Waffen, Großeinsatz

Waffen bei Großeinsatz gefunden: Mann «hochgradig aggressiv»

11.11.2023 - 22:38:50

Seit mehr als 24 Stunden ist die Polizei mit SpezialkrĂ€ften im Milower Land im Einsatz. Sie hat dort ein Haus umstellt, wo sich ein Mann verschanzt hat. Doch nach SchĂŒssen ist die Lage weiter unĂŒbersichtlich.

SchĂŒsse aus einem Wohnhaus, ein bewaffneter Mann, der sich darin verschanzt hat, eine Festnahme und ein Kind, das dem Jugendamt ĂŒbergeben wird: Seit Freitagnachmittag hĂ€lt ein Großeinsatz der Polizei die Gemeinde Milower Land in Brandenburg in Atem.

Beim VorrĂŒcken auf das Haus konnte die Polizei mehrere Waffen sicherstellen. Auf dem WohngelĂ€nde und im Haus seien Schusswaffen, Munition und weitere gefĂ€hrliche GegenstĂ€nde entdeckt worden. Darunter sei auch eine Handgranate, sagte eine Sprecherin der Brandenburger Polizei der Deutschen Presse-Agentur am Abend. Es sei davon auszugehen, dass sich noch weitere Schusswaffen im Besitz des Mannes befĂ€nden.

Die Polizei konnte den Mann bislang noch nicht ĂŒberwĂ€ltigen. Nachdem am Abend weitere SchĂŒsse in dem Haus fielen, rĂŒckten Beamte in das GebĂ€ude vor. SpezialkrĂ€fte seien in dem Haus und darum herum im Einsatz. «Bei dem TatverdĂ€chtigen handelt es sich um eine hochgradig aggressive Person», sagte die Polizeisprecherin. Ein Zugriff benötige deshalb weitere Vorbereitungen. Oberste PrioritĂ€t habe die Sicherheit der Polizisten.

In dem Haus hielten sich am Freitag bei Ankunft der EinsatzkrĂ€fte um 13.45 Uhr der VerdĂ€chtige, ein weiterer Mann sowie ein Kind mit seiner Mutter auf. Die Polizei war mit einem Großaufgebot angerĂŒckt, um einen Beschluss des Amtsgerichts zu vollstrecken und das Kind dem Jugendamt zu ĂŒbergeben. Zahlreiche Details sind derzeit noch unklar - etwa, in welcher Beziehung die Beteiligten zueinander stehen.

In der Nacht kam die Mutter dann aus dem Haus und ĂŒbergab das Kind dem Jugendamt. Zuvor war am spĂ€ten Freitagnachmittag einer der beiden MĂ€nner mit einer Waffe aus dem Haus getreten und von Polizisten ĂŒberwĂ€ltigt und festgenommen worden. Verletzt wurde dabei nach Angaben einer Sprecherin der Polizeidirektion West niemand.

Polizei hat keinen Kontakt mit VerdÀchtigem

Der andere Mann hielt sich weiter in dem GebĂ€ude auf, er soll auch auf die Polizisten vor dem Haus geschossen haben. Er verschanzte sich in dem GebĂ€ude und gab am Nachmittag dann erneut mehrere SchĂŒsse ab, wie Polizeisprecher Daniel Keip sagte. Kontakt zum VerdĂ€chtigen hatte die Polizei nicht. Weiterhin versuchten die Beamten, einen Kontakt herzustellen, sagte der Sprecher.

Ein dpa-Reporter berichtete am Mittag von einer Detonation vor dem Haus. Ein Panzerfahrzeug habe sich Richtung GebÀude in Bewegung gesetzt.

Die Polizei forderte Anwohner dazu auf, in ihren HĂ€usern zu bleiben. Der BĂŒrgermeister der Gemeinde Milower Land rief zur Besonnenheit auf. Die Gemeinde hat etwa 4400 Einwohner, im Ortsteil Vieritz leben rund 300. Das Dorf liegt 20 Kilometer nordwestlich von Brandenburg an der Havel.

Die Polizei hatte mit ihrem Einsatz das Jugendamt bei der Durchsetzung eines Beschlusses des Amtsgerichts unterstĂŒtzt. Wegen anzunehmender KindeswohlgefĂ€hrdung waren auch Spezialeinheiten zum Einsatzort angerĂŒckt. UnterstĂŒtzt wurden sie von Polizisten aus Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Die genauen HintergrĂŒnde des Vorfalls waren auch am Samstag noch unklar. Auch Details zu dem bewaffneten Mann wollte ein Polizeisprecher zunĂ€chst nicht mitteilen.

BĂŒrger sollen zu Hause bleiben

Einwohner zeigten sich besorgt. «Man weiß ja nicht, wie es ausgehen wird», sagte der 33-jĂ€hrige Harry Meier der dpa. Anwohner hĂ€tten von Familienstreitigkeiten in dem betroffenen Wohnhaus berichtet. Meier wohnt am Ortsrand, außerhalb des abgesperrten Gebietes. Das betroffene Wohnhaus befinde sich etwa in der Mitte des Dorfes, beschrieb er. BĂŒrger sollten dort auf Anweisung der Polizei fĂŒr die Dauer des Einsatzes in ihren Wohnungen bleiben. Anwohner, die von außerhalb kommen, dĂŒrfen seit dem Polizeieinsatz nicht in ihre HĂ€user.

BĂŒrgermeister Felix Menzel rief dazu auf, sich nicht an Spekulationen im Internet zu beteiligen. «Das bringt nichts, die Leute sollen bitte abwarten», sagte Menzel am Samstagmorgen in der «MĂ€rkischen Allgemeinen Zeitung». «Ich hoffe, dass niemand verletzt wird - weder von der Bevölkerung noch von den EinsatzkrĂ€ften.» Die Situation sei beunruhigend und außergewöhnlich. «Hoffentlich behalten alle die Nerven.»

@ dpa.de