Behörden, Eruption

Behörden nennen möglichen Ort fĂŒr Eruption in Island

20.11.2023 - 16:32:24

Seit Wochen bereitet ein Magma-Tunnel im SĂŒdwesten Islands den Menschen Sorgen. Wo genau das flĂŒssige Gestein zu Tage treten könnte, weiß der Zivilschutz nicht. Vulkanologen erklĂ€ren den Grund.

Die islĂ€ndischen Behörden haben einen möglichen Ausbruchsort des flĂŒssigen Gesteins aus dem seit Wochen aktiven Magma-Tunnel im SĂŒdwesten des Landes genannt. Die Verformung des Bodens weise auf ein Gebiet etwa zwei Kilometer nördlich der gerĂ€umten Stadt GrindavĂ­k hin, sagte Zivilschutzdirektor VĂ­dir Reynisson am Montag. Das Geothermiekraftwerk Svartsgeni sei rund 1,5 Kilometer entfernt.

Reynisson sagte, das Werk liefere HeizwĂ€rme fĂŒr 30.000 Menschen. Der Schutz der Anlage genieße höchste PrioritĂ€t. Der Bau von WĂ€llen, die austretendes Magma aufhalten sollen, gehe schneller vonstatten als gedacht.

Unter der Halbinsel Reykjanes verlĂ€uft ein etwa 15 Kilometer langer Magmatunnel bis unter den Meeresboden vor der KĂŒste. Am Montag registrierte der Wetterdienst bis zum Mittag rund 460 Erdbeben. Das heftigste hatte eine StĂ€rke von 2,7.

Ausbruch sehr wahrscheinlich

Nach Angaben von Reynisson lÀuft immer noch Magma in den Tunnel und befindet sich schÀtzungsweise 1000 Meter unter der ErdoberflÀche. «Es besteht ein hohes Risiko eines Ausbruchs in den nÀchsten Tagen, aber wir können es nicht genau quantifizieren», sagte er. Falls eine Eruption weiter ausbleibe, nehme die Wahrscheinlichkeit eines Ausbruchs mit der Zeit ziemlich schnell ab.

Der Vulkanologe Olafur Gudmundsson von der UniversitĂ€t Uppsala sagte der schwedischen Nachrichtenagentur TT am Wochenende, der Tunnel sei entstanden, weil das Magma auf dem Weg zur ErdoberflĂ€che auf Widerstand gestoßen sei und sich dann horizontal ausgebreitet habe. Es könne irgendwo ausbrechen oder sich verfestigen.

Nach Angaben des Seismologen Björn Lund wĂ€re ein Vulkanausbruch in diesem Teil der Halbinsel Reykjanes der erste seit etwa 800 Jahren. In der Gegend um GrindavĂ­k gebe es Spaltvulkane, die entstĂŒnden, wenn sich ein Riss im Boden auftue, durch den die Lava in einer FontĂ€ne nach oben schieße - manchmal Hunderte Meter. Das sei aber wahrscheinlich kein explosiver Ausbruch wie beim islĂ€ndischen Vulkan Eyjafjallajökull 2010, weil die Lava bei GrindavĂ­k anders zusammengesetzt sei. «Wenn man ein paar Hundert Meter oder einen Kilometer entfernt bleibt, besteht keine große Gefahr», sagte der Wissenschaftler der UniversitĂ€t Uppsala TT. Allerdings entstehe eine Menge gesundheitsschĂ€dliches Schwefeldioxid.

@ dpa.de