Haftstrafe, Tod

Haftstrafe fĂŒr Mann nach vorgetĂ€uschtem Tod auf Ostsee

13.03.2024 - 10:47:36 | dpa.de

Sein vorgetÀuschter Tod auf der Ostsee in der Kieler Bucht sollte dem Paar Millionen einbringen. Doch die Norddeutschen flogen auf. Nun hat der Mann eine Haftstrafe erhalten - im zweiten Anlauf.

Blick in einen leeren Sitzungssaal im Landgericht Kiel: Hier wurde ĂŒber das Ehepaar geurteilt. - Foto: Christian Charisius/dpa
Blick in einen leeren Sitzungssaal im Landgericht Kiel: Hier wurde ĂŒber das Ehepaar geurteilt. - Foto: Christian Charisius/dpa

Sie waren auf Millionen aus und landeten deshalb gleich zweimal vor Gericht. Ein Paar aus dem Norden tÀuschte den Tod des Mannes in der Ostsee bei Kiel vor. Doch das monatelange Versteckspiel des heute 56-JÀhrigen flog auf.

Heute hat ihn das Kieler Landgericht wegen versuchten Versicherungsbetruges in 14 FÀllen zu drei Jahren und zwei Monaten verurteilt. Die gleichaltrige Ehefrau erhielt zwei Jahre auf BewÀhrung.

Es handele sich um Gesamtfreiheitsstrafen unter Einbeziehung von BewĂ€hrungsstrafen aus einem ersten Prozess, sagte der Vorsitzende Richter Johann KĂŒmmel bei der UrteilsbegrĂŒndung. Schreiben belegten die Absicht der Angeklagten, «bei möglichst vielen Versicherungen so schnell wie möglich an ihr Geld zu kommen».

Der Fall im Detail

Das Ehepaar hatte am 7. Oktober 2019 den Tod des Mannes durch ein BootsunglĂŒck in der Kieler Bucht vor dem Schönberger Strand vorgetĂ€uscht. Drei Tage spĂ€ter meldete die Ehefrau ihren Mann als vermisst. Die Polizei wurde jedoch schnell misstrauisch. Am aufgefundenen Boot stellte ein Gutachter Manipulationen fest, die es sinken ließen.

Den Versicherungen reichte, anders als vom Angeklagten zunÀchst angenommen, die Todesmeldung nicht aus. Sie wollten auch eine Sterbeurkunde oder BestÀtigung seines Todes vom Amtsgericht. Das aber dauert mindestens sechs Monate.

Der Mann habe die fĂŒhrende Rolle bei Planung und Organisation der Tat gespielt, sagte der Richter. Seine Frau sei MittĂ€terin mit untergeordneter Rolle gewesen. Um die eigentliche Schuldfrage ging es bei der Neuauflage des Prozesses aber gar nicht. 

Das Landgericht hatte beide Angeklagte im Februar 2021 wegen versuchten Betrugs einer Unfallversicherung zu BewĂ€hrungsstrafen von einem Jahr und neun Monaten beziehungsweise einem Jahr verurteilt. Diese Entscheidungen sind rechtskrĂ€ftig. Der Bundesgerichtshof in Leipzig hob die FreisprĂŒche in 13 anderen FĂ€llen von versuchtem Betrug anderer Versicherungen spĂ€ter jedoch auf.

Wie begrĂŒndet das Gericht das neue Urteil?

Nach Überzeugung der Richter hatten die Angeklagten gehofft, die 14 Versicherungen wĂŒrden auch ohne Sterbeurkunde insgesamt 4,1 Millionen Euro auszahlen. In Schreiben an diese hĂ€tte das Paar zwar nicht ausdrĂŒcklich die Auszahlung der Versicherungssummen gefordert, sagte Richter KĂŒmmel. «Doch durch die Zusendung der Versicherungsscheine ergibt sich konkludent der Wunsch nach Auszahlung.» 

Zudem habe sich das Paar nach Kenntnis des Verschollenheitsgesetzes auch mit dem Thema Sterbeurkunde befasst. Einlassungen der Angeklagten halte die Kammer fĂŒr widerlegt.

Die Staatsanwaltschaft hatte fĂŒr den Angeklagten wegen gemeinschaftlichen gewerbs- und bandenmĂ€ĂŸigen Betrugsversuchs in 13 FĂ€llen eine Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und zwei Monaten, fĂŒr die Frau zwei Jahre auf BewĂ€hrung gefordert. «Die Tat war dermaßen dilettantisch geplant», sagte die StaatsanwĂ€ltin wĂ€hrend ihres PlĂ€doyers.

Die Verteidiger beantragten fĂŒr beide Angeklagten FreisprĂŒche. Zuvor hatten diese ĂŒber ihre AnwĂ€lte GestĂ€ndnisse verlesen lassen. «Das Ganze war aus heutiger Sicht total hirnrissig», ließ der Mann erklĂ€ren und begrĂŒndete das Geschehen mit einer finanziellen Notlage. Er habe Deutschland verlassen und in den USA untertauchen wollen. Beide Angeklagte entschuldigten sich fĂŒr ihr Handeln. «Ich habe mich in etwas hineinziehen lassen, dass ich nicht ĂŒberblicken und ĂŒberschauen konnte», ließ die Frau erklĂ€ren.

Monatelanges Versteckspiel

Nach der Tat hatte sich der Angeklagte monatelang - zunĂ€chst bei einer Bekannten in Hamburg, ab November 2019 dann im Haus seiner Mutter im niedersĂ€chsischen Schwarmstedt - versteckt. Dort fand ihn im Mai 2020 schließlich ein Mobiles Einsatzkommando der Polizei. Hinter Kisten versteckt war sein Ehering im Schein einer Taschenlampe aufgeblitzt. Zur Auszahlung der 14 Risiko-Lebens- und Unfallversicherungen kam es nicht.

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