsgeneration nach Konstanten entgegen. Als Höfer es sich 1954 einmal herausnahm, ein paar Wochen Urlaub zu machen, gingen beim WDR wĂ€schekorbweise Protestbriefe ein. Danach ließ Höfer die Sendung nie mehr ausfallen. Er machte nur noch Urlaub auf Sylt und fuhr jedes Wochenende nach Köln und wieder zurĂŒck. Als er Sylt 1962 wegen einer Flutkatastrophe nicht verlassen konnte, leitete er den «FrĂŒhschoppen» telefonisch. Optisch verĂ€nderte sich Höfer in all den Jahren so gut wie nicht.

Ein Schleier von Zigarettenqualm

So loriothaft die heute noch auf Youtube verfĂŒgbaren Ausschnitte auch wirken mögen, einige Elemente heutiger Talkshows sind schon deutlich erkennbar: Es gab einen Moderator, es gab GĂ€ste, und es gab ein Thema, möglichst aktuell. Sobald sich innerhalb der honorigen Runde aber eine auch nur halbwegs angeregte Diskussion zu entwickeln drohte, ging Höfer dazwischen und zwang alles in den Ritus des Reihum-Abfragens zurĂŒck. Es musste friedlich bleiben, schließlich war Sonntag. Dagegen wurde es ohne weiteres geduldet, wenn einer der GĂ€ste eine minutenlange Polemik vom Blatt ablas - so geschehen in einer Sendung zu Beethoven.

Normalerweise besprachen Höfer und seine GĂ€ste Themen aus der hohen Politik, und zwar keineswegs nur aus der deutschen. Es war nicht ungewöhnlich, wenn sich die Herren eine geschlagene Stunde lang ĂŒber französische Innenpolitik austauschten. Und dabei wurde einfach mal vorausgesetzt, dass der Zuschauer mit den grundlegenden Fakten vertraut war. Von wegen Einspielfilmchen und ErklĂ€rstĂŒcke: Am Ende verlor man sowieso den Durchblick, denn dann verschwand die Runde zunehmend hinter einem Schleier von Zigarettenqualm.

Nazi-VorwĂŒrfe gegen Werner Höfer

Frauen traten in der Sendung lange vorzugsweise als Kellnerinnen auf, die den Herren eifrig nachschenkten. Als Höfer 1985 einmal von dem jungen Thomas Gottschalk interviewt wurde, berichtete der 71-JĂ€hrige: «Da kommen immer Briefe von Feministinnen: "Warum, immer Frauen fĂŒr diese dienenden Funktionen? Warum nicht MĂ€nner?"» Das war als launige Bemerkung gedacht und kam auch genauso an: Das Publikum lachte und klatschte.

Das Ende kam plötzlich. Im Dezember 1987 grub der «Spiegel» einen Hetzartikel Höfers aus der Nazizeit aus. Höfer wand sich, wiegelte ab und erging sich in AusflĂŒchten. Dann musste er abtreten. Nachfolgesendung war der bis heute laufende «Presseclub». Auf Phoenix gibt es den «Internationalen FrĂŒhschoppen» bis heute: Er lĂ€uft dort immer dann, wenn der «Presseclub» ausfĂ€llt.

Höfer lebte nach seinem Abgang noch zehn Jahre, aber er war zum Gemiedenen geworden. Einer der wenigen, die fĂŒr ihn Partei ergriffen, war der Publizist Sebastian Haffner («Anmerkungen zu Hitler»), der in den 30er Jahren vor den Nazis nach England geflohen war. Er sagte: «Wenn alle ehemaligen NSDAP-Mitglieder sich nach dem Kriege so engagiert fĂŒr die Demokratie eingesetzt hĂ€tten wie Werner Höfer, dann brauchten wir uns um den Bestand der Demokratie keine Sorgen zu machen.

@ dpa.de