Sylt jagt einen Goldschakal - erster Abschuss in Deutschland
07.06.2025 - 03:00:38 | dpa.deWeitgehend unbemerkt haben sich Goldschakale in Deutschland immer mehr ausgebreitet - nun soll erstmals eines der geschĂŒtzten Tiere erlegt werden. Der Schakal soll auf Sylt zahlreiche LĂ€mmer gerissen haben. Das Landesamt fĂŒr Umwelt in Schleswig-Holstein erteilte daraufhin eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung. Es wĂ€re der erste bestĂ€tigte Abschuss eines Goldschakals in Deutschland, wie es vom Deutschen Jagdverband (DJV) heiĂt.
«In diesem Fall liegen gleich drei gewichtige GrĂŒnde vor, deshalb befĂŒrworte ich eine Ausnahmegenehmigung durch das Landesamt fĂŒr Umwelt», hatte Umweltminister Tobias Goldschmidt (GrĂŒne) erklĂ€rt. Es gehe darum, weitere SchĂ€den bei Nutztieren zu verhindern. Das Tier bedeute zudem eine Gefahr fĂŒr BodenbrĂŒter. «Zudem hat die DeichschĂ€ferei eine besondere Bedeutung fĂŒr den KĂŒstenschutz.»
Kaum jemand bekommt mal einen zu sehen
Goldschakale sind nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschĂŒtzt und gehören hierzulande nicht zu den regulĂ€r jagdbaren Arten. Die Tiere sind sehr scheu, sie meiden den Kontakt mit Menschen und sind nur selten zu sehen. FĂŒr Menschen stellen sie keine Gefahr dar, fĂŒr kleinere Nutztiere wie Schafe schon. Die Risse auf Sylt waren seit dem 19. Mai entdeckt worden. Dass ein Goldschakal und nicht etwa ein wildernder Hund der TĂ€ter war, wurde ĂŒber Proben genetisch nachgewiesen.
Etwa zehn Kilogramm wiegt ein Goldschakal (Canis aureus). Er ist gröĂer als ein Fuchs, kleiner als ein Wolf und geht meist nachts im Familienverband auf die Jagd. Canis aureus ist die einzige in Europa vorkommende Schakalart. In der afrikanischen Savanne lebt der Schabrackenschakal (Canis mesomelas), in Afrika sĂŒdlich der Sahara der Streifenschakal (Canis adustus). Goldschakale hingegen sind im Nahen Osten, in Indien und in weiteren Regionen Asiens besonders hĂ€ufig.
Der kleine Bruder des Wolfes breitet sich aus
In Europa siedelten Goldschakale ursprĂŒnglich vor allem im sĂŒdöstlichen Balkan. Doch seit Jahrzehnten macht sich der kleine Bruder des Wolfes weitgehend unbemerkt von der Ăffentlichkeit auf den Weg in immer neue Gefilde. Die Art breitet sich der Large Carnivore Initiative for Europe (LCIE) zufolge in Mittel-, West- und Nordeuropa aus. Erste bestĂ€tigte Nachweise gab es hierzulande 1997 im sĂŒdlichen Brandenburg, inzwischen kommt die Art weit verbreitet vor.
WÀhrend der Wolf in Deutschland und anderen mitteleuropÀischen LÀndern vor seiner Ausrottung schon einmal heimisch war, zieht es den eng mit ihm verwandten Goldschakal erstmals in diese Regionen. Nach LCIE-Hochrechnungen leben inzwischen etwa 150.000 Goldschakale in Europa. Zum Vergleich: Der Wolfsbestand in dieser Region wird auf 23.000 Tiere geschÀtzt.
Höchst flexibler Generalist
Die Tiere mit gelbgrauem Fell und fuchsĂ€hnlichem Puschelschwanz fressen eigentlich alles - von KleinsĂ€ugern, Amphibien und Fischen bis hin zu Insekten, Aas und pflanzlicher Nahrung wie Ăpfeln und FrĂŒchten. Sie sind Generalisten, die sich gut an verschiedene LebensrĂ€ume und Kulturlandschaften anpassen können. In Wolfsterritorien lassen sie sich allerdings nach bisherigen Erkenntnissen ungern nieder: Der groĂe Bruder stellt eine tödliche Gefahr dar.
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