Bei fingierten Sextreffen verletzt - «Pedo Hunting»-Verdacht
24.06.2025 - 12:24:44Vier MĂ€nner sollen in Franken zu fingierten Sextreffen gelockt, dort ausgeraubt und zum Teil schwer verletzt worden sein. Ein solches Vorgehen kursiert derzeit unter dem Schlagwort «Pedo Hunting» in sozialen Netzwerken, wie ein Sprecher der Polizei in NĂŒrnberg sagte.
Nach vier bekanntgewordenen FÀllen von Anfang Juni nahm die Polizei in dieser Woche sechs VerdÀchtige im Alter von 16 bis 18 Jahren fest. Sie kommen aus dem Raum Hilpoltstein und sitzen unter anderem wegen des Verdachts des schweren Raubs in Untersuchungshaft. Sie sollen die Taten in wechselnder Besetzung begangen haben.
Opfer gingen nicht alle zur Polizei
Laut den bisherigen Ermittlungen sollen sie sich auf einem Kleinanzeigenportal im Internet als MinderjĂ€hrige ausgegeben und zu Sextreffen mit den erwachsenen MĂ€nnern verabredet haben. An den verabredeten Orten sollen sie den MĂ€nnern aufgelauert und auf sie eingeschlagen und -getreten haben. Auch Pfefferspray und Elektroschocker sollen dabei zum Einsatz gekommen sein. Ihren Opfern nahmen sie anschlieĂend WertgegenstĂ€nde ab. Die Betroffenen zogen sich demnach zum Teil schwere Verletzungen zu, die im Krankenhaus behandelt werden mussten.Â
Nicht alle Opfer wendeten sich an die Polizei. Manche FĂ€lle wurden erst im Zuge der Ermittlungen bekannt. Es sei nicht auszuschlieĂen, dass es noch weitere FĂ€lle gebe. Die Polizei weist darauf hin, dass sich gerade jugendliche TĂ€ter der Tragweite ihres Handelns möglicherweise nicht vollstĂ€ndig bewusst seien: Es handle sich bei den VorfĂ€llen um schwere Straftaten wie etwa schweren Raub, die eine lĂ€ngere Haftstrafe nach sich ziehen könnten.
Motivlage bislang unklar
Beim PhĂ€nomen «Pedo Hunter» (deutsch: «PĂ€dophilen-JĂ€ger») handelt es sich um eine Person, die sich auf Internetportalen als minderjĂ€hrig ausgibt, um mutmaĂliche SexualstraftĂ€ter in eine Falle zu locken. Das Aufeinandertreffen wird meist gefilmt und im Internet geteilt. Diese öffentliche BloĂstellung geschieht ohne rechtliche Legitimation. Obwohl viele Akteure sich auf ein moralisches Anliegen berufen, verstoĂen sie hĂ€ufig selbst gegen Strafgesetze - etwa durch Nötigung oder Verleumdung. Die Polizei warnt ausdrĂŒcklich vor dieser Form der Selbstjustiz, da sie neben der strafrechtlichen Problematik laufende Ermittlungen gefĂ€hrden kann.
Da Betroffene solcher Taten aus Scham darauf verzichten könnten, den Vorfall anzuzeigen, können TĂ€ter darauf hoffen, unerkannt zu bleiben. Verfassungsschutzbehörden beobachten Aufrufe zum «Pedo-Hunting» aus der rechtsextremen Szene. Was das Motiv der VerdĂ€chtigen in Mittelfranken ist, sei bislang noch völlig unklar, betonte der Sprecher. Hinweise auf rechtsextreme BezĂŒge gebe es nicht.


